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Neue Stadt Wulfen seit 1967

Der 50. Geburtstag von Barkenberg weckt Heimatgefühle

Dorsten. Der Ortsteil Wulfen-Barkenberg, 1967 auf der grünen Wiese errichtet, feiert seinen 50. Geburtstag am Sonntag (5.11.) mit einem letzten und 100. Stadtteilrundgang des Barkenberger Urgesteins Rainer Diebschlag und einer Party im Gemeinschaftshaus Wulfen am Wulfener Markt.

Der 50. Geburtstag von Barkenberg weckt Heimatgefühle

Rainer Diebschlag vor einem der Barkenberger „Sahnestücke“, dem Barkenberger See mit der Gesamtschule Wulfen im Hintergrund. Foto: Engel Foto: Foto: Claudia Engel

Am Sonntag wird Rainer Diebschlag seine Runde zum 100. und zum letzten Mal drehen.Zehn Jahre lang hat Diebschlag jährlich zehn Rundgänge geleitet. Er macht Schluss damit, weil die Zeit gekommen ist, dass „ein anderer übernimmt“. Er macht Schluss mit seinen öffentlichen Rundgängen durch seine geliebte Heimat Wulfen-Barkenberg, deren einzigartige Architektur und Ökologie er Hunderten Menschen aus Dorsten, aus ganz Deutschland und aus der Welt nahegebracht hat.

Nicht jeder versteht, warum Barkenberger ihre Heimat besonders lieben und schätzen. „Was gibt es denn da schon Besonderes“, höhnen Unwissende. Rainer Diebschlag versucht mit großem Kenntnis- und Sachverstand anderen zu vermitteln, warum es in Barkenberg so schön und lebenswert ist.

Diebschlags Weg führt von Wulfens Mitte, dem Wulfener Markt am Gemeinschaftshaus, über den Napoleonsweg am Barkenberger See vorbei in die Wohngebiete. „Alles Bauten von Architekten mit herausragendem Ruf, die zum Beispiel auch am Pariser Platz in Berlin ihre Handschrift hinterlassen haben.“ Hier sollte das Zentrum für Wulfen und Barkenberg sein, ein Ort, geschaffen für die Förderung des Gemeinsinns Tausender Neuzuzüge im Stadtteil. „Doch diese Planung war von Anfang an übergroß“, wie Diebschlag sagt. Heute stehen Ladenzeilen und Wohnungen am Markt weitgehend leer.

50.000 Menschen

Mit der Planung und Gründung der Neuen Stadt Wulfen vor 50 Jahren sollten 50.000 Menschen aus dem Ruhrgebiet mit der Eröffnung der Zeche Wulfen eine neue Heimat in Barkenberg finden. Daraus wurde nichts, da der Niedergang des Steinkohlebergbaus rasant war.

Heute leben 8.500 Menschen überwiegend in den dicht aneinander gebauten Einfamilienhäusern Barkenbergs. „Zweidrittel der Häuser in Barkenberg sind Einfamilienhäuser“, so Diebschlag. Von den übergroßen Mehrfamilienhäusern mit 300 Wohnungen an Barkenberger und Dimker Allee trennte sich die Stadt mithilfe des Programms Stadtumbau West zwischen 2007 und 2014. Doch der Moloch dieser Massenunterkünfte mit den vielen problembeladenen „A‘s“ – Arbeitslosen, Ausländern, Asylbewerber, Armen, Alten – haftet hartnäckig an Barkenberg. „Wo habt ihr denn Eure Moschee?“, sei Diebschlag von einem auswärtigen Rundgangteilnehmer gefragt worden, als der erstmals in Barkenberg war.

Fotogalerie Barkenberg

Rainer Diebschlag deutet auf einen typischen Platz in Barkenberg: Wie hier am Surick haben die Bewohner stets Grün vor Augen, vor allem viele alte, Bäume und schattenspendenden Baumkronen.
Der Surickplatz galt mal als Musterbeispiel für urbanes, doch geschütztes Leben: hier konnten die Kinder der Siedlung vom Verkehr ungefährdet unter den Platanen spielen.
An der Barkenberger Allee hat ein ehemaliger Texaner sein neues Traumhaus gefunden:  Er  blickt in den Park vor seiner Haustür, der einstmals Schulhof der Blauen Schule war.
Der schönste Weg in Barkenberg, der Napoleonsweg, führt schnurstracks  am Barkenberger See vorbei und wird von Fußgängern, Radfahrern und Rollifahrern gerne genutzt, da der Autoverkehr hier ausgesperrt bleibt.
Auf der Barkenberger Kunstmeile an der Dimker Allee steht diese Stele, auf der sich ehemalige Bewohner aus dem Wohnumfeld mit einer denkenswerten Klingelanlage verewigt haben. Neben einer Namenstafel eines abgerissenen Hauses finden Betrachter das Wort "Abgeschoben". Damit erinnern die ehemaligen Bewohner an das Schicksal von Nachbarn, die nachts abgeholt wurden, um in ihre Ursprungsheimat  gebracht zu werden.
Karl-Heinz Lehmanns ganzer Stolz ist die finnische Fichte, die er 1969 als Minibäumchen aus Skandinavien nach Barkenberg einführte. Wie fast alle Barkenberger hat Lehmann ein ausgeprägtes Heimatgefühl: "Hier kriegt man mich nur mit den Füßen voran raus", sagt er.
Mehrere Objekte schmücken die Kunstmeile in der Fußgängerpassage Dimker Allee, hier die Banderole aus Metall, die wichtige Daten des Ortsteils Neue Stadt Wulfen enthält.
Rainer Diebschlag plaudert vor einem der Häuser der "Finnstadt" am Napoleonsweg mit Bewohnerin Helma Flaß.
Renate Friedrich und Rainer Diebschlag kennen sich aus ihrer gemeinsamen Schulzeit an der Gesamtschule Wulfen. Zeit für eine kleine Plauderrunde am Napoleonsweg.
Rainer Diebschlag vor einem der  Barkenberger "Sahnestücke", dem Barkenberger See mit der Gesamtschule Wulfen im Hintergrund.
Rainer Diebschlag vor einem der  Barkenberger "Sahnestücke", dem Barkenberger See mit der Gesamtschule Wulfen im Hintergrund.
Die Kuppel der Barbarakirche am Surick ragt weithin sichtbar aus ihrer Umgebung heraus. Das war nicht immer so, aber weil es durch das Flachdach fürchterlich hineinregnete, musste eine neue Lösung gemeinsam gefunden werden. Die Kuppel schützt die undichten Bullaugen nun vor eindringendem Regenwasser.
Rainer Diebschlag vor einem der  Barkenberger "Sahnestücke", dem Barkenberger See mit der Gesamtschule Wulfen im Hintergrund.

Eine Moschee konnte Diebschlag dem Fragesteller nicht zeigen. Aber viele, mitten im Grünen eingebettete Einfamilienhäuser, große Parkanlangen und Wiesen, die den Bewohnern regelrecht zu Füßen liegen. „Das ist die Idee vom Grünkonzept, eine Vernetzung von Grünflächen, in die sich die verdichtete Wohnbebebauung schmiegt“, sagt Diebschlag.

Am Beispiel des früheren Schulhofs der Blauen Schule, die einem gemeinsamen Wohnprojekt gewichen ist, wird deutlich, was Diebschlag meint: „Über die ehemaligen Schulhoftreppen führt der Weg ins üppige Grün, beschattet von den Kronen mächtiger alter Bäume“ – Orte zum Verweilen und zum Innehalten, nicht nur für Menschen, sondern auch für die vielstimmig trällernde Vogelwelt, die ihre Heimat in der ökologischen Vielfalt hat.

Heimatgefühle

„Wir haben hier direkt vor unserer Wohnung eine Grünanlage, hier kriegt uns keiner mehr raus“, sagen Helma und Manfred Klaß, Bewohner eines der mediterran anmutenden Häuser der Finnstadt am Napoleonsweg. Dort wie anderenorts in Barkenberg fügt sich die besondere Bauweise mit ihren treppenartig angelegten Terrassen und den abgestuften Geschossen harmonisch in das Grün ein. „Die Nachbarn verstehen sich hier prächtig“, schwärmen die Eheleute von ihrer neuen Heimat seit sechs Jahren. Sie gaben ihre langjährige Wohnung am Himmelsberg her, um sich in der Finnstadt einzukaufen.

Der ganze Stolz

Auch Karl-Heinz Lehmann am Himmelsberg sagt, dass ihn keine zehn Pferde aus seiner Umgebung wegkriegen. Stolz deutet er auf sein Reihenhäuschen, eines von Hunderten in Barkenberg, die Menschen mit kleinem Einkommen vor 50 Jahren den Kauf eines Hauses überhaupt erst ermöglichten. Spuren des sozialen, familienfreundlichen Wohnungsbaus findet man überall in Barkenberg, wie Rainer Diebschlag beim Rundgang zeigt. Zum Beispiel am Surickplatz, der ersten und ältesten Siedlung Barkenbergs. Hier wird auch deutlich, warum Barkenberg gerade bei Familien mit Kindern und bei alten Menschen so viel Zugkraft besitzt. „Die Häuser sind um einen Platz gebaut, alle Erdgeschosswohnungen haben einen eigenen kleinen Garten, das gibt es sonst nirgendwo.“

Deutschlandweit einzigartig dürfte auch das Konzept sein, dass der innere Wegering rund um die Wohnhäuser ausschließlich Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist. „Eine Marburger Professorin war mal ganz irritiert, dass die Kinder hier mit ihrem Rad an ihr vorbeigeschwirrt sind“, erinnert sich Diebschlag. In Marburg, so die Frau, sei das nicht möglich, da würden die Kinder ausschließlich mit dem Auto zur Schule gebracht. Um die Grünflächen und deren Pflege ist in Barkenberg ein Richtungsstreit entbrannt. Im kommenden Jahr sollen die Bürger gemeinsam eine Lösung finden. Für Rainer Diebschlag gibt es keine Alternative: „Was grün ist auf öffentlichen Wegen und Plätzen, muss grün bleiben.“ Sein Mitstreiter, Peter Broich, könnte sich gut vorstellen, dass Barkenberg wegen „seiner einzigartigen Ökologie und Architektur insgesamt unter Denkmalschutz gestellt wird“. „Das gibt es sonst nirgendwo“, ist das Credo in Barkenberg, dem viele folgen.

Der Stadtteilspaziergang am Sonntag (5.11.) startet um 15 Uhr am Gemeinschaftshaus. Am Nachmittag feiern die Ortsteilbewohner im Gemeinschaftshaus, am abendlichen Essen können die Gäste nur nach Voranmeldung in der Bar 61 teilnehmen..

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