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Prozess am Amtsgericht

Freispruch trotz Zwang zum Oralsex

Dorsten Ein 32-jähriger Mann wurde am Mittwoch vom Vorwurf der Vergewaltigung einer jungen Frau freigesprochen. Wann ist ein Nein ein Nein? Darum ging es im Prozess.

Freispruch trotz Zwang zum Oralsex

Das Amtsgericht in Dorsten war Schauplatz der Verhandlung.

Ein Fall, der „zwei junge Familien in tiefes Unglück gestürzt hat“, sagte Richterin Lisa Hinkers am Ende der Verhandlung am Mittwoch. Die Anklage legte einem 32-jährigen Mann aus Lembeck zur Last, in der Silvesternacht 2016/2017 eine 30-jährige, eng mit ihm und seiner Frau befreundete Frau trotz ihres Widerstandes zum Oralsex gezwungen zu haben.

Eine schwere Straftat

Laut Strafrecht ist das nicht einvernehmliche Eindringen in den Körper einer anderen Person eine Vergewaltigung. „Eine schwere Straftat, die mit einer Gefängnisstrafe nicht unter zwei Jahren zu ahnden ist“, wie die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer sagte. Stringent hatte das Opfer in seiner polizeilichen Vernehmung und später auch bei der Staatsanwaltschaft den Ablauf der zunächst fröhlichen Silvesternacht geschildert, die in einer schweren sexuellen Entgleisung des Angeklagten ausuferte.

Mit Blicken, einer abwehrenden Handbewegung und einem Hochziehen ihrer Kleidung habe die Frau vergeblich versucht, die Handlung zu verhindern, hieß es in der Anklage. Bei einer Vergewaltigung muss das Opfer im Prozess sehr deutlich machen, wie es sich gegen die Übergriffe gewehrt hat, damit das Gericht auf Vergewaltigung erkennen und entsprechend urteilen kann.

„Wie gelähmt„

Lautes Schreien, massive Gegenwehr und Tritte gelten als Nachweis, dass das Opfer mit der sexuellen Handlung nicht einverstanden ist. Aber, so betonte die Anwältin des Opfers: „Es gibt viele Frauen, die wegen eines Übergriffes wie gelähmt sind, zumal dann, wenn sie den Täter gut kennen.“ Gerade weil ihre Mandantin Vertrauen in den Mann gehabt habe und er wusste, dass sie sehr zurückhaltend ist, sei die Tat besonders verwerflich und zu verurteilen.

Andere Bewertung

Richterin Lisa Hinkers und ihre beiden Schöffinnen bewerteten das Verhalten der Frau anders: „Spätestens in dem Moment, wo sie anzügliche Bemerkungen von ihm gehört hat, hätte sie nicht in seinem Haus übernachten dürfen, sondern einen Weg suchen müssen, um der Übernachtung aus dem Weg zu gehen.“

Keine lesbaren Signale

Weil sie trotzdem auf das Übernachtungsangebot eingegangen sei und im Moment des Übergriffes keine lesbaren, deutbaren Signale ausgesandt habe, dass sie das nicht wollte, könne das Gericht den Angeklagten nicht verurteilen, zumal dieser „in seltener Freimütigkeit“, wie die Richterin befand, über die Details des Tatabends berichtete.

Den Freispruch mochte sich das Opfer nicht anhören. Es ist wegen seiner traumatischen Erfahrung in stationärer psychiatrischer Behandlung. Auch der Angeklagte trägt schwer an seiner Schuld: „Ich entschuldige mich bei ihr und hoffe, dass es ihr bald besser geht.“

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