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Interview mit Heinz Pasterny

Ältester Bezirksbürgermeister Dortmunds wird 80 Jahre alt

Scharnhorst Der Scharnhorster Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny wird am Freitag (10.11.) 80 Jahre alt - und ist damit der älteste Bezirksbürgermeister oder Bezirksvorsteher, den Dortmund jemals hatte. Ein Gespräch über Fitness im Alter, den Wandel in der Politik und seine Zukunftspläne.

Ältester Bezirksbürgermeister Dortmunds wird 80 Jahre alt

Der Scharnhorster Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny wird heute 80 Jahre alt, und wir gratulieren hiermit ganz herzlich. Hildegard Pasterny ist seit 1959 an seiner Seite. Foto: Andreas Schröter

Hallo Herr Pasterny, die Pressestelle der Stadtverwaltung geht davon aus, dass es noch nie einen Bezirksbürgermeister oder Bezirksvorsteher in Dortmund gab, der älter war als Sie. Wie bleiben Sie so fit?

Ich weiß nicht. Gute Gene vermutlich. Für Sport hatte ich jedenfalls nie Zeit. Und ich kenne einige ehemalige Sportler in meinem Alter, denen es heute gar nicht mehr gut geht. Früher, als ich so viel gearbeitet habe, hat meine Tochter mal zu mir gesagt: Papa, wenn du so weitermachst, wirst du keine 50. Und jetzt bin ich schon 80. Auch meine Frau Hildegard sorgt dafür, dass ich fit bleibe. Ich habe irgendwo gelesen, dass verheiratete Männer länger leben als unverheiratete – zum Beispiel weil die Frauen darauf achten, dass sich der Mann gesund ernährt.

Sie sind 1966 in die SPD eingetreten. Was waren damals Ihre Beweggründe?

Ich hatte mich fürchterlich über das Ergebnis der Bundestagswahl 1965 aufgeregt. Ich weiß heute gar nicht mehr, um was es da genau ging. Letztlich war es aber ein Arbeitskollege bei der Milchversorgung Dortmund, wo ich damals arbeitete, der mich zum Mitmachen in der SPD überzeugt hat. Damals übrigens im Ortsverein Nordende, weil ich noch in der Nordstadt wohnte.

Dann haben Sie ziemlich schnell Karriere gemacht, waren Juso-Vorsitzender, Hauskassierer und Stadtbezirksvorsitzender.

Ach wissen Sie, manchmal ist es doch so, dass man ganz schnell ein Amt hat, wenn man in die Jahreshauptversammlung geht und einmal etwas gesagt hat. Aber das gilt ja für viele Vereine und Institutionen.

Sie haben offenbar etwas gesagt.

Ja, vor allem vor 50 Jahren nach unserem Umzug nach Scharnhorst. In dem nagelneuen Stadtteil Scharnhorst-Ost fehlte einfach die Infrastruktur. Es gab jede Menge Wohnungen, aber sonst nichts. Bei der ersten Einschulung in der Kautsky-Grundschule standen 500 Kinder vor der Tür. Der Rektor hat sich ein Megafon geschnappt und ist aufs Dach gestiegen.

Was war das Schönste an nun über 50 Jahren Politik?

Das Miteinander unter Gleichgesinnten. Mit Hans Peters, Herbert Raabe, Friedhelm Lütgebüter und Gerti Zupfer zum Beispiel habe ich gerne zusammengearbeitet. Das waren echte Kämpfer.

Na, nach allem, was ich gehört habe, gab es gerade bei den Genossen in Scharnhorst auch hin und wieder Streit.

Klar, Meinungsverschiedenheiten gehören dazu.

Was hat Ihnen nicht so gut gefallen?

Schlimm war die Fehlbelegerabgabe für Scharnhorst-Ost. Das hat viele Familien, die wichtig für das soziale Gefüge gewesen wären, wieder vertrieben. Grundsätzlich hatte ich Verständnis für die Fehlbelegerabgabe, aber doch nicht in einem solchen neuen Ballungsraum.

Apropos soziale Probleme in Scharnhorst-Ost: In allen Gesprächen, die wir beiden inzwischen geführt haben, ist mir immer wieder aufgefallen, wie sehr Sie gerade hinter diesem Stadtteil stehen.

Die Wohnungen sind gut geschnitten, es gibt jetzt auch eine gute Infrastruktur. Und wenn ich durchs Eks mit Hallenbad, Post, Geldinstituten und Bezirksverwaltung laufe, treffe ich ganz viele Bekannte. Außerdem mag ich die wunderschöne Natur vor der Haustür. Mir gefällt, wie gut die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander klarkommen. Das ist Integration pur. Und trotz der vielen Menschen aus anderen Ländern haben wir keine auffällige Radikalisierung.

Was ist heute politisch wichtig im Stadtbezirk Scharnhorst?

Mich freut, dass so viele neue Arbeitsplätze auf dem Gelände der Westfalenhütte entstehen. Dasselbe gilt für Derne mit dem Gelände der ehemaligen Zeche Gneisenau. Das geht natürlich alles nur, weil da jetzt so viele Freiflächen entstanden sind.

Ist es nicht stressig, in Ihrem Alter Bezirksbürgermeister zu sein?

Es ist schon manchmal stressig, vor allem, wenn zu viele Termine auf einmal kommen. Aber mir macht es immer noch Spaß. Sie haben mich übrigens noch gar nicht gefragt, wie lange ich denn noch weitermache.

Ich wollte nicht immer dasselbe fragen. Aber wenn Sie es schon ansprechen: Wie lange machen Sie noch weiter?

So lange, bis wir einen Nachfolger gefunden haben und natürlich die Gesundheit mitmacht.

Und falls sich kein Nachfolger findet, treten Sie bei der Kommunalwahl 2020 wieder an.

Mit Sicherheit nicht.

Ist Kommunalpolitik heute eigentlich anders als vor 50 Jahren?

Ich finde es schade, dass so wenige Menschen bereit sind, sich für Politik zu engagieren. Besonders in Scharnhorst-Ost mit seinen vielen Menschen aus anderen Ländern. Gerade für die wäre es doch wichtig, sich politisch zu engagieren, um auch für ihre Rechte einzutreten.

Was machen Sie, wenn Sie keine Politik machen?

Zunächst bin ich im Lenkungskreis Haus Wenge aktiv und dann natürlich im Geschichtskreis Scharnhorst. Da wollen wir vielleicht demnächst eine neue Broschüre über geschichtsträchtige Wanderwege herausbringen. Außerdem wandere ich seit zehn Jahren mit einer kleinen Gruppe von Männern über Pilgerwege. Auch in Santiago de Compostella waren wir schon. Nächsten Sommer wollen wir von Köln nach Aachen laufen.

Wie feiern Sie am Freitag Ihren 80.?

Ich wollte eigentlich gar nicht öffentlich feiern. Aber dann haben Ingeborg Braun und der Verein Kunststücke eine Feier ab 11 Uhr im Haus Wenge vorbereitet. Nachträglich bin ich Frau Braun dankbar dafür.

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