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Ticket-Zweitmarkt

BVB-Fan kämpft gegen Viagogo-Abzocke

MENGEDE Gisela Lazecky ist BVB-Fan, ebenso ihr Partner. Wie schön ist da der heimliche Plan, den Partner mit Karten für ein Spiel im Signal-Iduna-Park zu überraschen. Die liebevolle Idee, die mit einer Bestellung bei der Ticketbörse Viagogo begann, endete jedoch vor Gericht.

BVB-Fan kämpft gegen Viagogo-Abzocke

Gisela Lazecky will sich in Zukunft ganz normal anstellen, um Tickets für ihren geliebten BVB zu bekommen.

Die Geschichte beginnt zwei Tage vor dem Start in die Bundesligasaison 2014/15. Gisela Lazecky findet einen Hinweis auf dem Online-Portal Viagogo Karten für die Bundesligapartie des SC Freiburg gegen den BVB im Westfalenstadion. Die Mengederin bestellt am 20. August zwei Sitzplatzkarten für 135,51 Euro, Versandkosten inbegriffen – teuer, aber die Überraschung wert.

Noch am gleichen Tag storniert Viagogo die Bestellung mit dem Hinweis, die Zahlung hätte nicht erfolgreich autorisiert werden können. Für Gisela Lazecky ist die Sache erledigt. Den Hinweis, sie solle sich noch einmal per E-Mail melden, ignoriert sie. Also, wie an jedem Samstag: BVB vor dem heimischen Fernseher.

Abbuchung trotz Stornierung

Auch den in den nächsten Tagen folgenden E-Mails mit einer neuen Bestellnummer schenkt sie keine Beachtung. “Mit der Stornierung war die Sache ja für mich erledigt“, erklärt Lazecky unserer Redaktion. Anfang September liefert ein Paketdienst zwei Tickets: Nordtribüne, Stehplatz, Gästeblock 61 – Stückpreis 16,40 Euro. Gisela Lazecky wird misstrauisch, sieht in ihre Kontoauszüge und findet schon vom 22. August eine Abbuchung in Höhe eben jener 135,51 Euro aus der Sitzplatzkarten-Bestellung.

Sie lässt den Betrag zurückbuchen. „Damit ging das Theater los“, erzählt die Künstlerin. In mehreren E-Mails habe sie eine Klärung mit der Ticketbörse versucht. Viagogo habe ihr vorgeschlagen, die Tickets zu verkaufen; eine Rücknahme sei nicht möglich.

Mahnungen über Mahnungen

Es folgen Mahnungen, dann Post eines Inkasso-Unternehmens, schließlich von einem Münchner Anwalt. „Die Summe stieg immer weiter“, schildert Gisela Lazecky. 302 Euro verlangt der Anwalt. Als am 14. Oktober 2015 ein gerichtlicher Mahnbescheid über 363 Euro im Briefkasten liegt, legt sie Gesamt-Widerspruch ein. Lazecky informiert BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer, findet in Anwalt Ulf Haumann einen Fachmann im Internetrecht.

„Wir vertreten den BVB seit 2012 im Schwarzmarkt-Ticketing“, erklärt der Jurist im Gespräch mit unserer Redaktion. Mittlerweile nutzen elf Bundesligisten die Expertise der Dortmunder Kanzlei Becker & Haumann. „Wir haben noch mehrere Fälle gegen Viagogo auf dem Tisch“, sagt Ulf Haumann.

Die Online-Ticketbörse bietet Fußballfans auf dem sogenannten Zweitmarkt noch Karten an, wenn die Partien regulär bereits als ausverkauft gelten. „Überbucht“, weist Donnerstagvormittag etwa die Ticketseite des FC Bayern die Pokalpartie gegen Borussia Dortmund am 25. April aus. Viagogo bietet zum gleichen Zeitpunkt Karten ab 127,74 Euro an.

Die Börse rangiert im Suchmaschinen-Ranking weit oben. Fußballfans, die im Online-Ticketing unerfahren sind, landen schnell auf der Plattform. Allein schon durch die Gestaltung der Internetseite erwecke das Unternehmen den Eindruck als seien sie offizieller Ticketpartner, betont Ulf Haumann. Wie auch bei Gisela Lazecky. 

Viele Fans scheuen den juristischen Schritt

„Dieser Fall war juristisch recht einfach“, erklärt der Anwalt. „Mit den neuen Karten hatte Viagogo ein Angebot gemacht, dass Frau Lazecky nicht angenommen hat." Am 1. Juni 2016 bekommt sie vor dem Amtsgericht Dortmund Recht. „Viagogo hat mich so geärgert“, sagt Gisela Lazecky rückblickend. 

Ulf Haumann berichtet, dass viele Fans den juristischen Schritt gegen die Ticketbörse scheuen, wenn sie privat einen Anwalt beauftragen müssen. Zudem seien nicht alle Fälle so einfach, etwa wenn der Käufer den Betrag nicht habe abbuchen lasse, sondern selbst überwiesen habe. Und auch bei einer erfolgreichen Klage vor einem deutschen Gericht sei der formale Aufwand sehr hoch, gegen Viagogo ein rechtskräftiges Urteil zu vollstrecken, erklärt der Jurist. Die Ticketbörse hat ihren Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen ließ eine Anfrage unserer Redaktion bislang unbeantwortet. 

Gisela Lazecky hat ihren Wunsch nach einem Heimspiel des BVB nicht aufgegeben. „Früher war ich Handballfan“, erklärt die gebürtige Berlinerin. „Aber seitdem der BVB diesen Fußball spielt, hat es mich gepackt. Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut und muss mit meinen Emotionen kämpfen.“ Für Tickets will sie sich künftig „ganz offiziell“ anstellen. „Oder ich werde BVB-Mitglied. Da kommt man auch besser an Karten.“

Der Ticket-Zweitmarkt

  • Viagogo handelt im An- und Verkauf mit Eintrittskarten für Veranstaltungen im Sport- und Unterhaltungsbereich. Dieser Handel nennt sich Zweitmarkt.
  • Häufig werden dabei auch personalisierte Tickets gehandelt. Erhalten Vereine dazu Hinweise, sperren sie diese Karten.
  • Rechtsanwalt Ulf Haumann schätzt, dass der Anteil an Karten im Schwarzmarkt sich auf ein bis drei Prozent beläuft. Um den Schwarzhandel zu unterbinden und den Zweitmarkt zu kanalisieren, haben viele Bundesligisten, darunter auch der BVB, eigene Plattformen für den Weiterverkauf von Eintrittskarten eingerichtet.

Kampf gegen Schwarzmarkt

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Preiswucher bei BVB-Tickets "kann passieren"

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