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Umstrittene Wohnungsbau-Strategie

Deshalb steht "Nachverdichtung" in Dortmund hoch im Kurs

DORTMUND Weil Dortmund wächst, müssen dringend mehr Wohnungen her. Freie Grundstücke sind aber rar und teuer. "Nachverdichtungen", das Bauen im Bestand, stehen deshalb hoch im Kurs. Anwohner laufen gegen die Pläne aber oft Sturm. Wir haben uns die beliebte und umstrittene Wohnungsbau-Strategie einmal genauer angeschaut.

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Das Sonnenbad auf dem eigenen Balkon ist Geschichte, wenn nur wenige nur Meter entfernt ein neues Haus hochgezogen wird. Das passiert bei der Nachverdichtung.

Heide Ramm (l.) und Alexandra Heldt sind zwei der Anwohner, die sich gegen die Nachverdichtung an der Metzer Straße wehren. Der Wohnungsneubau soll auf der bepflanzten Grünfläche hinter ihnen entstehen.

Es knirscht derzeit bei zwei Nachverdichtungen des Unternehmens Vonovia in Dortmund:

In Hombruch will es in Innenhöfen ein 80-Meter-Gebäude mit 35 Wohnungen errichten – die Anwohner sind auf dem Baum. Es gibt einen Bebauungsplan, die Stadt ist mit im Boot. Am 20. September soll sich der Umweltausschuss damit befassen.

An der Metzer Straße im westlichen Kreuzviertel will Vonovia auf einer Grünfläche ein neues Gebäude mit 14 Wohnungen errichten. Ein Bebauungsplan existiert hier – wie an vielen Stellen – nicht. Es gilt § 34 des Baugesetzbuches: Ein Bau ist zulässig, wenn er sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“. Wer sich daran hält und dabei auch Abstände zu Gebäuden einhält – darf bauen. Die Stadt prüft den Bauantrag derzeit noch.

Die Anwohner an der Metzer Straße wollen den Bau im Garten unbedingt verhindern: Hans-Peter Zehnter hat dazu mehr als 800 Unterschriften gesammelt, die er Oberbürgermeister Ullrich Sierau übergeben will. Auch hat er Briefe an diesen, die Bezirksvertretung Innenstadt-West und ihre Mitglieder geschickt – dort sollen die Pläne in der Sitzung am 20. September Thema sein.

Anwohner fürchten "gefährlichen Vorbild-Charakter"

Die Anwohner fordern von der Stadt, einen Bebauungsplan aufzustellen, um das Verfahren transparent zu machen und alle Interessen besser abzuwägen. Anwohner Szymon Smolana, selbst studierter Stadtplaner, sagt: „Es muss bei Nachverdichtungen eine städtebauliche Qualität geben.“ Die fehle an der Metzer Straße: Hier werde ein eher schlichtes neues Gebäude vor die Fenster und Balkone gesetzt – auf Kosten der Grünfäche samt Baum-, Pflanzen- und Tierbestand.

Dortmund Das Wohnungsunternehmen LEG modernisiert mehr als 300 Wohnungen im Dortmunder Kreuzviertel und kündigt satte Mieterhöhungen um bis zu 50 Prozent an. Nun wehren sich die Mieter, die manche Erhöhungen als "Wucher" und "Witz" bezeichnen: Sie schicken einen Brief mit Forderungen an die LEG und wenden sich an die Politik.mehr...

„Diese Art der Nachverdichtung könnte einen gefährlichen Vorbild-Charakter haben“, sagt Smolana mit Blick darauf, dass wohl zeitnah weitere Unternehmen in anderen Quartieren im Bestand bauen. Smolana und Zehnter befürchten, dass es ohne Bebauungspläne in ihrem sehr grünen Viertel wie in anderen Quartieren zu „städtebaulichen Missständen“ kommt.

Stadt will möglichst schnell neue Wohnungen schaffen

Was sagt die Stadt? Zur Metzer Straße teilt Stadtsprecherin Heike Thelen mit, man sehe keine „Notwendigkeit“, hier „die städtebauliche Entwicklung zu ordnen“.

Die Stadt könnte zwar für die Fläche eine sogenannte „Veränderungssperre“ erlassen, im Hinblick darauf, einen Bebauungsplan zu erstellen. Aber, sagt Prof. Klaus Joachim Grigoleit, Leiter der Fakultät Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund: Dann müsse die Stadt auch klare positive Planungsziele formulieren. „Wenn es einer Kommune nur darum geht, ein Vorhaben zu verhindern, um protestierenden Anwohnern gerecht zu werden, ist das rechtswidriges Verhalten.“ Und ein Klagegrund für einen Investor.

Um künftig mehr Planungshoheit zu haben, könnte die Stadt zwar Bebauungspläne in Quartieren aufstellen, in denen Nachverdichtungen geplant sind. Das, sagt Thelen, sei „aus Kapazitätsgründen“ aber „nicht leistbar“. Bebauungspläne kosten die Stadt Arbeit und Geld – und sie würden den Bau von Wohnungen deutlich verzögern. Das aber steht ihrem Ziel, schnell neue Wohnungen zu schaffen, entgegen.

"Wir wissen nicht: Wann rollen die Bagger?"

Losgelöst von der Forderung nach einem Bebauungsplan fordern Szymon Smolana und Hans-Peter Zehnter die Stadt auf, sich generell für eine transparente und offene Kommunikation durch Investoren einzusetzen. Bei Bauvorhaben nach § 34 müssen Investoren Anwohner nicht vorab informieren – die Leute an der Metzer Straße haben nur zufällig erfahren, dass Vonovia in „ihrem“ Garten bauen will. Eine offizielle Information gab es nicht. Das sorge für Wut, Angst, Ungewissheit bei den Anwohnern, sagt Zehnter: „Wir wissen nicht: Wann rollen die Bagger?“

Der für Dortmund zuständige Vonovia-Regionalleiter Ralf Peterhülseweh sagt zu der Kritik: „Wir verstehen die Verunsicherung der Mieter. Aber für uns ist es wichtig, dass die Planungen, die wir präsentieren, hieb- und stichfest sind. Hätten wir früh eine Infoveranstaltung gemacht, wäre zu vieles unklar gewesen.“ Wenn die Baugenehmigung vorliege, führe man eine Infoveranstaltung durch und sei „gerne bereit, uns die Sorgen der Anwohner anzuhören“. Peterhülseweh stellt aber klar: An den Planungen werde nicht gerüttelt.

Mieterverein fordert mehr Initiative der Stadt

Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund versteht nicht, „wieso die Stadt nicht eine bessere Informationspolitik von Vonovia einfordert“. Die Stadt könne doch auch nicht zufrieden sein, wenn Projekte derart in der Kritik stehen. Und die Stadt ist wohl auch nicht zufrieden. Sprecherin Heike Thelen: „Die Stadt erwartet, dass bei Nachverdichtungen der Vorhabenträger die berührten Nachbarn – Eigentümer oder Mieter – zu einem frühen Zeitpunkt an der Konzeptentwicklung beteiligt. Leider passiert das nicht immer.“ Den letzten Satz kann man durchaus als Spitze in Richtung Vonovia lesen.

Von dort kommt immerhin eine gute Ansage an die Anwohner der Metzer Straße, die befürchten, Vonovia könne nach und nach den gesamten Grünstreifen zwischen Blankensteiner Straße und Kuithanstraße mit Neubauten füllen: „Das geplante Projekt ist die einzige Nachverdichtung, die wir dort planen“, sagt Ralf Peterhülseweg: „Grundsätzlich wollen wir viel Platz und Grün erhalten.“

Stadt will stärker in den Dialog mit Wohnungsbaugesellschaften treten



 

 

HOMBRUCH Montagabend, kurz vor halb sieben. Das laue Spätsommerwetter verheißt einen angenehmen Tagesausklang – jedoch nicht für rund 20 Anwohner der Karlsbader Straße, die an diesem Abend einer Einladung der Hombrucher SPD gefolgt sind. Die widmeten ihren Feierabend einem Thema, das ihnen sauer aufstößt - den umstrittenen Vonovia-Plänen zur Bebauung eines Innenhofs.mehr...

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