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Jugendhilfedienst

„Die Sicherung des Kindeswohls steht über allem“

MENGEDE. 44 Kinder wurden 2016 in Mengede aus ihren Familien genommen, 215 Mal bestand der Verdacht auf Kindeswohl-Gefährdung. Die Bezirksvertretung informierte sich, wie der Jugendhilfedienst Kindern und Jugendlichen in Not beisteht. Und da gibt es viele Möglichkeiten.

„Die Sicherung des Kindeswohls steht über allem“

In diesem Gebäude arbeitet das Team des Jugendhilfedienstes Mengede. Seine Leiterin Sandra Fischer berichtete in der Bezirksvertretung Mengede über die Arbeit der Einrichtung. Was die Zahl der Einsätze betrifft, liege Mengede im Mittelfeld, erklärte Fischer. Foto: Beate Dönnewald

In ihre Oktobersitzung hatte die Bezirksvertretung (BV) Mengede die Leiterin des Jugendhilfedienstes, Sandra Fischer, und die Bereichsleiterin des Jugendamts, Doris Punge, eingeladen. Ihren Bericht fassen wir in „Fragen und Antworten“ zusammen.

Welche Aufgaben hat der Jugendhilfedienst?

Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherung des Kindeswohls, die Hilfen zur Erziehung und die Mitwirkung in Verfahren vor den Familiengerichten. „Die Sicherung des Kindeswohls steht über allem“, sagte Sandra Fischer. Für die Einschätzung der Kindesgefährdung seien immer zwei Kollegen im Einsatz, die sich vom häuslichen Umfeld und auch vom Kind selbst einen Eindruck verschafften, so Fischer.

Welche Hilfen zur Erziehung bietet der Jugendhilfedienst an?

Es gibt die ambulanten und die stationären Hilfen. Die ambulanten Hilfen erfolgen aufsuchend, das heißt: Die Mitarbeiter suchen die Familien in ihren Wohnungen auf beziehungsweise die Termine finden im Lebensumfeld der Familie statt. In der Regel beantragen die Eltern diese ambulanten Hilfen. Zu den stationären Hilfen zählen die Unterbringungen in Mutter-Kind-Einrichtungen, in Heimen und in Pflegefamilien. Wann immer es möglich sei, werde die Unterbringung im Heim und bei Fremden vermieden, so Sandra Fischer. Bevorzugt würden etwa Pflegefamilien innerhalb der Verwandtschaft.

Die Mitwirkung in Verfahren vor den Familiengerichten: Was bedeutet das?

Das Jugendamt wirkt bei allen gerichtlichen Verfahren mit, die die Sorge für Kinder und Jugendliche betreffen. Im familiengerichtlichen Verfahren geben die Fachkräfte des Jugendhilfediensts ihre fachliche Einschätzung ab. Im Verfahren selbst sammelt der Richter Informationen aus verschiedenen Quellen – dem Jugendamt muss er stets Gelegenheit zur Mitwirkung geben. Es geht bei den Verfahren zum Beispiel um die elterliche Sorge, um das Umgangsrecht, um die Kindesherausgabe oder um Gewaltschutzsachen

Wie viele Mitarbeiter hat der Jugendhilfedienst Mengede?

Elf Sozialarbeiter mit abgeschlossenen Diplom- beziehungsweise Master-Studiengängen. Sie kooperieren eng mit Kitas, Schulen, der Schulsozialarbeit, Beratungsstellen, Jugendfreizeitstätten und dem Familienbüro. Ihre Einsatzgebiete sind nach Straßen beziehungsweise Bezirken eingeteilt. Mittlerweile, berichtet Sandra Fischer, zeichne sich durch den Generationswechsel ein Fachkräftemangel ab. Denn gingen Fachkräfte in Rente, würde es zunehmend schwerer, die Stellen wieder zu besetzen. Sozialarbeiter seien stark nachgefragt, aufgrund attraktiver Alternativen gebe es eine hohe Fluktuation.

Was macht die Stadt gegen den Fachkräftemangel?


„Wir arbeiten an einem neuen Bewerberverfahren, an einer neuen Akquise und wollen enger mit den Hochschulen kooperieren“, berichtete Doris Punge. Im Aufbau sei außerdem ein dualer Studiengang.

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Wie sieht die Statistik 2016 des Jugendhilfedienstes Mengede aus?

Es gab 44 Fälle der Inobhutnahme, 215 Fälle der Überprüfungen von Kindeswohlgefährdung, 292 Mitwirkungen in Verfahren vor den Familiengerichten, 429 Fälle der allgemeinen Förderungen der Erziehung in der Familie (das sind Angebote außerhalb der Wohnung wie Mutter-Kind-Kurse oder Elternkurse wie „Eltern stärken“), 116 Fälle der Hilfen zur Erziehung (ambulante Hilfen), 10 Unterbringungen in Mutter-Kind-Einrichtungen, 83 Heimunterbringungen und 98 Unterbringungen in Pflegefamilien.

Für den Laien klingt das nach erschreckend vielen Einsätzen. Ist das so?

Der Stadtbezirk Mengede liege im stadtweiten Vergleich im Mittelfeld, so Sandra Fischer. „Natürlich ist das sehr, sehr viel, aber von der Nordstadt sind wir weit entfernt.“ Einsatz-Schwerpunkte seien die Stadtteile Westerfilde und Nette. Allein aus Westerfilde gebe es jede Woche eine Meldung. In die großen Wohnungen würden, mit Hilfe des Immobilienmarkts im Internet, häufig Familien aus anderen Städten einziehen und vielfältige Probleme mitbringen.

Wie hat die BV auf den Bericht reagiert?

Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch fasste zusammen: „Der Bericht macht nachdenklich. Wir müssen das Thema noch mehr beachten.“

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