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Statue von Dortmunder Künstler

Die Suche nach dem verschollenen Tottenham-Hahn von Benno Elkan

DORTMUND/LONDON Das Champions-League-Spiel des BVB gegen Tottenham Hotspur weckt Erinnerungen – an den Dortmunder Künstler Benno Elkan, der einst ein Kunstwerk mit dem Wappentier des englischen Traditionsvereins schuf. Die Suche nach dem Kunstwerk gibt allerdings viele Rätsel auf - und führt nach Paris.

Die Suche nach dem verschollenen Tottenham-Hahn von Benno Elkan

Das Foto, das Benno Elkan mit dem Tonmodell seiner Statuette „Fighting Cock“ zeigt, erschien 2014 in einem Magazin von Tottenham Hotspur. Bild Archiv Weick

Ein Foto, zuletzt veröffentlicht im Matchprogramm des Spiels Tottenham Hotspur gegen Arsenal London im April 2014, beweist zumindest eines: Benno Elkan, der 1877 in Dortmund geborene Bildhauer, hat einen „Kampfhahn“ für Tottenham Hotspur geschaffen.

Es trägt die Bildunterschrift: „Benno Elkan mit dem Tonmodell seiner Statuette ‚Fighting Cock‘, der im Dezember 1950 als Geschenk von Arsenal London an Tottenham Hotspur überreicht wurde.“

Lebensgroßer Hahn aus Silber

Das fertige Kunstwerk war lebensgroß, ganz aus Silber gegossen, mit vergoldetem Gefieder, einem goldenen Schnabel, goldenen Klauen und Sporen und Augen aus rotem Korall. Es wog fast 6,5 Kilogramm. Also sehr wertvoll und eigentlich nicht zu übersehen.

Im August 1977 bestätigte Arsenals Sekretär K.J. Friar dem frühesten Kampfhahn-Forscher und Benno-Elkan-Biographen Hans Menzel-Severing schriftlich, dass der Auftrag zur Erschaffung des Hahns an Benno Elkan von Arsenal erging, er als Geschenk der Dankbarkeit an Tottenham überreicht wurde.

Arsenal durfte bei den Spurs trainieren

Und er nannte auch den Grund: Die deutsche Luftwaffe zerstörte Anfang der 1940er-Jahre das Stadion und die Trainingsplätze von Arsenal im Londoner Norden, und die Spurs erlaubten dem Nachbarn und Lokalrivalen in diesen Jahren bis zum Wiederaufbau eines eigenen Stadions die Nutzung ihrer Einrichtungen an der White Hart Lane.

Sehr großherzig, wenn man weiß, dass die Rivalität der beiden Clubs alt ist und an Intensität der „Freundschaft“ des BVB zu Schalke 04 mindestens gleichkommt.

Kampfhahn ist Wappentier von Tottenham

Diese wunderbare Geschichte klang einleuchtend, war doch ein „Fighting Cock“ mit einem Fußball in seinen bespornten Klauen schon seit 1901 als Wappentier auf den Trikots der „Hotspurs“, der Heißsporne, zu sehen. Auch heute noch ziert der Kampfhahn das 2006 neu geschaffene Logo des Vereins.

Sir Henry Percy, ein englischer Ritter aus dem 14. Jahrhundert, wegen seines schneidigen Reitstils und seiner Liebe zum Hahnenkampf als „Harry Hotspur“ zur Legende geworden, war wohl der „Held“ jener 15 Jungen gewesen – der jüngste 12, der älteste 16 – die 1881 den „Hotspur Football Club“ gründeten, der sich sehr schnell zu Tottenham Hotspur entwickelte.

Hilfe aus London

Als 2011 die Benno-Elkan-Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu einer „Wiederentdeckung“ des 1877 in Dortmund geborenen Künstlers führte, wurde dabei auch die Tatsache zutage gefördert, dass er in seiner Jugend ein begeisterter Fußballer war.

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Er gehörte sogar zu den Gründern des ersten Dortmunder Fußballvereins, des DFC 1895. Da war es nur folgerichtig, beim Club-Management der Spurs anzufragen, ob der Hahn als Leihgabe für eine besondere Präsentation in Dortmund zur Verfügung gestellt werden könne.

Kunstwerk vor Ort nicht gefunden

Die schnelle erste Reaktion von Andy Porter, dem Vereinshistoriker der Spurs, mit der Übersendung des Matchprogramms vom April 2014 stimmte hoffnungsvoll. Doch seine Suche vor Ort nach dem Kunstwerk blieb ergebnislos.

In London nahm in jenen Monaten des Jahres 2014 Rachel Smith-Bromnick, eine Benno-Elkan-Forscherin aus familiären Gründen, ebenfalls die Suche nach dem Kampfhahn auf, traf bald auf die Spuren der Dortmunder Bemühungen, war aber ebenfalls erfolglos. Als die Spurs 2016 den Abriss ihres alten Stadions an der White Hart Lane und einen modernen Neubau verkündeten, sah sie eine letzte Chance, den Hahn aufzuspüren.

Arbeit als „Schatzsucher“

Es gelang ihr, John Fennelly, 30 Jahre im Dienste des Vereins und zuletzt langjähriger Chef der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in die Suche nach dem Kunstwerk einzubinden. Nach eigenen Angaben hat er alles getan, was ein „Schatzsucher“ tun kann: Pressearchive durchforsten, Fotos an alle verteilen, die mit dem Abriss des Stadions beauftragt waren, die ältesten Mitglieder befragen, alte Funktionärswitwen besuchen, aber alles ohne Ergebnis! Selbst in den Archiven entdeckte er keinen Hinweis.

Enttäuschend für alle Benno-Elkan-Forscher und eigentlich unglaublich. Die ganze stimmige Geschichte eine Erfindung? Im April 2017 erreichte die „Benno-Elkan-Gemeinde“ in San Francisco, London und Dortmund eine E-Mail von Sarah Clarke aus London, die sich als junge Kunsthistorikerin vorstellte, beauftragt mit dem Aufbau eines neuen Museums im neuen Stadion der Spurs – auf der Suche nach dem „Fighting Cockerell“! Gab es doch noch eine neue Spur?

Geschenk doch für Pariser Vorort-Club bestimmt?

Wenige Wochen später verschickte sie das verblüffende Ergebnis ihrer Recherchen an der National Art Library in London: einen Artikel aus der englischen Kunstzeitschrift „Apollo Magazine“ vom Dezember 1951 mit der Abbildung von Elkans Kampfhahn.

Der Autor, Kenneth Romney-Towndrow, beschreibt mit großem Enthusiasmus die künstlerische Handschrift von Benno Elkan und ist voller Lob für die Clubführung von Arsenal, gerade diesen Künstler beauftragt zu haben – für ein Geschenk an den Racing Club de Paris zur Würdigung der langen und engen Freundschaft der beiden Clubs!

Spur verliert sich in der französischen Hauptstadt

Tatsächlich zählt der 1882 gegründete Club zu den ältesten Fußballvereinen in Frankreich und spielte in den Jahren 1932 bis 1964 erstklassig, mit einer Meisterschaft 1936 und fünf Pokalsiegen zwischen 1936 und 1949. Heute sind die fünftklassigen Fußballer Teil des polysportiven Vereins Racing Club de France.

Anfragen an die heutige Club-Leitung in Paris blieben bisher unbeantwortet. Günther Rohrbacher-List, ein deutscher Fußball-Historiker, der sich vor 17 Jahren intensiv mit dem Club beschäftigte, ist sich auf Nachfrage ziemlich sicher, dass der Name Elkan und die Schenkung nirgendwo in den Archiven erwähnt wurde

Neuer „Kampfhahn“ im Orchesterzentrum NRW

Was bleibt nach der gut dreijährigen „Schatzsuche“? Einerseits Enttäuschung über das bisherige Ergebnis und viele offene Fragen, andererseits neue Freundschaften zwischen den alten und jungen „Benno-Elkan-Forschern“ und die Gewissheit:

In Dortmund gibt es einen neuen „Kampfhahn“, nachempfunden von der Holzwickeder Künstlerin Elke Strauch, gestiftet 2015 von der Auslandsgesellschaft Intercultural Academy Dortmund. Er ist zu besichtigen im Foyer des Orchesterzentrums NRW in der Brückstraße – dort, wo einst Benno Elkans Elternhaus stand.

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