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Vorfälle vor Revierderby

Dortmunds Polizei-Chef will lebenslange Stadionverbote

DORTMUND Nach dem Revierderby hat sich Dortmunds Polizeipräsident für lebenslange Stadionverbote für gewaltbereite Fußball-Fans ausgesprochen. Vor dem Spiel des BVB gegen Schalke 04 hatte die Polizei über 700 Schalke-Fans im Kreuzviertel und im Unionviertel aufgehalten. Nur so hätten „massive Ausschreitungen mit vielen Verletzten“ verhindert werden können.

Dortmunds Polizei-Chef will lebenslange Stadionverbote

Polizeieinsatz auf der Kuithanstraße im Kreuzviertel: Am Derby-Tag wollten über 600 Schalke-Fans von hier aus zum BVB-Stadion vordringen. Foto: Peter Bandermann

In einer Pressemitteilung, die vor der Pressekonferenz am Dienstagmittag veröffentlicht wurde, zeigt sich der Dortmunder Polizei-Chef Gregor Lange „äußerst verärgert und entsetzt“ über das Verhalten einiger Ultras am Derbytag: Die Polizei hatte mit einem Großeinsatz im Kreuzviertel 679 Schalker Fans daran gehindert, zum Stadion zu gelangen. Sie waren zuvor von zahlreichen Autos im Bereich der Kuithanstraße abgesetzt worden - mit Sturmhauben und Zahnschutz im Gepäck.

Wären sie mit gewaltbereiten BVB-Ultras zusammengetroffen, hätte es übel enden können, so Lange: „Wir hätten wahrscheinlich massive Ausschreitungen mit vielen Verletzten zu beklagen.“ Schon bevor sie an der Kuithastraße gestellt worden seien, hätten Schalker bereits erste Angriffe gestartet.

Lange hat „Null Verständnis“ für das Schalker Fanprojekt

Lange äußerte scharfe Kritik an dem Schalker Fanprojekt: Er habe „Null Verständnis“ dafür, dass das Schalker Fanprojekt kurz vor dem Spiel die Zusammenarbeit im Arbeitskreis Derby aufgekündigt habe, in dem Behörden, Fanvertreter, Verkehrsunternehmen und die Vereine ein gemeinsames Sicherheitskonzept entwickelt hätten. „Das war sicher kein Beitrag zur Deeskalation.“

Die Schalker hatten schon 2016 die Anreisewege wegen einer „Gefahr für Leib und Leben“ für die Königsblauen kritisiert. Jan Schabacker von der „Zentralen Informationsstelle Sport“ der NRW-Polizei sagte, dass der Ausstieg des Schalker Fan-Projekts ein Einzelfall sei. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte Markus Mau vom Schalker Fanprojekt mit, dass man unabhängig vom Arbeitskreis Derby „an Sicherheitsgesprächen weiter teilnehmen“ werde.

Dortmunder Ultras wollten zu Schalkern durchbrechen

Doch auch die Dortmunder Ultras kommen in der Revierderby-Bilanz der Polizei nicht gut weg: Besonders der traditionelle Fanmarsch vom Fanladen an der Dudenstraße zum Stadion ist der Polizei ein Dorn im Auge - oder besser gesagt eine Scherbe: „Kaum setzte sich der Fanmarsch am Fanprojekt an der Dudenstraße in Dortmund in Bewegung, glich die Straße einer mit Glasflaschen und Splittern übersäten Müllhalde. Durchfahrt hier: unmöglich!“, heißt es in der Pressemitteilung. Dadurch sei es zu Staus und Verkehrsbehinderungen gekommen.

Der Müll ist nicht der einzige Kritikpunkt der Polizei: „Zudem versuchten Dortmunder Ultras in Richtung der festgesetzten Schalker Ultras durchzubrechen. Mit einer schier unfassbaren Selbstverständlichkeit blockieren sie mit Ihrem Aufmarsch Straßenzüge und zündeten Pyrotechnik, auch gegen Polizeibeamte. Glücklicherweise wurde hier niemand verletzt.“

Lebenslanges Stadionverbot statt maximal fünf Jahre

Die Pressemitteilung endet mit einem Appell von Polizeipräsident Lange an Borussia Dortmund, Schalke 04 und den DFB: Die „gewaltbereite Problemfanszene beider Vereine“ sei eine Zumutung, man müsse „alles daran setzen, um identifizierte Krawallmacher und Störer vom Fußball fernzuhalten“. Er fordert härtere Strafen, „bis hin zu lebenslangen Stadionverboten“. Lange betont: „Wir können nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen!“

Derzeit sehen die Richtlinien des DFB für Stadionverbote eine Maximaldauer von fünf Jahren vor.

BVB will nichts sagen, Schalke auch nicht

Der BVB möchte sich mit der Polizei nicht über Medien zu solchen Vorschlägen unterhalten. Inhaltlichen Diskussionen zur Sicherheit verschließe er sich nicht. Auch Schalke wollte sich nicht äußern.

Gespräche zwischen Ultragruppen und Polizei gibt es auch bei BVB-Fans nicht: „Es ist schwierig, Polizei und Fans zusammenzubringen und ein Merkmal der jungen Ultra-Bewegung, dass mit der Polizei nicht gesprochen wird. Die Versuche, doch noch ins Gespräch zu kommen, dürfen wir nicht einschlafen lassen“, kommentierte Thilo Danielsmeyer (59) vom Dortmunder Fan-Projekt die festgefahrene Situation.

Die Emotionen beim Derby seien „unglaublich hoch, man kann das eigentlich gar nicht mehr steigern“, sagte er. „Ich warne davor, nur ein Auge auf die Schalker Fans zu haben. Auch unsere Fans haben über die Stränge geschlagen.“

Fan-Projekt: BVB-Ultras haben Schalker „gedemütigt“

Thilo Danielsmeyer, seit 26 Jahren beim Fan-Projekt Dudenstraße, erinnerte an die Hooligans von „0231Riot“ und andere Dortmunder Problemgruppen, die in der Vergangenheit die Schalker Fans „gedemütigt“ hätten. Offenbar sind unter rivalisierenden Fans noch Rechnungen offen. „Wir wünschen uns ein anderes Derby“, stellte der Sozialpädagoge klar. Die Schrauben immer weiter anzuziehen, sei der falsche Weg.

Als Leiter der BVB-Fanabteilung sagte Torsten Schild, dass es dem Fußball und den Diskussionen gut täte, wenn alle Beteiligten – „Fans, Medien, Politik und auch Polizei“ – verbal abrüsten würden. Er forderte „Besonnenheit“.

Laut Polizei waren Polizeibeamte in der Saison 2016/17 in Dortmund wegen Fußballspielen insgesamt über 94.000 Stunden im Einsatz. Das entsprechet der jährlichen Arbeitszeit von 59 Beamten.

DORTMUND Das Dortmunder Kreuzviertel ist an Heimspiel-Tagen wegen seiner vielen Kneipen und der Nähe zum Stadion einer der großen Treffpunkte für BVB-Fans. Beim Derby kamen auch 600 Schalker ins Quartier. Mit Sturmhauben, Zahnschutz und Knüppeln im Gepäck. Was wollten die da?mehr...

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