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Zoo Dortmund

Flamingos müssen bald in eine Voliere

DORTMUND Seit Jahrzehnten prägen die Flamingos am großen Teich den Eingangsbereich des Zoos Dortmund. Doch dieses vertraute Bild wird es so nicht mehr lange geben: Die Tiere müssen in eine Voliere umziehen. Verantwortlich ist dafür eine Tierschutzbestimmung. Es könnte aber auch Profiteure des erzwungenen Umzugs geben.

Flamingos müssen bald in eine Voliere

Ein vertrauter Anblick: die Flamingos im großen Zooteich. Aber über kurz oder lang müssen die auffällig gefärbten Vögel in eine Voliere. Das Tierschutzgesetz verlangt, dass ihre Flügel nicht mehr gestutzt werden dürfen. Doch ohne kupierte Flügel oder beschnittene Federn könnte ihr Nachwuchs davonfliegen.

Wer sich schon mal gewundert hat, dass die auffällig gefärbten Vögel nicht einfach davonfliegen, der muss wissen: Sie können nicht. Ihre Flügelknochen wurden – kurz nach dem Schlüpfen und unter Narkose – beschnitten, meist auf einer Seite, um sie am kontrollierten Fliegen zu hindern.

Doch das Beschneiden von Vogelflügeln in zoologischen Einrichtungen in Deutschland verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Das hat die Bundesregierung in einer gesetzlichen Konkretisierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion schon vor zweieinhalb Jahren klargestellt.

Damit hat die Politik zwar eine rechtliche Grauzone bereinigt, aber gleichzeitig nicht nur den Dortmunder Zoo in ein Dilemma gestürzt. Die alten, bereits kupierten Tiere haben zwar Bestandsschutz, doch die Nachwuchsflamingos könnten davonfliegen. Der Zoo ist aber gesetzlich dazu verpflichtet, dass sie genau das nicht tun. Wenn sie davonflögen, würden sie verhungern. Also müssen die Flamingos in eine Voliere.

Teich wird verkleinert

Man könne aber nicht den ganzen Teich überbauen, erklärte Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter am Dienstag vor Ort den SPD-Mitgliedern im zuständigen Ratsausschuss für Kultur, Sport und Freizeit. Deshalb werde der Teich, der ohnehin zunehmend Wasser verliere, „deutlich verkleinert, nach vorn Richtung Eingang gezogen und mit einer Voliere überbaut.“ Wann genau, das sei noch offen.

Ganz so eilig ist es nicht; denn die 54 vorhandenen, kupierten Vögel können in Gefangenschaft bis zu 80 Jahre alt werden. Nachwuchs müsse man aber an andere Zoos mit Volieren abgeben, ergänzte die stellvertretende Zoochefin Ilona Schappert.

Aktuell kein Nachwuchs in Sicht

Nachwuchs gab es in diesem Jahr nicht, weil die Vögel während der Brutzeit wegen der Vogelgrippe eingesperrt waren. Dort fehlten ihnen die Voraussetzungen zur Brut, wie zum Beispiel Schlammpegel. Die fehlen auch den wenigen Flamingos im Westfalenpark. Die würden auch schon deshalb nicht brüten, so Schappert, weil es zu wenige seien. Flamingos brüten nur in Kolonien.

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Zoodirektor Brandstätter zweifelt die Sinnhaftigkeit des Verbots zum „Unflugfähigmachen von Vögeln“ für Zoos und Parks an: „Für die Flamingos ist das keine Einschränkung ihrer Lebensqualität.“ Fliegen sei für sie nicht existenziell. Sie würden schon von Natur aus relativ selten fliegen, hätten im Zoo keine natürlichen Feinde und seien hier auch für den Nahrungserwerb, die Partnerwahl und die Brut nicht aufs Fliegen angewiesen.

Frei werdender Platz könnte Amazonashaus zugute kommen

Verkleinert wird ihr Areal trotzdem. Auf die frei werdende Fläche könnte dann der Neubau für das Amazonashaus. Das Gebäude, das auf dem Fundament des alten Zoorestaurants von 1953 steht, ist auch energetisch so marode, dass eine Sanierung nicht lohnt. Ein Förderantrag an das Land sei gestellt, sagte der Zoodirektor. Ob der Standort auf dem Teichboden geeignet ist, müssten aber Bodenuntersuchungen noch klären.

Im neuen Amazonashaus, das zum Zukunftskonzept 2023 des Zoos gehört, soll es nicht mehr so viele kleine, sondern mehr große Becken geben, das Thema Südamerika werde beibehalten, sagte Brandstätter. Wenn alles gut laufe, könnte der Architekt im nächsten Jahr mit der Planung beginnen.

Lemuren sollen einziehen

Ein weiteres Projekt in naher Zukunft ist ein Gehege hinter der neuen Zoogastronomie als Blickfang für die Gäste. Nach aktuellem Stand sollen dort Lemuren einziehen – das sind Feuchtnasenaffen mit großen Augen. Die Überlegung ist derzeit, eine nacht- und eine tagaktive Lemuren-Art auf die Anlage zu setzen.

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