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Foto-Interview: Wovor haben Sie Angst, Pieter Hugo?

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Frage 1: Wovor haben Sie Angst?

Pieter Hugos Antwort: „Bei der Arbeit für die Serie „Ruanda 2004“ habe ich im Murambi Technical College fotografiert. Da waren Haufen und Haufen und Haufen von toten Körpern. Um sie zu fotografieren, musste ich sie anfassen, hochnehmen und bewegen. Das war eine sehr intensive, traumatische Erfahrung. Doch am ersten Tag bekam ich kein gutes Bild, also musste ich wiederkommen. Am Ende des zweiten Tages fiel es mir nicht mehr schwer, es schien absolut normal zu sein, tote Menschen zu berühren und zu bewegen. Und mir wurde etwas über die menschliche Psyche klar: wie einfach es für uns ist, uns an komplett inakzeptable Umstände anzupassen. Wahrscheinlich ist das evolutionär bedingt. Das ist etwas, das mir Angst macht: dass wir in manchen Situationen Dinge hinnehmen, die eigentlich nicht hinnehmbar sind, und nichts dagegen tun.“

Zur Erklärung: In der Serie "Ruanda 2004: Verstiges of a Genocide" fotografierte Pieter Hugo Schauplätze des Völkermordes 1994, an denen die Knochen und Leichen der Opfer auch zehn Jahre nach dem Geschehen noch nicht bestattet waren.
Frage 1: Wovor haben Sie Angst?

Pieter Hugos Antwort: „Bei der Arbeit für die Serie „Ruanda 2004“ habe ich im Murambi Technical College fotografiert. Da waren Haufen und Haufen und Haufen von toten Körpern. Um sie zu fotografieren, musste ich sie anfassen, hochnehmen und bewegen. Das war eine sehr intensive, traumatische Erfahrung. Doch am ersten Tag bekam ich kein gutes Bild, also musste ich wiederkommen. Am Ende des zweiten Tages fiel es mir nicht mehr schwer, es schien absolut normal zu sein, tote Menschen zu berühren und zu bewegen. Und mir wurde etwas über die menschliche Psyche klar: wie einfach es für uns ist, uns an komplett inakzeptable Umstände anzupassen. Wahrscheinlich ist das evolutionär bedingt. Das ist etwas, das mir Angst macht: dass wir in manchen Situationen Dinge hinnehmen, die eigentlich nicht hinnehmbar sind, und nichts dagegen tun.“

Zur Erklärung: In der Serie "Ruanda 2004: Verstiges of a Genocide" fotografierte Pieter Hugo Schauplätze des Völkermordes 1994, an denen die Knochen und Leichen der Opfer auch zehn Jahre nach dem Geschehen noch nicht bestattet waren.

Foto: Pieter Hugo / Repro: Tilman Abegg

Frage 2: Was verletzt Sie?

Pieter Hugos Antwort: „Das ist meine Tochter. Es schmerzt mich zu wissen, dass sie aufwächst in einer Welt, die ich in schlimmerem Zustand hinterlasse, als ich sie vorgefunden habe. Dass ihr wahrscheinlich Dinge widerfahren, die ihr wehtun. Diese Dinge werden sie auch formen. Es schmerzt mich, darüber nachzudenken.“

Zur Erklärung: Auch die Serie "1994" bezieht sich auf das Jahr des Völkermordes, jedoch ist sie nicht den Opfern gewidmet. Stattdessen fotografierte Pieter Hugo Kinder, die Jahre nach 1994  zur Welt gekommen sind. Im Katalog fragt er dazu: "Tragen Sie das gleiche Gepäck wie ihre Eltern? Wird die Geschichte für sie genauso belastend sein?"
Frage 2: Was verletzt Sie?

Pieter Hugos Antwort: „Das ist meine Tochter. Es schmerzt mich zu wissen, dass sie aufwächst in einer Welt, die ich in schlimmerem Zustand hinterlasse, als ich sie vorgefunden habe. Dass ihr wahrscheinlich Dinge widerfahren, die ihr wehtun. Diese Dinge werden sie auch formen. Es schmerzt mich, darüber nachzudenken.“

Zur Erklärung: Auch die Serie "1994" bezieht sich auf das Jahr des Völkermordes, jedoch ist sie nicht den Opfern gewidmet. Stattdessen fotografierte Pieter Hugo Kinder, die Jahre nach 1994 zur Welt gekommen sind. Im Katalog fragt er dazu: "Tragen Sie das gleiche Gepäck wie ihre Eltern? Wird die Geschichte für sie genauso belastend sein?"

Foto: Pieter Hugo / Repro: Tilman Abegg

Frage 3: Was lieben Sie?

Pieter Hugos Antwort: „Ich liebe es, dass es mir möglich ist, meine Arbeit mit einem Sinn für Humor zu tun. Ich liebe meinen Job. Ich liebe ihn wirklich. Und ich liebe den dunklen Humor. Es macht Existenz tolerierbar, wenn man ihr etwas Humor entgegenbringen kann. Ich glaube, die Leute übersehen das oft in meinen Bildern."

Zur Erklärung: Das Bild gehört zur Serie "Nollywood". Darin fotografierte Hugo Schauspieler aus der nigerianischen Filmindustrie, genannt "Nollywood", in ihren Kostümen. Die drei Frauen auf diesem Bild sind keine gefährliche Gang, sie tun nur so.
Frage 3: Was lieben Sie?

Pieter Hugos Antwort: „Ich liebe es, dass es mir möglich ist, meine Arbeit mit einem Sinn für Humor zu tun. Ich liebe meinen Job. Ich liebe ihn wirklich. Und ich liebe den dunklen Humor. Es macht Existenz tolerierbar, wenn man ihr etwas Humor entgegenbringen kann. Ich glaube, die Leute übersehen das oft in meinen Bildern."

Zur Erklärung: Das Bild gehört zur Serie "Nollywood". Darin fotografierte Hugo Schauspieler aus der nigerianischen Filmindustrie, genannt "Nollywood", in ihren Kostümen. Die drei Frauen auf diesem Bild sind keine gefährliche Gang, sie tun nur so.

Foto: Pieter Hugo / Repro: Tilman Abegg

Frage 4: Was hassen Sie?

 In diesem Augenblick kommt ein Mann auf Pieter Hugo zu und bittet ihn darum, seinen Katalog zu signieren. Hugo signiert und sagt: „Was ich hasse? Kataloge zu signieren“, und lacht. Dann wird er ernst und geht zu seinem berühmtesten Foto des Hyänenzähmers. „Ich hasse es inzwischen, über dieses Bild, diese Serie zu sprechen. Diese Serie hat meine Karriere gestartet, und eigentlich besitze ich diese Bilder gar nicht mehr, sie sind nun Teil des öffentlichen Bewusstseins. Es fühlt sich wie ein früheres Leben an, ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wie ich sie aufgenommen habe. Die Bilder selbst hasse ich nicht, aber über sie zu reden, schon.“

Die Serie "The Hyena & Other Men" fotografierte Hugo von 2005 bis 2007 in Nigeria. Er hatte von einem Freund Fotos erhalten von Männern, die auf einer Straße mit einer Hyäne an einer Kette liefen. Hugo machte diese Menschen ausfindig und erfuhr: Das sind fahrende Händler, die sich vermeintlich wilde Tiere halten um Aufmerksamkeit zu erregen, damit sie den Schauslustigen ihre traditionelle Medizin verkaufen können.
Frage 4: Was hassen Sie?

In diesem Augenblick kommt ein Mann auf Pieter Hugo zu und bittet ihn darum, seinen Katalog zu signieren. Hugo signiert und sagt: „Was ich hasse? Kataloge zu signieren“, und lacht. Dann wird er ernst und geht zu seinem berühmtesten Foto des Hyänenzähmers. „Ich hasse es inzwischen, über dieses Bild, diese Serie zu sprechen. Diese Serie hat meine Karriere gestartet, und eigentlich besitze ich diese Bilder gar nicht mehr, sie sind nun Teil des öffentlichen Bewusstseins. Es fühlt sich wie ein früheres Leben an, ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wie ich sie aufgenommen habe. Die Bilder selbst hasse ich nicht, aber über sie zu reden, schon.“

Die Serie "The Hyena & Other Men" fotografierte Hugo von 2005 bis 2007 in Nigeria. Er hatte von einem Freund Fotos erhalten von Männern, die auf einer Straße mit einer Hyäne an einer Kette liefen. Hugo machte diese Menschen ausfindig und erfuhr: Das sind fahrende Händler, die sich vermeintlich wilde Tiere halten um Aufmerksamkeit zu erregen, damit sie den Schauslustigen ihre traditionelle Medizin verkaufen können.

Foto: Pieter Hugo / Priska Pasquer, Köln

Frage 5: Was ist Ihnen am vertrautesten?

Pieter Hugos Antwort: „Wie ich es hasse, mich genauso zu fühlen, jeden Sonntagmorgen.“ (Lacht fröhlich.)

In der Serie "Californian Wildflowers" fotografierte Hugo 2014 und 2015 in San Francisco und in Los Angeles Menschen, die auf der Straße leben. Zur Serie gehören auch Stillleben wie dieses.
Frage 5: Was ist Ihnen am vertrautesten?

Pieter Hugos Antwort: „Wie ich es hasse, mich genauso zu fühlen, jeden Sonntagmorgen.“ (Lacht fröhlich.)

In der Serie "Californian Wildflowers" fotografierte Hugo 2014 und 2015 in San Francisco und in Los Angeles Menschen, die auf der Straße leben. Zur Serie gehören auch Stillleben wie dieses.

Foto: Pieter Hugo / Priska Pasquer, Köln

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Frage 6: Was ist Ihnen absolut fremd?

Pieter Hugos Antwort: „Ich denke, das Seltsamste und Fremdartigste überhaupt ist die Erde selbst. Es ist unser Planet. Dieser Ort (er zeigt auf das Foto) ist eine absolut lebensfeindliche Umgebung, aber er sagt so viel über uns aus. Das ist die dunkle Seite unseres Lebens.“

2009 und 2010  stellte Hugo die Serie "Permanent Error" zusammen: In einem Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt Accra liegt die zweitwichtigste Gegend zur Weiterverarbeitung von Elektroschrott in Westafrika. Die Menschen dort verbrennen ohne jede Schutzausrüstung den Schrott, um die Metalle freizulegen. Diese Arbeit verpestet die ganze Gegend und macht die Menschen krank, trotzdem arbeiten sie dort, weil sie keine andere Möglichkeit haben Geld zu verdienen.
Frage 6: Was ist Ihnen absolut fremd?

Pieter Hugos Antwort: „Ich denke, das Seltsamste und Fremdartigste überhaupt ist die Erde selbst. Es ist unser Planet. Dieser Ort (er zeigt auf das Foto) ist eine absolut lebensfeindliche Umgebung, aber er sagt so viel über uns aus. Das ist die dunkle Seite unseres Lebens.“

2009 und 2010 stellte Hugo die Serie "Permanent Error" zusammen: In einem Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt Accra liegt die zweitwichtigste Gegend zur Weiterverarbeitung von Elektroschrott in Westafrika. Die Menschen dort verbrennen ohne jede Schutzausrüstung den Schrott, um die Metalle freizulegen. Diese Arbeit verpestet die ganze Gegend und macht die Menschen krank, trotzdem arbeiten sie dort, weil sie keine andere Möglichkeit haben Geld zu verdienen.

Foto: Pieter Hugo / Priska Pasquer, Köln

Frage 7: Was ist gelogen?

Pieter Hugos Antwort: „Fotografie ist eine Lüge. Sie ist nicht ausschließlich eine Lüge, aber sie ist auch nur zur Hälfte Wahrheit. Und ich mag es mit diesem Bedeutungsraum zu spielen, wie man sehen kann.“

Zur Erklärung: Dieses Foto aus der Serie "1994" sieht aus, als habe Pieter Hugo es umfangreich inszeniert. Doch in Wirklichkeit, so sagt er, habe er dieses Mädchen genau so vorgefunden, in diesem Kleid, mit diesen Blumen in den Händen, in dieser Pose. Bei vielen von Hugos Bildern ist nicht klar, inwieweit sie inszeniert sind, und Hugo behält diese Information bei den meisten Bildern für sich.
Frage 7: Was ist gelogen?

Pieter Hugos Antwort: „Fotografie ist eine Lüge. Sie ist nicht ausschließlich eine Lüge, aber sie ist auch nur zur Hälfte Wahrheit. Und ich mag es mit diesem Bedeutungsraum zu spielen, wie man sehen kann.“

Zur Erklärung: Dieses Foto aus der Serie "1994" sieht aus, als habe Pieter Hugo es umfangreich inszeniert. Doch in Wirklichkeit, so sagt er, habe er dieses Mädchen genau so vorgefunden, in diesem Kleid, mit diesen Blumen in den Händen, in dieser Pose. Bei vielen von Hugos Bildern ist nicht klar, inwieweit sie inszeniert sind, und Hugo behält diese Information bei den meisten Bildern für sich.

Foto: Pieter Hugo / Repro: Tilman Abegg

Frage 8: Was ist die Wahrheit?

Pieter Hugos Antwort: „Ich glaube, dass Liebe und Glück vorübergehend sind. Heute da, morgen fort. Das hier ist ein kleiner Moment von Liebe und Glück.“

In der Serie "Messina / Musina" fotografierte Hugo 2006 in Musina, früher Messina, der nördlichsten Stadt Südafrikas an der Grenze zu Simbabwe. In dieser Stadt sind viele Menschen auf der Durchreise, Schleuserbanden schmuggeln Menschen über die Grenze. Hier fotografierte Hugo Menschen, die damals dort lebten, inzwischen aber vermutlich woandershin gezogen sind.
Frage 8: Was ist die Wahrheit?

Pieter Hugos Antwort: „Ich glaube, dass Liebe und Glück vorübergehend sind. Heute da, morgen fort. Das hier ist ein kleiner Moment von Liebe und Glück.“

In der Serie "Messina / Musina" fotografierte Hugo 2006 in Musina, früher Messina, der nördlichsten Stadt Südafrikas an der Grenze zu Simbabwe. In dieser Stadt sind viele Menschen auf der Durchreise, Schleuserbanden schmuggeln Menschen über die Grenze. Hier fotografierte Hugo Menschen, die damals dort lebten, inzwischen aber vermutlich woandershin gezogen sind.

Foto: Pieter Hugo / Repro: Tilman Abegg

Frage 9: Was ist richtig?

Hugo läuft kreuz und quer durch die Ausstellung, schaut hier und da, sagt schließlich: „Ich finde nichts Passendes. Nächste Frage, bitte.“

Frage 10: Was ist falsch?

Wieder längere Suche, dann sagt Hugo: „Das erfordert eine moralisierende Antwort. Lassen Sie uns die Frage überspringen.“
Das Foto zeigt Pieter Hugo während des Interviews in der Ausstellung.
Frage 9: Was ist richtig?

Hugo läuft kreuz und quer durch die Ausstellung, schaut hier und da, sagt schließlich: „Ich finde nichts Passendes. Nächste Frage, bitte.“

Frage 10: Was ist falsch?

Wieder längere Suche, dann sagt Hugo: „Das erfordert eine moralisierende Antwort. Lassen Sie uns die Frage überspringen.“
Das Foto zeigt Pieter Hugo während des Interviews in der Ausstellung.

Foto: Tilman Abegg

Frage 11: Was ist Freiheit?

Pieter Hugos Antwort: "Freiheit ist eine Illusion.“

Das Bild stammt, wie das Foto der zerquetschten Melone, aus der Serie "Californian Wildflowers" und zeigt einen obdachlosen Menschen.
Frage 11: Was ist Freiheit?

Pieter Hugos Antwort: "Freiheit ist eine Illusion.“

Das Bild stammt, wie das Foto der zerquetschten Melone, aus der Serie "Californian Wildflowers" und zeigt einen obdachlosen Menschen.

Foto: Pieter Hugo / Repro: Tilman Abegg

Frage 1: Wovor haben Sie Angst?

Pieter Hugos Antwort: „Bei der Arbeit für die Serie „Ruanda 2004“ habe ich im Murambi Technical College fotografiert. Da waren Haufen und Haufen und Haufen von toten Körpern. Um sie zu fotografieren, musste ich sie anfassen, hochnehmen und bewegen. Das war eine sehr intensive, traumatische Erfahrung. Doch am ersten Tag bekam ich kein gutes Bild, also musste ich wiederkommen. Am Ende des zweiten Tages fiel es mir nicht mehr schwer, es schien absolut normal zu sein, tote Menschen zu berühren und zu bewegen. Und mir wurde etwas über die menschliche Psyche klar: wie einfach es für uns ist, uns an komplett inakzeptable Umstände anzupassen. Wahrscheinlich ist das evolutionär bedingt. Das ist etwas, das mir Angst macht: dass wir in manchen Situationen Dinge hinnehmen, die eigentlich nicht hinnehmbar sind, und nichts dagegen tun.“

Zur Erklärung: In der Serie "Ruanda 2004: Verstiges of a Genocide" fotografierte Pieter Hugo Schauplätze des Völkermordes 1994, an denen die Knochen und Leichen der Opfer auch zehn Jahre nach dem Geschehen noch nicht bestattet waren.
Frage 2: Was verletzt Sie?

Pieter Hugos Antwort: „Das ist meine Tochter. Es schmerzt mich zu wissen, dass sie aufwächst in einer Welt, die ich in schlimmerem Zustand hinterlasse, als ich sie vorgefunden habe. Dass ihr wahrscheinlich Dinge widerfahren, die ihr wehtun. Diese Dinge werden sie auch formen. Es schmerzt mich, darüber nachzudenken.“

Zur Erklärung: Auch die Serie "1994" bezieht sich auf das Jahr des Völkermordes, jedoch ist sie nicht den Opfern gewidmet. Stattdessen fotografierte Pieter Hugo Kinder, die Jahre nach 1994  zur Welt gekommen sind. Im Katalog fragt er dazu: "Tragen Sie das gleiche Gepäck wie ihre Eltern? Wird die Geschichte für sie genauso belastend sein?"
Frage 3: Was lieben Sie?

Pieter Hugos Antwort: „Ich liebe es, dass es mir möglich ist, meine Arbeit mit einem Sinn für Humor zu tun. Ich liebe meinen Job. Ich liebe ihn wirklich. Und ich liebe den dunklen Humor. Es macht Existenz tolerierbar, wenn man ihr etwas Humor entgegenbringen kann. Ich glaube, die Leute übersehen das oft in meinen Bildern."

Zur Erklärung: Das Bild gehört zur Serie "Nollywood". Darin fotografierte Hugo Schauspieler aus der nigerianischen Filmindustrie, genannt "Nollywood", in ihren Kostümen. Die drei Frauen auf diesem Bild sind keine gefährliche Gang, sie tun nur so.
Frage 4: Was hassen Sie?

 In diesem Augenblick kommt ein Mann auf Pieter Hugo zu und bittet ihn darum, seinen Katalog zu signieren. Hugo signiert und sagt: „Was ich hasse? Kataloge zu signieren“, und lacht. Dann wird er ernst und geht zu seinem berühmtesten Foto des Hyänenzähmers. „Ich hasse es inzwischen, über dieses Bild, diese Serie zu sprechen. Diese Serie hat meine Karriere gestartet, und eigentlich besitze ich diese Bilder gar nicht mehr, sie sind nun Teil des öffentlichen Bewusstseins. Es fühlt sich wie ein früheres Leben an, ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wie ich sie aufgenommen habe. Die Bilder selbst hasse ich nicht, aber über sie zu reden, schon.“

Die Serie "The Hyena & Other Men" fotografierte Hugo von 2005 bis 2007 in Nigeria. Er hatte von einem Freund Fotos erhalten von Männern, die auf einer Straße mit einer Hyäne an einer Kette liefen. Hugo machte diese Menschen ausfindig und erfuhr: Das sind fahrende Händler, die sich vermeintlich wilde Tiere halten um Aufmerksamkeit zu erregen, damit sie den Schauslustigen ihre traditionelle Medizin verkaufen können.
Frage 5: Was ist Ihnen am vertrautesten?

Pieter Hugos Antwort: „Wie ich es hasse, mich genauso zu fühlen, jeden Sonntagmorgen.“ (Lacht fröhlich.)

In der Serie "Californian Wildflowers" fotografierte Hugo 2014 und 2015 in San Francisco und in Los Angeles Menschen, die auf der Straße leben. Zur Serie gehören auch Stillleben wie dieses.
Frage 6: Was ist Ihnen absolut fremd?

Pieter Hugos Antwort: „Ich denke, das Seltsamste und Fremdartigste überhaupt ist die Erde selbst. Es ist unser Planet. Dieser Ort (er zeigt auf das Foto) ist eine absolut lebensfeindliche Umgebung, aber er sagt so viel über uns aus. Das ist die dunkle Seite unseres Lebens.“

2009 und 2010  stellte Hugo die Serie "Permanent Error" zusammen: In einem Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt Accra liegt die zweitwichtigste Gegend zur Weiterverarbeitung von Elektroschrott in Westafrika. Die Menschen dort verbrennen ohne jede Schutzausrüstung den Schrott, um die Metalle freizulegen. Diese Arbeit verpestet die ganze Gegend und macht die Menschen krank, trotzdem arbeiten sie dort, weil sie keine andere Möglichkeit haben Geld zu verdienen.
Frage 7: Was ist gelogen?

Pieter Hugos Antwort: „Fotografie ist eine Lüge. Sie ist nicht ausschließlich eine Lüge, aber sie ist auch nur zur Hälfte Wahrheit. Und ich mag es mit diesem Bedeutungsraum zu spielen, wie man sehen kann.“

Zur Erklärung: Dieses Foto aus der Serie "1994" sieht aus, als habe Pieter Hugo es umfangreich inszeniert. Doch in Wirklichkeit, so sagt er, habe er dieses Mädchen genau so vorgefunden, in diesem Kleid, mit diesen Blumen in den Händen, in dieser Pose. Bei vielen von Hugos Bildern ist nicht klar, inwieweit sie inszeniert sind, und Hugo behält diese Information bei den meisten Bildern für sich.
Frage 8: Was ist die Wahrheit?

Pieter Hugos Antwort: „Ich glaube, dass Liebe und Glück vorübergehend sind. Heute da, morgen fort. Das hier ist ein kleiner Moment von Liebe und Glück.“

In der Serie "Messina / Musina" fotografierte Hugo 2006 in Musina, früher Messina, der nördlichsten Stadt Südafrikas an der Grenze zu Simbabwe. In dieser Stadt sind viele Menschen auf der Durchreise, Schleuserbanden schmuggeln Menschen über die Grenze. Hier fotografierte Hugo Menschen, die damals dort lebten, inzwischen aber vermutlich woandershin gezogen sind.
Frage 9: Was ist richtig?

Hugo läuft kreuz und quer durch die Ausstellung, schaut hier und da, sagt schließlich: „Ich finde nichts Passendes. Nächste Frage, bitte.“

Frage 10: Was ist falsch?

Wieder längere Suche, dann sagt Hugo: „Das erfordert eine moralisierende Antwort. Lassen Sie uns die Frage überspringen.“
Das Foto zeigt Pieter Hugo während des Interviews in der Ausstellung.
Frage 11: Was ist Freiheit?

Pieter Hugos Antwort: "Freiheit ist eine Illusion.“

Das Bild stammt, wie das Foto der zerquetschten Melone, aus der Serie "Californian Wildflowers" und zeigt einen obdachlosen Menschen.