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Ausstellung im Museum Ostwall

Guter Witz: Steinklone und Dada-Do-It-Yourselfs im U-Turm

DORTMUND Aus dem Hudson River in New York hat Bastian Hoffmann einen Stein gefischt und 600-mal nachmodelliert. Dafür – und für seine Do-It-Yourself-Videos – erhält er den Kunstpreis des Museums Ostwall.

Guter Witz: Steinklone und Dada-Do-It-Yourselfs im U-Turm

Fürs Foto hat Bastian Hoffmann drei Steine aus dem Haufen parallel an den vorderen Rand gelegt: Alle haben die gleiche Form und die gleiche Farbe. 600-mal hat Hoffmann den Originalstein aus Beton nachgegossen und per Hand angemalt. Foto: Tilman Abegg

Bastian Hoffmann ist eine gute Wahl für den Preisträger des MO-Kunstpreises. Genau wie bei seinen Vorgängern, Geoffrey Hendricks, Ben Patterson und Albert Mayr, hat auch für den Kölner Künstler Hoffmann Kunst nichts Unnahbares oder Heiliges. Im Gegenteil: Hoffmanns Kunst ist ein Witz. Ein guter.

Kleiner Haufen Steine, als wäre es ganz normal

Die 600 kopierten Steine liegen als kleiner Haufen im „Schaufenster“ des Museums Ostwall (MO) auf dem Boden. An der Wand gegenüber vier Fernseher, die Hoffmanns Videos zeigen: Anleitungen zum Selbstmachen, sogenannte DIY-Videos (Do-It-Yourself).

Hoffmann erklärt darin und führt vor, wie man die folgenden Dinge selbst macht: Eine Kerze, die genauso aussieht wie eine gewöhnliche, handelsübliche, weiße Kerze. Eine permanente Pfütze, die das ganze Jahr über nicht austrocknet (dank eines unterirdischen Versorgungssystems). Ein Fahrrad, von dessen Reifen auch bei Sonnenschein Matschwasser hochspritzt.

Ein Brett, hergestellt aus einem Brett

Und ein Brett aus Pressholz – das Video zeigt, wie Hoffmann ein Holzbrett zerhäckselt, die Bruchstücke mit Holzleim vermischt in eine Pressform gibt und so ein Brett aus Pressholz erhält, das genauso groß ist wie das ursprüngliche Holzbrett. Wie bei den Steinen und der Kerze besteht der einzige Unterschied zum Vorbild darin, dass er es selbst gemacht hat.

Klaus Fehlemann von den Freunden des MO, die den Preis stiften, sagt: „Das ist dada.“ Dr. Nicole Grothe, Sammlungsleiterin des MO, sagt: „Die Arbeiten übersetzen Alltagserfahrungen in skurrile Installationen.“ Hoffmann selbst sagt, die Videos sind „Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat“.

Gefühlter Elfmeter: „Das ist doch Quatsch!“

Übrigens: Die Arbeiten von Bastian Hoffmann sind natürlich ein gefühlter Elfmeter für alle, die gern Dinge sagen wie: „Was ist das denn für ein Quatsch! 600-mal der gleiche Stein – das ist doch keine Kunst!“ Das stimmt, die Steine sind nicht so schön wie ein Botticelli und auch nicht so wertvoll wie ein Picasso.

Aber darum geht es eben auch nicht. Es geht um die Geste, um die Gedanken dahinter. Um den Humor, der darin liegt, dass Hoffmann mit großem Aufwand Dinge schafft, die kein Schwein braucht. Die jetzt im Museum, auf Youtube und auf Vimeo zu sehen sind und deren augenfälligstes Merkmal ihre Nutzlosigkeit ist. Wenn man Hoffmanns Kunst also kritisieren will, ohne als Dödel dazustehen, dann sollte man nicht die Steine beurteilen, sondern die Geste.

Es ist der eigene Gedanke, der zählt

Und es geht um die Gedanken, die beim Betrachter möglicherweise angestoßen werden, zum Beispiel: Ist ein Ding, das genauso aussieht wie ein für wenig Geld gekauftes, mehr wert, wenn man es selbst macht? Ist die Zeit, die jemand in etwas investiert, für sich genommen etwas wert? Wer entscheidet das überhaupt? Am Ende vielleicht sogar jeder für sich?

Die Ausstellung „Today I want to show you“ ist zu sehen bis 4. März, Di, Mi, Sa, So 11-18, Do, Fr 11-20 Uhr, 5 Euro, erm. 2,50 Euro, für den Rest des Jahres freier Eintritt in alle städtischen Dauerausstellungen. bastian-hoffmann.com

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