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Im Güterwaggon am Hauptbahnhof gefunden

Mann ohne Gedächtnis - Polizei bestätigt Identität

DORTMUND Die unglaubliche Geschichte von dem Mann ohne Gedächtnis hat ein gutes Ende genommen: Wie die Polizei am Freitag mitteilte, handelt es sich um einen 57-jährigen Dortmunder. Seine Identität stehe inzwischen zweifelsfrei fest.Er wird aktuell psychologisch betreut.

Mann ohne Gedächtnis - Polizei bestätigt Identität

Matthias R. soll Filmvorführer im Roxy gewesen sein.

Aktualisierung, Freitag, 14.20 Uhr: Mann identifiziert

Wie die Polizei vor wenigen Minuten mitgeteilt hat, wurde der Mann ohne Gedächtnis inzwischen identifiziert. Es soll sich um einen 57-jährigen Dortmunder handeln. Nach Recherchen unserer Redaktion handelt es sich dabei um den ehemaligen Kinovorführer Matthias R.. 

Hinweis: Die Polizei hat die Öffentlichkeitsfahndung zurückgezogen. Deshalb haben wir das Bild des Mannes entfernt.

Aktualisierung, Freitag, 11.30 Uhr: Viele Hinweise bei der Polizei eingegangen

Die Polizei hat inzwischen viele Hinweise zur Identität des Mannes erhalten und versucht am Freitagmorgen, ihm diese gemeinsam mit Psychologen zu vermitteln. Weitere Details teilt die Polizei noch nicht mit, hat aber noch für Freitag eine Presseerklärung angekündigt.

Der Mann hatte am Donnerstag eingewilligt, mithilfe eines Profilbildes von ihm in die Öffentlichkeit zu gehen, in der Hoffnung, dass er mehr über seine Vergangenheit erfährt. Die Veröffentlichung eines Frontalbildes lehnte er hingegen ab. Auch ein Gespräch mit dieser Redaktion lehnte er ab und wollte ebenfalls über die Polizei weitergereichte Fragen nicht beantworten. Seine Zurückhaltung begründet der Mann mit der Sorge, am Ende wie ein Depp dazustehen.

Aktualisierung, 18.22 Uhr: Wende am Abend? Identität ist womöglich geklärt 

Wende am Abend? Nachdem der Fall sich im Internet verbreitet hatte, gab es am Abend erste Hinweise darauf, wer der Mann ist. „Das ist doch der Matthias“, entfuhr es Holga Rosen, Miteigentümer der Programmkinos Roxy und Camera. Der Mann habe dort früher als Filmvorführer gearbeitet und jahrelang in der Gneisenaustraße gewohnt. Er sei in der Nordstadt „bekannt wie ein bunter Hund“. Aus dem W. wird so ein R. Matthias R. komme aus der hessischen Stadt Nidda. Er habe sich schon immer für die Geschichte von König Ludwig interessiert. Rosen: „Er hat oft davon erzählt und ist dorthin in den Urlaub gefahren.“ Er sei auch ein Fan der klassischen Musik, liebe die Operette.

Von der Polizei gab es am Abend noch keine Bestätigung zur Identität des Mannes. Rosen und sein Geschäftspartner haben der Polizei Hilfe bei der Aufklärung angeboten. Holga Rosen: „Wir möchten, dass das für Matthias gut ausgeht. Das ist wie in einem schlechten Film.“

Erste Meldung, 12.02 Uhr: Mann sucht seine Identität

Der Mann war verwirrt, als die Bundespolizei ihn in dem abgestellten Zug fand. Ausweispapiere oder andere Schriftstücke hatte er nicht bei sich. Nur eine Tasche mit vier historischen Biographien und einem Asthmaspray. Nach seinem Namen gefragt, erklärte der Mann, er sei König Ludwig aus Bayern. Wie er in den Zug gekommen war, konnte er nicht erklären.

Der Mann wurde daraufhin in die psychiatrische Abteilung des Marienkrankenhauses in Dortmund-Hombruch gebracht. Dort folgten viele Untersuchungen, alle ohne Befund. Auch wenn sich sein Zustand nach drei Tagen besserte, kam sein Gedächtnis nicht zurück.

Gedächtnisverlust als Schutzmechanismus

Chefarzt Dr. Harald Krauß zog den bekanntesten Gedächtnisforscher Deutschlands, Prof. Dr. Hans Markowitsch von der Universität Bielefeld, zurate. Er diagnostizierte eine dissoziative Amnesie - eine seltene Erkrankung, bei der der Gedächtnisverlust oft durch ein Trauma ausgelöst werde, so Dr. Krauß. Das autobiografische Gedächtnis werde abgeschaltet. Gedächtnisverlust als Schutzmechanismus. Prof. Markowitsch kenne nur 40 Fälle in ganz Deutschland.

Bundesweite polizeiliche Ermittlungen sind bislang ergebnislos verlaufen. Die Polizei hat sein Foto an alle Polizeibehörden in Deutschland geschickt, seine Fingerabdrücke ins Zentralregister gestellt. Alle Krankenhäuser kontaktiert. Alles bisher ohne Erfolg. Es hat ihn auch niemand als vermisst gemeldet.

In kleines Apartment gezogen 

Der Mann, der hessischen Dialekt spricht, ist kooperativ. Er möchte wissen, wer er ist und arbeitet mit den Behörden zusammen. Am Donnerstagmorgen wurde er aus dem Krankenhaus entlassen und ist in ein möbliertes Apartment gezogen, das die Stadt Dortmund ihm zur Verfügung stellt. An der Stadtkasse hat der mittellose Mann sich Sozialhilfe abgeholt, damit er sich etwas zu essen kaufen kann. Eine Fachkraft der Sozialen Arbeit ist sein permanenter Ansprechpartner.

Die Stadt hat dem Mann vorübergehend eine neue Identität gegeben. Herr W., so die Polizei, ist bereit, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Er ist freundlich, strukturiert, hilfsbereit und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Was fehlt, ist die Erinnerung. 

Über die Öffentlichkeit Identität klären

In den nächsten Tagen soll der Mann sich zunächst in seiner neuen Umgebung orientieren. Dann wird die Stadt mit ihm ebenfalls versuchen, über die Öffentlichkeit seine Identität zu klären. Die Regelung der Sozialgesetzgebung fordere  die Mitwirkung derjenigen, die Sozialhilfe bezögen, so der Leiter des Sozialamtes Jörg Süßhardt. Herr W. sei damit einverstanden. 

 

Gedächtnisverlust meistern

Mit Geduld an die Erinnerung herantasten

KÖLN/HALLE Amnesie betrifft eine Urangst des Menschen: den plötzlichen Verlust des Gedächtnisses. Betroffene haben keine Vergangenheit mehr. Die eigene Identität verlieren sie aber nur selten. Die Krankheit ist komplex und tritt in vielfältigen Formen auf.mehr...

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