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Immobilie an der Feldherrnstraße

Mieter-Ärger führt zu Handgemenge mit Hausmeister

DORTMUND In einem Mehrfamilienhaus an der Feldherrnstraße kritisieren Mieter fehlende Investitionen und viele Mängel. Die Eigentümerseite spricht von „kriminellen Mietern“ und deren Vandalismus. Bei einem Ortstermin eskaliert die Situation beinahe.

Mieter-Ärger führt zu Handgemenge mit Hausmeister

45 Parteien wohnen an der Feldherrnstraße 41-45, wo es jetzt zum wiederholten Mal eine neue Haustür gibt.Schnitzler

Einen Pressetermin, an dessen Ende Polizisten Zeugen vernehmen, gibt es auch nicht alle Tage. Am Dienstag war so ein Tag. Nordstadt, Feldherrnstraße: Hier steht ein langgezogenes, fünfstöckiges Gebäude mit weißer Fassade, oben wohnen 45 Mietparteien, unten verkaufen ein Gemüsehändler, ein Kiosk, ein Café. Gäste des Cafés hatten mittags beste Aussicht auf das plötzliche Gerangel: Ein nicht zitierfähiges Wort ergab das andere, eine Faust traf, zwei vor Wut schäumende Hitzköpfe konnten von mehreren Umstehenden nur mit Mühe voneinander abgehalten werden. Gegenüber standen sich: ein Mieter und der Hausmeister des Gebäudes.

Die Immobilie ist ein Investitionsprojekt

Das glimpflich beendete Handgemenge zeigt: Hier stimmt zwischen Mieter- und Eigentümerseite etwas ganz gewaltig nicht. Das hatte Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund bereits vor einer Woche im Gespräch mit Mietern erkannt; deswegen hatte er sich am Mittwoch erneut mit Mietern, dem Hausmeister des Objektes sowie Pressevertretern vor Ort verabredet.

Die Immobilie Feldherrnstraße 41-45 gehört der Estara Siebte GmbH & Co. KG mit Sitz in Guben an der polnischen Grenze. Auf deren Internetseite erfahren Anleger, was mit Geld, das sie in Objekte wie das an der Feldherrenstraße investieren, passiert. Und wie die Rückzahlung ihres Geldes gewährleistet wird: aus Mieteinnahmen „und aus dem gewinnbringenden Weiterverkauf von modernisierten Immobilien“.

Das Objekt ist also ein Investitionsobjekt eines auswärtigen Investors (wie es längst auch in Dortmund viele gibt), was an sich noch kein Problem sein muss.

Mieter-Vorwurf: Eigentümer investiert zu wenig

Was aus der Sicht vieler Mieter ein Problem ist: Die Estara Siebte GmbH & Co. KG investiere zu wenig in das Gebäude und lasse Reparaturen lange liegen. Zuletzt habe sie auch noch völlig überhöhte Betriebskostennachzahlungen gefordert.

Eine 56-jährige Mieterin erzählt, dass sie zunächst über 1000 Euro nachzahlen sollte, nach einem Einspruch 700 Euro. Für sie immer noch überhaupt nicht nachvollziehbar. Dem gegenüber steht ihr Ärger über viele Mängel, Beispiel Heizung: „Die Heizung hat im letzten Winter zusammengenommen vielleicht einen Monat funktioniert. Ich habe bitter gefroren.“ Im Hausflur fehlt der Anforderungsknopf für den Fahrstuhl, andere Mieter berichten von Schäden im Badezimmer und an der Toilette, von Schimmel und kaputten Fenstern; sie beklagen, dass die Haustür oft kaputt sei und deshalb offen stehe. Und der Hausmeister, der kümmere sich einfach nicht.

Als eine Familie am Dienstag laut ihren Unmut gegenüber dem Hausmeister zum Ausdruck bringt (der, Zufall oder nicht, vor der Presse die lange erwartete neue Haustür einbaut), kommt es zur eingangs geschilderten Eskalation.

Hausverwalter spricht von „extrem schwierigen Mietern“

Der Hausmeister reagiert mit Gegenvorwürfen, die nachmittags auf Anfrage der Redaktion Lothar Nau wiederholt. Er ist als Hausverwalter bei der Estara Siebte GmbH für das Haus an der Feldherrnstraße zuständig.

  • Im Haus wohnten „extrem schwierige Mieter“, die etwa nicht in der Lage seien, ökonomisch zu heizen; die Kommunikation sei schwierig, weil 40 Prozent der Mieter nicht deutsch sprächen.
  • Es gebe kriminelle Mieter, die regelmäßig den Aufzug außer Betrieb setzten, Türen, Briefkästen und Fenster demolieren würden sowie Urin und Dreck hinterließen.
  • Ein weiteres Problem seien Drogendealer, die sich vor dem Haus herumtrieben und im Flur Drogen verkauften und konsumierten. Die Polizei müsse präsenter sein.

Mieter werfen Müll und Sperrmüll aus dem Fenster

Die Mieter beim Pressegespräch verschweigen nicht, dass es im Haus Probleme gibt. Etwa, dass Mieter Müll und Sperrmüll aus dem Fenster werfen, der sich dann im Hinterhof stapelt. Die 56-jährige Mieterin sagt: „Hier leben vorwiegend Flüchtlinge, die haben keine Ahnung von Mülltrennung.“ Sie sagt es nicht vorwurfsvoll – sondern fordert vielmehr, dass es auch Sache des Eigentümers sei, diese Mieter anzuleiten, etwa über eine mehrsprachige Hausordnung und Gespräche.

Über Mieter, die den Hinterhof „zumüllen“, sodass Ratten umherlaufen, ist Günter Stein erbost, der im Hof seit 1984 Autozubehör verkauft. Er habe den Hausverwalter zwar angeschrieben – besser geworden sei es aber nicht.

Tobias Scholz vom Mieterverein fordert Estara einerseits auf, „alle baulichen Mängel abzuarbeiten, da liegt einiges im Argen“. Andererseits sagt er: „Wenn ich Wohnungen habe, darf ich das Zusammenleben nicht ausblenden.“ Am Mittwoch brachte er daher Gamze Caliskan und Tobias Knorn vom Verein „Planerladen“ mit: Sie vermitteln bei Konflikten, auch in ähnlichen Häusern. Die Lage an der Feldherrnstraße schätzt Caliskan als „sehr dringlich“ ein: „Wir können bei Verständigungsproblemen gerne helfen, irgendwie muss das gelöst werden.“

Darauf angesprochen, sagt Hausverwalter Lothar Nau: Gegen „Drogendealer und Sabotageakte“ im Haus „wird auch ein Verein, welcher vermitteln will, wenig ausrichten können“.

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