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Interview

Psychologe: Raser sind oft Menschen mit Selbstwertproblemen

DORTMUND Bei 80 Schwerpunkteinsätzen gegen Raser hat die Polizei in diesem Jahr 2380 Temposünder erwischt. In Extremfällen fuhren sie über 70 km/h zu schnell. Viele von ihnen landen als Strafe in der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung - und treffen dort auf Psychologen wie Oliver Schmidt. Ein Gespräch über die Wirksamkeit von Fahrverboten und Charakterschwächen.

Psychologe: Raser sind oft Menschen mit Selbstwertproblemen

Auf dem Wall in der Dortmunder Innenstadt geht die Polizei in kurzen Abständen gegen Raser vor. Foto: Oliver Schaper

Dortmund ist ein heißes Pflaster für Raser. Besteht der Verdacht, dass ein Raser charakterlich nicht fürs Führen eines Fahrzeugs geeignet ist, kann die Stadt nach einem Hinweis der Polizei eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anordnen. Der Psychologe Oliver Schmidt von der Gesellschaft für Arbeits-, Verkehrs- und Umweltsicherheit (Avus) aus der Innenstadt erklärt, mit wem er es zu tun hat.

Herr Schmidt, bekommen Sie als Gutachter den Kontrolldruck zu spüren?

Ja. Uns ist aufgefallen, dass die Zahl der Klienten, die bei erlaubten 50 km/h über 120 km/h auf dem Tacho hatten, langsam angestiegen ist. Immer häufiger sind auch Fahrer dabei, die schon nach dem ersten Verstoß zur MPU müssen und nicht erst, wenn sie mehrere Punkte gesammelt haben. Die Behörden sind aufmerksamer geworden.

Was passiert bei der MPU?

Wir Gutachter müssen nach einem medizinischen Test, einem Reaktionstest und dem psychologischen Gespräch erkennen, ob der Fahrer ein Problembewusstsein für sein Verhalten entwickelt hat und der Straßenverkehrsbehörde ein Gutachten vorlegen. Wie es zu seinem Verhalten gekommen ist, muss uns der Fahrer nachvollziehbar erklären.

Wer sitzt vor Ihnen?

Häufig ein Mensch mit Selbstwertproblemen. Das sind Fahrer, die noch nicht gefestigt im Leben stehen und Anerkennung suchen. Mit Imponiergehabe polieren sie ihr Selbstbewusstsein auf. Das hat auch etwas mit Macht und Konkurrenz in der Szene zu tun. Wir stellen Entwicklungsverzögerungen fest.

Helfen acht Wochen dauernde Fahrverbote weiter?

Nein, acht Wochen sind meistens zu kurz, um ein Bewusstsein für das Problem zu entwickeln und Hilfe zu finden. Es geht darum, eingeschliffene Verhaltenweisen aufzugeben und Einsicht zu erzeugen. Die Fahrer müssen herausfinden, wie sie sonst Anerkennung finden. Das geht nicht mal eben so. Es kann sinnvoll sein, dass Betroffene fachliche Hilfe in Anspruch nehmen und ein anderes Umfeld finden müssen.

Was müssen Raser lernen?

Dass Straßenverkehr auch Zusammenleben und Rücksichtnahme bedeutet. Sie übersehen, dass andere Autofahrer ständig für sie Rücksicht nehmen müssen.

Eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung für Raser kostet rund 360 Euro. Die Teilnahme bedeutet nicht automatisch ein positives Gutachten.

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