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Wie die Basis über die Groko denkt

Soll die SPD oder soll sie nicht . . . ?

BAROP Im SPD-Ortsverein Barop diskutiert die Basis so konträr wie die Parteispitze 500 Kilometer entfernt. Die Mitglieder vor Ort reden aber offener über Chancen und Risiken im 20,5-Prozent-Tief. Über „die Genossen da oben“ im Berliner Politikbetrieb nehmen einige kein Blatt vor den Mund.

Soll die SPD oder soll sie nicht . . . ?

Der Vorstandstisch: (l.) Thomas Krause (fast verdeckt), Uli Steinmann, die Vorsitzende Ursula Pulpanek-Seidel, Michaela Bitzer, Udo Bullerdieck, Dr. Horst Heimann und Petra Ahlbeck. Daneben sitzt ihr Mann Harry. Foto: Gaby Kolle

Nach der großen Komplikation mit Jamaika nun doch wieder Große Koalition? Oder Minderheitsregierung? Oder Opposition? Im SPD-Ortsverein Barop, an der Basis also, ist man so hin- und hergerissen über die bundespolitische Zukunft wie im Epizentrum der Republik.

Es ist die Woche der Weichenstellung und am Dienstagabend Mitgliederversammlung bei der Baroper SPD. 20 von rund 100 Ortsvereinsmitgliedern haben den Weg in die Pizzeria Enjoy, dem früheren „Lügenfritz“, gefunden. Auf der Tagesordnung stehen zwar in erster Linie Nachwahlen von Vorstandsmitgliedern doch unter Punkt 7 – Verschiedenes – wird über das Thema gesprochen, das alle am meisten bewegt. Soll die SPD oder soll sie nicht ...?

Temperatur steigt

Ein Teil des Vorstands sitzt hinter einer Reihe grauer Tische unter weißen Kugellampen. Draußen hat es angefangen zu regnen, drinnen steigt die Temperatur. Die Heizung ist voll aufgedreht, und auch in der Debatte über die Zukunft der SPD klettert das Stimmungsbarometer.

Die Vorsitzende und Ratsfrau Ursula Pulpanek-Seidel referiert gestenreich über die Vorzüge einer Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten. So wird nach der letzten Kommunalwahl auch im Dortmunder Rat Politik gemacht: „Das macht richtig Spaß. Da muss sich jeder anstrengen.“ Die Große Koalition sei am 24. September abgewählt worden, sagt die Ortsvereinsvorsitzende. In ein zwei Jahren habe sie kein Problem mit Neuwahlen, „doch wenn wir erst einmal ja sagen, hat die Merkel uns wieder unter ihren Fittichen“.

Für eine Minderheitsregierung, aber schwarz-grün

Markus – man duzt sich unter Genossen – ist Student und „der einzige unter 30 bei den Mitgliederversammlungen der letzten vier Jahre.“ Markus ist ebenfalls für eine Minderheitsregierung, „aber für eine schwarz-grüne.“ Mit „Tu was für das Land“, wolle man die SPD hinter dem Ofen hervorlocken. „Genosse Martin und Genosse Andrea“ würden sich bei einer tolerierten Minderheitsregierung am Ende faktisch in der Großen Koalition wiederfinden. Also besser doch Opposition.

Auch für Udo Bullerdieck ist eine tolerierte Minderheitsregierung, bei der auch die SPD die CDU brauche „die schlechtere Alternative. Entweder Große Koalition oder Opposition, mit allen Konsequenzen“. Und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt solle die Union nach seinem Glyphosat-Foul „ruhig behalten“, meint Bullerdieck; denn „das wird die Merkel noch teuer bezahlen.“

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Mitglieder des Ortsvereinsvorstands der SPD-Barop: (v.l) Uli Steinmann, die Vorsitzende Ursula Pulpanek-Seidel und Michaela Bitzer.

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Blick in die Mitgliederversammlung.

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Die Vorstandsmitglieder Markus Jüttermann und Thomas Krause.

Gaby Kolle

„Merkels Politik ist schwammig“

Überhaupt die Merkel. Silyia Ixkes, ganz „auf Ullas Seite“, sagt, mit einer Minderheitsregierung könne die SPD zeigen, „dass Merkels Politik schwammig ist“, sie werde so „gezwungen, wieder eigene Politik zu machen.“ Das sei in der Großen Koalition verloren gegangen. „Selbst uns Genossen fällt es manchmal schwer, Unterschiede zu erkennen.“

Dr. Horst Heimann ist 84 Jahre alt, seit 62 Jahren in der Partei, aber offen für alles. Fast alles. Neuwahlen will er nicht: „Die Mehrheitsverhältnisse bleiben, wie sie heute sind. Wir können ja das Volk nicht auflösen.“ Eine Minderheitsregierung hält er für „eine sinnvolle Möglichkeit“. Oder eine Kenia-Koalition (Schwarz-Rot-Grün). Auch vor einer neuen Groko hätte er „keinen Horror“. Schließlich folgte der ersten Großen Koalition in der Bundesrepublik 1969 das sozialliberale Bündnis.

Ärger über Strippenzieher in Berlin

Heimann blickt im Zorn zurück, nennt Gerhard Schröder wegen der Hartz-Gesetzgebung nur den „SPD-“, nicht den sozialliberalen Kanzler. Auch auf den früheren Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel ist er nicht gut zu sprechen, nennt ihn versehentlich Gunther Gabriel. Das Wahlkampf-Thema ‚Soziale Gerechtigkeit“, habe deshalb nicht gezogen, „weil es nicht ehrlich gemeint war“.

Heimann schimpft auch über die Genossen da oben, auf das Debattenmagazin „Berliner Republik“, „das Zentralorgan der Netzwerker“. Diese Strippenzieher interessiere „nicht links, nicht rechts, die interessiert nur oben.“ Die würden sich schon dafür einsetzen, „dass nicht so große Unterschiede zu Mutti zu sehen sein werden. Das bringt Mandate, Posten, Dienstwagen“.

„Ohne Merkel wahnsinniger Rechtsruck in der CDU“

Eine Kanzlerin Merkel fürchte er nicht, sagt Heimann. Sie sei „das Beste, was mathematisch möglich ist.“ Wenn Merkel weg sei, komme es zu „einem wahnsinnigen Rechtsruck in der CDU.“

Thomas Krause, seit zehn Jahren im Ortsverein, weiß noch nicht, wie er sich bei der von Parteichef Martin Schulz angekündigten Mitgliederbefragung entscheidet: „Ich habe Lust auf Veränderung, möchte Diskussion und Auseinandersetzung.“

„Kleinkind Lindner“

Die Vorsitzende macht mal „was ganz Verrücktes“. Sie fragt die beiden jungen Neuzugänge Jan und Tobias nach ihrer Meinung. Jan Paul Möllmann, 18 Jahre, Fachabiturient und am Tag der Bundestagswahl in die SPD eingetreten, nennt FDP-Lindner ein „Kleinkind“. Die SPD sieht er als Schild gegen den Rechtsruck, „ein pochendes Geschwür, das immer stärker und größer wird.“ Beifall.

Tobias Kreutzer glaubt, dass eine Große Koalition der Partei das Genick brechen und sie auf 15 Prozent abstürzen lassen würde.

Ulla findet die Beiträge „spitze. Ihr seid die Zukunft.“

Demnächst wird abgestimmt, wie es weitergeht. Auch von den Mitgliedern im Baroper Ortsverein. Der trifft sich wieder zur Weihnachtsfeier am 8. Dezember. Bei heruntergedrehter Heizung aber vermutlich noch offenen Fragen.

Ein stabiler Ortsverein

Mit rund 100 Mitgliedern in den vergangenen Jahren ist Barop ein stabiler SPD-Ortsverein (OV).

Der OV Barop, mit Studenten und Dozenten in seinen Reihen, ist laut seiner Vorsitzenden Ursula Pulpanek- Seidel ein sehr aktiver und diskussionsfreudiger Ortsverein, der im Unterbezirk Dortmund mit Anträgen immer mit vorn dabei ist.

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Mitglieder des Ortsvereinsvorstands der SPD-Barop: (v.l) Uli Steinmann, die Vorsitzende Ursula Pulpanek-Seidel und Michaela Bitzer.

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Blick in die Mitgliederversammlung.

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Die Vorstandsmitglieder Markus Jüttermann und Thomas Krause.

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