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Haltestelle Klinikum

Sturzgeburt in der U-Bahn-Station

DORTMUND Beate Madaus wartete auf die U 42 in Richtung Reinoldikirche. Sie hatte sich mit Arbeitskollegen zum Essen verabredet. Aus heiterem Himmel wurde sie zur Geburtshelferin – auf dem U-Bahnsteig Klinikum: 55 Zentimeter Mensch landeten ohne Vorwarnung in ihrer Strickjacke.

Sturzgeburt in der U-Bahn-Station

Hassan kam auf einer Bank zur Welt. Mit Mutter Nesrine freuen sich Oberärztin Dr. Sonja Isenrath, Assistenzärztin Dr. Vanessa Speer, Ersthelferin Beate Madaus, die Hebammen Linda Berthold und Margot Lefarth (v. l.).

Der kleine Hassan hatte es eilig. Er wollte nicht bis zum Kreißsaal warten, sechs Etagen über dem U-Bahn-Schacht. Für die Service-Leiterin im Hörder Josefs-Hospital war ihre Strickjacke schon ein Aussortier-Stück. Aber sie hatte ihr schon einmal Glück gebracht, Beate Madaus gab der Jacke noch einmal eine Chance. Seit dem späten Mittwochnachmittag ist das gute Stück Hassans Talisman.

Seine Eltern, Mutter Nesrine und Vater Ali Sabra, waren mit zweien ihrer drei Kinder an der Reinoldikirche in die U 42 in Richtung Hombruch eingestiegen. Noch am Morgen saß die hochschwangere Nesrine bei ihrer Frauenärztin.

Niemand ahnte es

Rein rechnerisch sollte Hassan erst nächsten Mittwoch, 24. Mai, in den Armen seiner Eltern liegen. Die Sabras spazierten durch die Stadt, als bei der 29-Jährigen leichte Wehen einsetzten. Niemand von ihnen ahnte, dass ihr viertes Kind wenige Minuten später am U-Bahn-Halt unter dem Klinikum an der Beurhausstraße zur Welt kommt.

Direkt nach dem Verlassen der Bahn, sagte Nesrine zu ihrem Mann, sie müsse sich setzen, Sekunden später schrie sie, „das Baby kommt“. Ihr Mann glaubte „Du schaffst das“, aber sie schickte ihn los ins Klinikum. Dann platzte die Fruchtblase. Ein Schrei von Nesrine Sabra – und Beate Madaus, die die Familie zunächst gar nicht bemerkt hatte, sah die verschleierte Frau auf der Bank liegen. Madaus fackelte nicht lange, raste zur Bank. Hassan, 2960 Gramm schwer, mit einem Kopfumfang von 35 Zentimetern kam als Sturzgeburt. Um ihn herum drei aufgeregte ältere Damen, die sich um die Schwester (6) und ums Brüderchen (2) von Hassan kümmerten.

Nabelschnur lag um Hassans Hals

"Am Anfang dachte ich noch, der jungen Frau wäre irgendwie eine Narbe geplatzt. Ihr Bauch war halt auch relativ klein. Aber dann sah ich schon das Köpfchen. Und auf einmal ging alles sehr schnell", sagt Madaus.

Plötzlich schaute Madaus, die eigentlich gelernte Hotelfachfrau ist und einen 13-jährigen Sohn hat, auch schon in zwei pechschwarze, große Kulleraugen. „Die Nabelschnur hatte sich um den Hals gelegt, das habe ich rasch noch korrigieren können. Aber dann war der kleine Junge auch schon komplett draußen“, sagt Madaus. 

Vater schlug im Klinikum Alarm

Beate Madaus flehte mit dem nicht abgenabelten Säugling auf dem Arm unterdessen einen weiteren Passanten an, er möge die Notrufnummer 112 wählen, doch der hatte nichts Dümmeres zu tun, als die Szenerie mit seinem Handy zu filmen. Noch am Tag danach kocht in Madaus die Wut hoch. Vater Ali hatte unterdessen Alarm geschlagen im Krankenhaus.

Um 17.58 Uhr war sein dritter Sohn zur Welt gekommen, um 17.59 Uhr schrillte das Telefon im Kreißsaal, um 18.01 Uhr waren Hebamme Linda Berthold und Assistenzärztin Dr. Vanessa Speer mit Geburtsbesteck und Handtüchern bei Mutter und Kind in der U-Bahn-Station und übernahmen den Rest. Beate Madaus fiel ein Stein vom Herzen: „Ich hätte mich, glaube ich, nicht getraut, die Nabelschnur zu durchtrennen.“

Mutter und Kind sind kerngesund und glücklich. Die Strickjacke, Hassans Talisman, wird die Erinnerung an die dramatischen Minuten wach halten und bestimmt einen besonderen Platz bei Familie Sabra bekommen. 

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