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Aus Aleppo geflohen

Syrischer Gitarrist dreht Musikvideo in Dortmunder Bibliothek

DORTMUND Nach seiner Flucht aus Aleppo ist Ari Masto in Dortmund heimisch geworden. Der 38-Jährige singt über Sehnsucht und Freiheit und spielt dazu Gitarre. Das Musikvideo zu seinem Lied "Avrin" dreht er in der Dortmunder Bibliothek - für ihn ein besonderer Ort. Wir haben einen ersten Eindruck von Masto und seiner Musik mitgebracht.

Syrischer Gitarrist dreht Musikvideo in Dortmunder Bibliothek

Der Dortmunder und gebürtige Syrer Ari Masto in der Bibliothek

Ari Masto schließt die Augen, als er anfängt. „Vor fünf Jahren verließ sie Rojava“, singt er. „Bisher gibt es keine Nachrichten über Avrin.“ Masto begleitet sich selbst auf der Gitarre. Es sind sanfte, traurige Mollklänge, die durch die leere Bibliothek klingen. In seinem Lied „Avrin“ geht es um Geflüchtete, um Trauer und die quälende Unsicherheit.

"Die Bibliothek ist ein besonderer Ort"

Der syrisch-kurdische Gitarrist Ari Masto (38) trägt einen Anzug mit allem Drum und Dran. Weste, Krawatte und elegante schwarze Schuhe. Sein Vollbart ist gestutzt. Die äußere Erscheinung gehört für ihn zur Musik dazu. Vor drei Jahren ist Masto von Afrin/Aleppo in Syrien nach Deutschland geflohen. Gestern drehte er ein Musikvideo für sein Lied „Avrin“ in der Stadt- und Landesbibliothek am Hauptbahnhof. „Die Bibliothek ist ein besonderer Ort“, sagt Masto. „Man kann hier alles lesen und lernen, über die Kultur, über die Welt. Außerdem gibt es eine Abteilung mit Noten, gut für jeden Musiker.“

Er spricht langsam, sucht nach Worten. Es ist schwierig, sich in einer Sprache korrekt auszudrücken, die man noch nicht beherrscht. Eine Barriere, die Musik überwindet. Freund und Berater Gerhard Stranz (67) erklärt: „Im interkulturellen Familienhaus der Bunten Schule am Nordmarkt gibt er ehrenamtlich Gitarrenunterricht für Kinder. Da sind Kinder mit ganz unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen. Gleichzeitig komponiert er selbst und muss sich um Behördengänge, seinen Sprachkurs und seine Familie kümmern.“ Die Behörden sind es, bei denen Stranz am meisten hilft. Er war es aber auch, der den Videodreh in der Bibliothek organisierte. „Wir haben uns zufällig bei der Publikumsinitiative der Dortmunder Philharmoniker kennengelernt“, erzählt er. „Da kam er auf uns zu und sagte, er würde gerne etwas tun. Er hilft den Kindern beim Gitarre spielen, damit kennt er sich aus. Und weil ich mich in Dortmund auskenne, helfe ich ihm.“

Jeder ist willkommen

Mit 16 hat Masto angefangen, klassische Gitarre zu spielen. Vorher spielte er die Langhalslaute Saz. In Aleppo war er in der größten Musikschule der Stadt als Lehrer tätig. Er komponierte selbst und gab Konzerte. Jetzt steht er mit seinem Filmteam in der Dortmunder Bibliothek. Zwischen den Bücherregalen sind Lampen aufgestellt. Kabel verlaufen über den Boden.

„Wir waren überrascht und erfreut über den Dreh.“, sagt Bibliotheksdirektor Dr. Johannes Borbach-Jaene. „Die Bibliothek wird von vielen Geflüchteten gut angenommen. Hier ist jeder willkommen. Wir fragen nicht danach, was jemand hier will. Solange er sich an die Regeln hält, sind unsere Türen offen.“

Das Lied „Avrin“ hat Masto geschrieben, als er schon in Deutschland war. Es greift die Sehnsucht derjenigen auf, die nicht wissen, wie es ihren Freunden und Verwandten geht: „Avrin, viele Jahre sind vergangen. / Avrin, die Trauer und der Schmerz nehmen täglich zu. / Avrin, müde Augen können kaum noch sehen.“ Masto plant, weitere Friedens- und Liebeslieder zu schreiben und auf die Bühne zu bringen. Seine persönlichen Wünsche sind schnell aufgezählt: „Ich möchte arbeiten und mit meiner Frau und meinem Kind in Deutschland bleiben“, sagt er.

Der erste Schritt dazu ist ein Praktikum, das Ari Masto ab dem 28. März im Konzerthaus absolvieren wird. „Außerdem möchte ich gerne Klavier spielen lernen“, sagt Masto.

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