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Video-Rettung

Unterwegs mit Dortmunds Höhenrettern

HÖRDE Müssen Menschen aus extremen Höhen oder Tiefen gerettet werden, kommen sie zum Einsatz: die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr. Doch wie fühlt es sich an, sein Leben in ihre Hände zu legen? Unser Reporter hat den Selbstversuch gewagt - und sich bei einer Übung auf Phoenix-West abseilen lassen.

Unterwegs mit Dortmunds Höhenrettern

Schöne Aussicht eines Übungs-Patienten.

Als die Berghoferin Monika Rieger Ende Juli unserer Redaktion von ihrer Seilbahnfahrt über dem Kölner Rhein berichtete, schimmerte ihre Höhenangst mit durch. Nach einem Defekt musste die Berghoferin an ihrem 41. Hochzeitstag von der Feuerwehr aus der Kabine befreit werden. Höhenangst – wie fühlt sich das an? Ein Selbstversuch, der gescheitert ist.

Mittwoch, 14 Uhr an der Feuerwache 4 in Hörde. Die Höhenretter sind wieder im Einsatz. Sie fahren eine ganz normale Schicht und müssen zu Bränden oder Unfällen ausrücken. Sobald gefährliche Höhen und Tiefen zu überwinden sind, ist ihr Spezialwissen gefragt.

 

Video: Hier wird ein Reporter gerettet:

 

An diesem Mittwoch steht ein Übungseinsatz auf dem Plan. In dem 1998 ausgemusterten Hochofen auf Phoenix-West in Hörde, der unter Denkmalschutz steht und als verwinkelte Anlage mit mindestens 65 Höhenmetern ein anspruchsvolles Retter-Revier ist.

Der Aufzug ist längst ausrangiert. Also geht es zu Fuß rauf auf die Aussichtsplattform. Allein die über 200 Meter langen Seile wiegen jeweils 30 Kilogramm. Dazu kommen Karabinerhaken, Seilwinden, Rucksäcke und andere schwere Ausrüstungsgegenstände, die für die sichere Arbeit in Höhen und Tiefen nicht am Boden bleiben dürfen.

Die Höhenangst, sie will nicht kommen

Einzig der orangefarbene Schleifkorb – die Trage, in der ein Patient abtransportiert wird – bleibt zunächst unten und wird später über eine Seilwinde hochgezogen. Der Wind pfeift durch den Hochofen, was die Abseilaktion zu einer wackeligen Aktion werden lassen soll.

So trainieren die Höhenretter der Feuerwehr

Reden am Fuße des rostigen Riesen: In der Hochofen-Anlage auf Phoenix-West in Hörde üben die Höhenretter komplizierte Abseil-Aktionen.
Auf geht's zum Arbeitsplatz in 65 Metern Höhe: Der Hochofen im Dortmunder Stadtteil Hörde ist ein verwinkeltes Trainings-Gelände.
Höhenretter Stefan Klaus im Interview mit Redakteur Peter Bandermann
Feuerwehr-Arbeit ist immer Team-Arbeit - auch die Höhenretter arbeiten in Extrembereichen.
Den orangefarbenen Schleifkorb sichern die Höhenretter mit einem komplexen Seilsystem.
Abstimmen erfolgt durch Augenkontakt und intensive Gespräche. Bevor jeder Handgriff sitzt, greifen Routine und präzise Absprachen.
Karabiner, Seile und Winden sichern den Patienten und die Höhenretter.Bis ein tragfähiges System steht, vergehen viele Minuten. Die Zeit würde ein Notarzt nutzen, um den Patienten für den Transport zu stabilisieren.
65 Meter hoch ist die Plattform im Hochofen Nummer 5. Hier sind die Höhenretter gefragt, wenn ein Besucher verletzt wird und allein nicht mehr über die Treppen absteigen kann.
Noch liegt der "Patient" - hier ein Reporter - sicher in der Waagerechten. In wenigen Minuten geht es anfangs kopfüber abwärts.
Schöne Aussicht eines Übungs-Patienten.
Blick mit Fisheye-Optik übers Geländer der Hochofen-Plattform.
Höhenretter Sven Sieberg (links) und unser Redakteur Peter Bandermann kurz bevor es 65 Meter tief abwärts geht.
Interview in luftiger Höhe mit einem Höhenretter. Unten steht ein Löschfahrzeug der Einheit.
Höhenretter der Feuerwehr trainieren einen Einsatz.
45 von 65 Metern sind geschafft.
Zweifach gesichert: Ein Lastsystem und ein Sicherungssystem tragen beim Abseilen das Gewicht.
Sven Sieberg gehörte seit Anfang 2017 zur 1997 gegründeten Spezialeinheit der Dortmunder Feuerwehr.
Die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr trainieen auch in der Hochofen-Anläge auf Phoenix-West. Ein anspruchsvolles Revier.
Die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr trainieen auch in der Hochofen-Anläge auf Phoenix-West. Ein anspruchsvolles Revier.
Die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr trainieen auch in der Hochofen-Anläge auf Phoenix-West. Ein anspruchsvolles Revier.

Aber die Höhenangst, sie will nicht kommen. Die Berghoferin Monika Rieger hätte von einem Notarzt venös ein Mittelchen für mehr Gleichgültigkeit gegen die Angst verabreicht bekommen, aber der Reporter muss da jetzt durch, will da jetzt durch und beobachtet die Höhenretter, die den Eindruck erwecken, dass man ihnen die Augen verbinden könnte und sie trotzdem funktionieren würden. Das Experiment ginge dann doch zu weit.

Jeder Griff sitzt

Tatsächlich: Jeder Handgriff sitzt. „Höhenretter“, das ist an diesem Mittwochnachmittag ein Synonym für Präzision und Kommunikation. Sven Sieberg, das ist der Name des Feuerwehrmanns, der in 65 Metern über dem Hochofen-Fundament über das Geländer klettern und den Patienten an einem Seilsystem schwebend sicher auf den Boden der Tatsachen führen wird.

Seelenruhig berichtet Sven, dass er ausgebildeter Mechatroniker und schon länger Feuerwehrmann, aber erst seit Anfang des Jahres bei den Höhenrettern ist. Ein Neuling im Schwebezustand? Immer noch keine Akrophobie, also Höhenangst. „Ich vertraue mein Leben den Kollegen an. Auf dieses Team kann man sich verlassen“, sagt er in einer Tonart, in der wir „Schönes Wetter heute“ sagen.

Der Mann strahlt eine Ruhe aus, die an Hypnose grenzt

Guido Feger, der schon seit 1997 Mitglieder dieser Feuerwehr-Spezialeinheit und nebenbei auch noch Spezialbaumfäller und Gleitschirmflieger ist, hätte ja auch den Reporter abseilen können, weil er als Dienstältester der Erfahrenste im Team ist. Der Mann strahlt eine Ruhe aus, die an Hypnose grenzt. Was im Ernstfall extrem wichtig ist. Um unter Schock stehende oder in Panik geratene Patienten zu beruhigen.

Höhenangst ist eine unangemessene Reaktion auf eine vermeintliche Gefahr. Das Gehirn meldet nach dem Blick in die Tiefe einen drohenden Kontrollverlust. Der hier nicht eintritt. „Eins, zwei, drei“ – mit vereinten Kräfte hieven die Höhenretter den Patienten-Korb aufs Geländer, um ihn vorsichtig ins Freie zu heben.

Kopfüber geht es hinab. Ein Blick zur Seite lässt jetzt 65 Meter tief blicken. Das Gefühl, in sicheren Händen zu sein, war noch nie so stark. Während der Seilfahrt am Hochofen bricht der Funkkontakt. Sven Sieberg lächelt.

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