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Mieter nicht informiert

Vonovia will Neubau in Garten setzen

DORTMUND Dürften Dortmunder Mieter das Unwort des Jahres wählen, läge "Nachverdichtung" weit vorne. Die Stadt braucht dringend neue Wohnungen, freie Grundstücke sind aber teuer. Also stocken Wohnungsunternehmen Häuser auf oder setzen neue Gebäude in ihre Bestände. Letzteres heißt Nachverdichtung - eine solche plant nun Vonovia im Kreuzviertel. Nur - eine Sache hat das Unternehmen bisher nicht getan.

Vonovia will Neubau in Garten setzen

Heide Ramm (l.) und Alexandra Heldt stehen auf dem Balkon von Heldts Wohnung an der Blankensteiner Straße 1. Hinter ihnen ist der Garten zu sehen, in dem Vonovia einen Neubau platzieren will. Rechts zu sehen sind die Häuser an der Metzer Straße.

Es geht um das Viertel an der Metzer und Blankensteiner Straße. Hier hat die Vonovia viele Häuser – und hier hat sie beziehungsweise ihr Vorgänger-Unternehmen Deutsche Annington die Mieter schon mehrfach verärgert. Im Januar beschrieben Mieter ihr Leben als „Albtraum“, da Vonovia mehrere Häuser um eine Etage aufstockte. Lärm, Kälte, fehlende Informationen. Im Mai feierte Vonovia an der Blankensteiner Straße die Fertigstellung einer aufgestockten Etage. Unternehmens-Vertreter erzählten Vertretern der Stadt in einer Wohnung, wie wunderbar alles sei – unten vor der Tür protestierten Mieter.

Es wäre für die Vonovia-Leute die Gelegenheit gewesen, den Mietern der umliegenden Häuser eine weiteres Projekt anzukündigen: Hinter den Häusern Metzer Straße 54, 56 und 58 und Blankensteiner Straße 1 und 3 will Vonovia „nachverdichten“, einen Neubau mit 14 Wohnungen samt PKW- und Fahrradstellplätzen errichten.

"Zu gegebener Zeit zu informieren, ist nicht ausreichend"

Dazu aber haben die Mieter von Vonovia bisher kein Wort gehört. Es liege noch keine Baugenehmigung vor, teilte am Mittwoch auf Anfrage Vonovia-Sprecherin Bettina Benner mit. Also habe man die Mieter noch nicht informiert: „Wir kommunizieren immer nur Fakten.“ Man wolle die Mieter aber „zu gegebener Zeit mitnehmen“. „Zu gegebener Zeit zu informieren, ist nicht ausreichend“, sagt Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund. Vonovia müsse die Leute direkt beteiligen, um Neubauten im Bestand „so verträglich wie möglich zu gestalten“.

Die Mieter bekamen überhaupt erst Wind von dem geplanten Neubau, weil Garagen gekündigt wurden, die dem Neubau wohl im Weg stehen. Zweitens informierten Aushänge über Bohrungen auf den Grundstücken, in Vorbereitung für den Neubau.

Anwohner Hans-Peter Zehnter ist kein Vonovia-Mieter, ihm gehört eine Wohnung an der Blankensteiner Straße. Als Eigentümer durfte er bei der Stadt die Pläne von Vonovia einsehen – so erfuhren die Vonovia-Mieter Details. „Die Mieter sind alle wütend, sauer und tief enttäuscht“, sagt Mieterin Heide Ramm. Weil Vonovia es bislang nicht für nötig halte zu informieren.

"Dann gute Nacht"

Und weil die 50 mal 40 Meter große Grünfläche samt Bäumen im Innenhof, die dem Neubau weichen müsste, für die Bewohner ein Rückzugsort ist. „Das ist die letzte grüne Oase. Wenn sie uns die zupflastern, dann gute Nacht“, sagt Marius Jakobus (25), der wegen des Grüns an die Blankensteiner Straße gezogen ist. Auch Helga Klaus (76) und ihr Mann lieben den Garten, in den sie vom Balkon ihrer Wohnung an der Metzer Straße schauen. Künftig würden sie stattdessen auf den wenige Meter entfernt stehenden Neubau blicken.

Ein großer Teil der Grünfläche bleibe trotz des Neubaus erhalten – darauf verweist auch Vonovia. Doch die Mieter wollen ihn ganz erhalten und nicht kampflos aufgeben. Sie hängen Plakate mit Sprüchen wie „Grün weg, Taschen voll“ oder „Blumenduft statt Auspuffluft“ im Viertel auf – sie fürchten auch eine weitere Belastung durch noch mehr Autos. Sie sprechen von 150 Bewohnern, die von mehr Verkehr, der Zerstörung des Gartens und der Baumaßnahme betroffen wären.

Loch in der Decke

Alexandra Heldt ist eine von ihnen: Sie wohnt an der Blankensteiner Straße 1, einem der Häuser, das Vonovia zuletzt um eine Etage aufgestockt hat. Infolgedessen hat sie in ihrer Wohnung noch mit Wasserschäden und einem Loch in der Decke zu kämpfen und werde vertröstet – während sie bald den Neubau im Garten ertragen müsste.

Heldt hat einen Brief samt Unterschriften von Anwohnern an das Umwelt- und das Planungsamt der Stadt geschrieben. Darin berichtet sie, wie viele Tiere – Igel, Hasen, Eichhörnchen und diverse Vogelarten – im Garten zu beobachten seien. Die Anwohner bitten die Stadt um Hilfe, das Biotop von „unschätzbarem Wert“ zu erhalten. Ob Vertreter der Stadt einer Einladung der Anwohner zum Ortstermin folgen? Abwarten. Bis Mittwoch antwortete die Stadt inhaltlich nicht auf eine Anfrage der Redaktion vom Freitag. Es blieb unklar, ob die Stadt überhaupt etwas für die Anwohner tun kann.

Hans-Peter Zehnter sieht die Stadt in der Mitverantwortung. „Dieses Viertel ändert sich ganz dramatisch“, dem dürfe die Stadt nicht nur zusehen. Auch Tobias Scholz vom Mieterverein fordert, die Stadt müsse sich überlegen, wie sie mit dem Thema Nachverdichtungen umgehe.

Hier soll gebaut werden: 

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