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Fans schwiegen

Vor einem Jahr starb Fred Hellmann im Signal Iduna Park

DORTMUND Genau ein Jahr ist es her, dass Fred Hellmann die Stufen im Signal Iduna Park schwerer fielen als sonst. Am 13. März 2016 erlitt der Vater von Karsten Hellmann beim BVB-Spiel gegen Mainz einen Herzinfarkt und starb. Die Südtribüne schwieg, aus Respekt, aus Anteilnahme. Jetzt gibt es einen Fanclub zu seinen Ehren.

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"You’ll never walk alone" - Du wirst niemals alleine gehen. Nach dem Abpfiff der Partie gegen Mainz 05 am 13. März 2016 sangen die BVB-Fans gemeinsam mit der Mannschaft, Arm in Arm, ihr Lied. Sie sangen es für Fred Hellmann, der kurz zuvor im Stadion nach einem Herzinfarkt gestorben war.

Zu den Nord-West Borussen gehören (oben, v.l.): Karsten Hellmann, Robin Schröder, Dennis Brock, Tommy Voigt, (unten v.l.): Alex Uhle, Luisia Schröder, Janick Schröder.

Heute ist ein schwerer Tag für Karsten Hellmann. Ein Tag, an dem der Schmerz besonders groß ist. Ein Tag, an dem all die Erinnerungen wieder hochkommen. Ein Tag, an dem er seinen Vater sehr vermisst. Genau ein Jahr ist es her, dass der 54-Jährige mit Papa Fred im Signal Iduna Park war. Das letzte Mal. Für immer.

Fred Hellmann hatte am 13. März 2016 einen Herzinfarkt – im Stadion, Block 38, als der BVB gerade gegen Mainz spielte. Sein Sohn saß direkt neben ihm, er konnte ihn nicht retten. Fred starb mit 80 Jahren. Und die Südtribüne schwieg für ihn.

Ganz große Geste

Es gibt so ein paar Spiele, die werden BVB-Fans nie vergessen. Es sind Spiele mit spektakulären Toren, kuriosen Spielverläufen und umstrittenen Platzverweisen. Und es sind Spiele mit ganz großen Gesten.

Das Bundesligaspiel zwischen dem BVB und Mainz 05 am 13. März 2016 ist keines, das fußballerisch besonders glänzend war. Der BVB gewann souverän 2:0. Und doch ist dieses Spiel so eines, an das sich jeder, der dabei war, noch lange erinnern wird. An diesem Tag haben die BVB-Fans, vor allem die auf der Südtribüne, bewiesen, dass sie ihr Herz am rechten Fleck haben, dass sie eine große Familie sind.

Sie haben, als sie erfuhren, dass gerade im Stadion jemand gestorben war, wie selbstverständlich ihre Fahnen eingerollt, sie haben aufgehört zu singen und an den gedacht, der gerade die BVB-Familie verlassen hatte – aus Anteilnahme, aus Respekt. Dieser Mann, dem sie gedachten, war Fred Hellmann.

Es war sein Wunsch

Es ist wohl eine Fügung des Schicksals, dass Fred Hellmann dort starb, wo er starb. Es sei, sagt sein Sohn Karsten, immer der Wunsch seines Vaters gewesen, einen leisen, schnellen Tod zu sterben. Und zwar da, wo sein Herz ist: "Er hat immer gesagt, er möchte gerne bei Borussia sterben", sagt Karsten Hellmann. Er lacht leise, traurig. Es sei, sagt er, kaum zu glauben, dass dieser Tag nun schon ein Jahr her ist. Wo, fragt er stumm, ist denn nur die Zeit geblieben?

Vater und Sohn sind viele Jahre gemeinsam ins Stadion gegangen. Früher standen sie auf der Süd. Aber im Alter konnte Fred Hellmann nicht mehr so gut so lange stehen. Deshalb zogen sie vor vier Jahren um, in die Süd-West-Ecke des Stadions, Block 38, noch immer nah am Herzen des BVB dran.

Einmal kurz hinsetzen

Am 13. März 2016 waren Vater und Sohn – wie immer – im Stadion verabredet. Fred Hellmann lebte in Dortmund, Sohn Karsten mittlerweile in Iserlohn. "Er kam die Treppen herauf, alles war normal", sagt Karsten Hellmann. "Aber er erzählte mir, dass ihm das Treppen steigen heute schwergefallen ist." Deshalb habe sich sein Vater kurz hinsetzen wollen. Als Karsten Hellmann sich das nächste Mal zu ihm umdrehte, bewegte er sich nicht mehr. Er saß zusammengesunken auf seinem Stuhl. "Ich habe ihn auf die Stufen gelegt, sofort reanimiert, bis die Sanitäter kamen", erzählt Karsten Hellmann. Seine Stimme ist rau, der Verlust, die Traurigkeit schwingt in jedem dieser Sätze mit.

Die Sanitäter brachten Fred Hellmann in ihren Raum, Karsten Hellmann wurde betreut, eine Bekannte aus dem Block war bei ihm. Irgendwann bekam Karsten Hellmann die Info, dass sein Vater im Krankenhaus liege, auf der Intensivstation. "Nur, dass das nicht mein Vater war." Es war ein anderer Fan, der im gleichen Block etwas später auch einen Herzinfarkt hatte. Er überlebte. Fred Hellmann nicht.

"Sie hatte eine Vorahnung"

"Es war sehr hart, das alles mit zu erleben", sagt der 54-Jährige. "Zu sehen, wie das Leben aus einem Menschen geht." Als er später mit seiner Mutter sprach, war sie total aufgelöst. "Sie hatte irgendwie eine Vorahnung", sagt Karsten Hellmann. Vielleicht, weil Fred Hellmann Probleme mit der Herzklappe hatte und keine Operation wollte. Karsten Hellmann weiß es nicht. Er weiß nur, dass es seiner Mutter noch sehr schlecht geht, besonders sonntags. Und heute erst recht. "Im Moment kommt alles wieder hoch."

Aber, und so abgedroschen es klingen mag, so wahr ist es in diesem Fall: In jedem Ende liegt ein Anfang. Fred Hellmanns Tod hat sieben BVB-Fans zusammengebracht. Sie haben den Fanclub Nordwest-Borussen gegründet. Karsten Hellmann gehört dazu.

Geld für die Hinterbliebenen

In einer Facebook-Gruppe war nach dem Spiel gegen Mainz die Idee aufgekommen, für die Hinterbliebenen von Fred zu spenden. Tommy Voigt übernahm die Initiative, auch Dennis Brock war einer von denen, die gespendet haben. 1909 Euro waren es. Aber Karsten Hellmann lehnte das Geld ab. Er wollte es nicht, schlug stattdessen vor, das Geld für einen guten Zweck zu spenden. Und weil das alle für eine gute Idee hielten, gaben sie ihre Spende an den kleinen, schwerbehinderten Jungen Felix.

"Und so waren wir geboren", sagt Dennis Brock. Die, die gespendet hatten, entschieden nämlich kurz darauf, einen Fanclub zu gründen. Die Nord-West-Borussen. Die Mitglieder kommen aus ganz Deutschland, kannten sich vorher nur über Facebook. "Wir sind kein normaler Fanclub", sagt Brock. "Es geht uns darum, benachteiligten Menschen zu helfen." Seit der Gründung haben sie etliche Spenden übergeben, zuletzt an ein Kinderhospiz in Düsseldorf. Karsten Hellmann ist sehr froh, dass es diesen Fanclub gibt. "Was entstanden ist, ist sehr schön. Das macht es einem leichter", sagt er. "Es ist schön, anderen zu helfen."

Video in Gedenken an Fred

Dennis Brock hat in Gedenken an Fred Hellmann ein Video erstellt, das gleichzeitig die Geschichte des Fanclubs erzählt. Bei Facebook ist es schon mehr als 31.000 Mal angesehen worden. Die Anteilnahme ist groß.

Für Karsten Hellmann ist heute ein schwerer Tag. Er wird heute viel an seinen Vater denken – und viele andere mit ihn an den Mann, für den die Südtribüne schwieg.

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"You’ll never walk alone" - Du wirst niemals alleine gehen. Nach dem Abpfiff der Partie gegen Mainz 05 am 13. März 2016 sangen die BVB-Fans gemeinsam mit der Mannschaft, Arm in Arm, ihr Lied. Sie sangen es für Fred Hellmann, der kurz zuvor im Stadion nach einem Herzinfarkt gestorben war.

Zu den Nord-West Borussen gehören (oben, v.l.): Karsten Hellmann, Robin Schröder, Dennis Brock, Tommy Voigt, (unten v.l.): Alex Uhle, Luisia Schröder, Janick Schröder.

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