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Große Multimedia-Reportage

Westerfilde - ein Stadtteil am Abgrund

WESTERFILDE Jeder fünfte ist arbeitslos, die Häuser verkommen, die Nachbarschaft ist zerstritten - Westerfilde ist einer der größten Problembezirke Dortmunds. Dabei war er noch vor dreißig Jahren ein beliebtes Wohnviertel. Wie konnte es soweit kommen? In einer großen Multimedia-Reportage spüren wir den Gründen nach. Die Geschichte eines Stadtteils, in dem sich die Probleme Dortmunds wie unter einer Lupe bündeln.

Westerfilde - ein Stadtteil am Abgrund

Leerstand als Willkommensgroß: Am östlichen Ortseingang Westerfildes an der Westerfilder Straße steht seit Jahren eine Tankstelle leer.

Familie Hohmann, Wolke 7, Westerfilde. So fing das damals, 1980, hier an. Vielleicht war es nicht das Paradies, aber es war ziemlich nahe dran. Sie waren jung, sie hatten ihr erstes Kind, sie standen ein Jahr auf der Warteliste, um diese Wohnung zu bekommen. 480 Mark für 79 Quadratmeter. Dass es für diese Wohnungen mal Wartelisten gab, kann man heute nicht glauben, wenn man davor steht. Westerfilde wurde in aller Gründlichkeit aus dem Paradies vertrieben. Besonders zwei Quartiere im Herzen des Stadtteils.Um diese Quartiere geht es:

 

Der Stadtteil geriet in eine extrem steile Abwärtsspirale, bundes- und wirtschaftspolitische Weichenstellungen zerrten ihn auf ein mindestens halb totes Gleis. Der Stadtteil ist innerhalb weniger Jahre eines der ganz großen Sorgenkinder in dem an Sorgen nicht gerade armen Dortmund geworden, die „Süddeutsche Zeitung“ nannte ihn nach der Kommunalwahl Dortmunds „neue Nazi-Hochburg“. Auch Nazis gibt es in Dortmund nicht wenige.

WESTERFILDE Wie hat sich die Bevölkerungszahl Westerfildes entwickelt, was macht die Arbeitslosigkeit, wie viel Platz haben die Westerfilder zum Wohnen? Wir haben die interessantesten Fakten rund um den Stadtteil am nordwestlichen Rand Dortmunds gesammelt.mehr...

Dass Westerfilde noch nicht ganz tot ist, liegt auch an Menschen wie Monika Hohmann, die sich einer negativen Entwicklung entgegenstellen wollen und sich dann in einer übermächtigen Spirale wiederfinden.   Damals also. Die Viterra, ein Immobilienunternehmen der VEBA, baute Hohmanns persönliche Wolke 7. Die Viterra hatte hier viel gebaut, auch die „Neue Heimat“ war hier damals aktiv und in dieser vergangenen Zeit, als Deutschland hier noch Westdeutschland war, galten diese Wohnungen als richtig chic. Die „Neue Heimat“ war ein deutsches Wohnungsunternehmen, ein Großkonzern im Besitz des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Von der „Neuen Heimat“ ist heute nur noch die „Neue-Heimat-Affäre“ in Erinnerung. Dieser Skandal, Vorstandsmitglieder hatten sich persönlich bereichert, hatte Folgen für den Wohnungsmarkt. Nach der Affäre um die Neue Heimat wurde 1989 das Wohngemeinnützigkeitsgesetz gekippt, das bis dahin galt. Viele Wohnungen in Westerfilde unterlagen dieser Wohngemeinnützigkeit.  Der alte Deal: Handfeste Steuervorteile für bezahlbare Wohnungen Der Werkswohnungsbau, Wohnungsgenossenschaften oder etwa kommunale Wohnungseigentümer hatten mit dem Staat einen Deal: Sie verkauften keine Wohnungsbestände, die für mittlere und niedrige Einkommensschichten erbaut worden waren. Und hielten die Mieten bezahlbar. Dafür bekamen die Unternehmen vom Staat handfeste Steuervorteile. Diese Abmachung galt mit der Abschaffung des Wohngemeinnützigkeitsgesetzes ab 1989 nicht mehr. „Einen ganz entscheidenden Schritt für die weitere Entwicklung“, nennt das Dr. Tobias Scholz vom Dortmunder Mieterverein. Auch wenn sich das damals noch nicht zeigte. Der Wegfall der Wohngemeinnützigkeit wird heute meistens mit der „Neuen Heimat“ verbunden – was nicht ganz richtig ist, für die meisten Wohnungsbaugesellschaften war der Skandal eine wunderbare Gelegenheit, die ganze Idee der Gemeinnützigkeit zu diskreditieren. Werkswohnungen brauchte etwa die Viterra aufgrund des industriellen Wandels immer weniger, die Renditen aus diesen Objekten waren übersichtlich. Jetzt konnten sie gehandelt und damit deutlich mehr Geld verdient werden.Das große Fressen beginnt   Das große Fressen begann sehr verhalten. Die Vorspeisen waren klein, die Mieter merkten nicht, dass sie auf der Karte standen: Die ersten Verkäufe von größeren Wohnungsbeständen auch in Westerfilde begannen in den 90er-Jahren, private Unternehmen traten auf den Markt und erwarben erste Komplexe.

So sah das alte Westerfilde aus

Fanfarenzug am 1.Mai, Westerfilder Straße.
Die Gaststätte »Westerfilder Hof« im Jahr 1919.
Die Westerfilder Straße im Jahr 1956.
Bauarbeiten im Jahre 1912 - Badeanstalt Westerfilde.
Eine alte Postkarte, Datum unbekannt.
Westerfilderstraße, Ecke Luftschacht in den 30. Jahren. Heute Westerfilderstraße, Kreuzung Luftschacht, Westerfilderstraße, Speckesstraße.
Das Doppelhaus Nr.60 und 62 an der Westerfilderstraße, rechte Seite früher Lebensmittel und Obstgeschäft Dieter Wille, linke Seite Lebensmille Heinz Prinz, heute Sonnenstudio und Altenhilfe.  Foto etwa  1975
Die beiden Brüder Willi und Herbert Ficht aus der früheren Emilstraße 10, beide waren gelernte Bergleute der Zeche Westhausen. Herbert Ficht war 1943 als Soldat in Urlaub.
Eines der ältesten Lebensmittelgeschäfte in den 30. Jahren in Westerfilde zum Laufschacht, (Ruhland), Privatbesitz Wilie.
Schreinerei und Möbelgeschäft Heinrichs an der früheren Bismarkstrasse, Familie Heinrichs mit Familie in den  20.Jahren.
Kinder aus der früheren Paulstraße und Emilstraße, im Hintergrund die Häuser der rechten Paulstraße, einer der ersten Häuser in Westerfilde erbaut; um 1878 abgerissen in den 70. Jahren. Foto um 1950.
Der Coop an der Westerfildestraße 68 in den 60. Jahren, heute die Gaststätte Hansa Eck.
Die Westerfilderstraße in den 20. Jahren.  Blick vom Osten, im Hintergrund die Einmündung zur Karlstraße, heute Luftschacht.
Eine der ältesten Fotoaufnahmen aus Westerfilde. Die frühere Bismarkstraße von Osten aus gesehen, heute Westfilderstraße.
Die Westerfilder Straße, Datum unbekannt.
Junge Mutter im Jahre 1937 im Garten der Familie Schäfer mit Tochter in der Emilstraße Ecke Westerfilderstraße.
Arbeiterwohnhäuser in der Emilstraße. Heute Kiepeweg.
Das frühere Schumer-Haus an der Ecke Westerfilder Straße/Mosselde. Erbaut 1906 als Schankwirtschaft, heute Gardinen Petter.
Alte Postkarte, Datum unbekannt.
Das frühere Freibad in Westerfilde an der Westerfilderstraße auf dem 1m Sprungbrett der Bademeister Langhals, das Freibad wurde in den 20. Jahren mit freiwilligen Westerfildern gebaut, 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört.
An der Westerfilderstraße 25 hatte der Lebensmittelhändler August Prinz eine Filiale eröffnet. Nebenan war die Spar- und Darlehnskasse. Danach Schuhgeschäft. Bild aus den 60er Jahren.
Badeanstalt Westerfilde. Badebetrieb im Jahre 1934.
Haus Wille, bekannt als Gemüsehändler, frühere Karlstrasse. Heute Luftschacht 4. Bild aus dem Jahr 1923 während der französischen Besatzung, was man auch an der französischen Hausnummer sieht. Auf dem Bild zu sehen sind die Familie Ernst Wille und weitere Hausbewohner.

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