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Pflegestärkungsgesetz

Caritasberaterin berichtet über Wohl und Wehe der Reform

HEEK Wenn am 1. Januar die Reform des "Pflegestärkungsgesetzes" in Kraft tritt, betrifft das nicht nur die Pflege alter Menschen, sondern auch die Betreuung von Kindern mit Behinderung. Der "Gesprächskreis Eltern behinderter Kinder" in Heek hat darum die Pflegeberaterin Ursula Damm von der Caritas zu einem Vortrag eingeladen. Fazit: Es bleibt kompliziert.

Caritasberaterin berichtet über Wohl und Wehe der Reform

In Schaubildern versuchte Ursula Damm von der Caritas, beim Gesprächskreis Eltern behinderter Kinder die komplizierte Pflegereform vereinfacht darzustellen.

Schon das Vokabular ist sehr gewöhnungsbedürftig: eingeschränkte Alltagskompetenz, Besitzstandsschutz, Begutachtungsrichtlinie, Entlastungsbetrag, "Items" - Ursula Damm hat in diesen Tagen "richtig gut zu tun", wie sie sagt. Die Pflegeberaterin von der Ahauser Caritas muss wieder und wieder erklären, was sie an diesem Vormittag auch einer Gruppe Frauen aus dem "Gesprächskreis Eltern behinderter Kinder" im Heeker Kreuzzentrum beibringen will: Die Änderungen, die mit dem Inkrafttreten der zweiten Stufe des sogenannten "Pflegestärkungsgesetzes" auf sie zukommen. Dabei ist allerdings auch die erfahrene Pflegeberaterin mitunter ratlos, wie sich zeigt.

Beispiel: Die eigentlich "gute Überleitung" von den bisher drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade. Warum ausgerechnet jene Betroffenen, die Pflegestufe 3 zugeordnet waren, beim Wechsel in den Pflegegrad 4 kein höheres Pflegegeld bekommen - im Gegensatz zu allen anderen? Damm breitet die Arme aus, hebt die Schultern. "Es ist mysteriös", sagt sie. "Wir wissen es nicht." Petra Schlichtmann ist fassungslos. "Das muss ja bald ein Tippfehler sein", überlegt die Mutter eines behinderten Kindes. Damm schüttelt den Kopf.

Anders beim sogenannten "doppelten Stufensprung" für die Pflegebedürftigen, die eine "eingeschränkte Alltagskompetenz" attestiert bekommen. Aus Pflegestufe 3+ wird Pflegegrad 5, das bedeutet künftig rund 200 Euro mehr. "Und sie müssen nix machen", sagt Ursula Damm. "Das glauben die Leute immer gar nicht." Sie betreue 115 Kinder und Jugendliche im Kreis, "davon sind zehn bis 20 Prozent in Pflegestufe 3+."

Neuer Pflegebegriff

Der Pflegebegriff werde durch das Gesetz neu definiert, erklärt Damm. Bislang seien körperliche Defizite im Fokus gewesen, nun kommen sehr differenziert auch geistige und kommunikative hinzu. Wurde bislang nach Zeitaufwand in der Pflege eingestuft und abgerechnet, geht es im neuen Gesetz um die Frage nach dem Maß an Selbstständigkeit, mit dem die Gepflegten etwas jeweils selbst (noch) tun können - und zwar nicht allein bezogen auf rein körperlich-pflegerische Aktivitäten. Auch das Bedürfnis nach Teilhabe am sozialen Leben soll künftig berücksichtigt werden.

Positiv auch: Niemand werde ab Januar schlechter gestellt als bislang, betont Damm. Im Gesetz wurde ein "Besitzstandsschutz" verankert. Ob der in allen Fällen und bei allen Krankenkassen gleichsam unbefristet gelte, sei noch nicht ganz klar, meint Damm. "Ich sage mal, für mindestens zwei Jahre." Und sie betont: Wer noch 2016 einen Antrag auf Pflegeleistungen stellt, kommt in den Genuss dieser "guten Überleitung" - "auch wenn der Gutachter erst im Januar 2017 kommt".

Soweit so gut. Erschrocken reagieren aber alle im Raum auf die Nachricht, dass das sogenannte "Betreuungs-" oder "Entlastungsgeld" einheitlich für alle Pflegegrade auf 125 Euro festgeschrieben wird. Bislang gab es bis zu 208 Euro -je nach Pflegestufe. Geld, das oft dann gebraucht wird, wenn die Kinder Ferien haben und anderweitig betreut werden müssen. "Vier Stunden kriegt man dafür", seufzt eine Mutter. Warum es ausgerechnet hier so wenig von den Gesetzgebern gibt? "Vielleicht haben sie es vergessen", überlegt Damm. "Oder sie haben nicht darüber nachgedacht."

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