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Ehrenamt in Kirchhellen

Aus dem Alltag einer Sterbebegleiterin

Kirchhellen Die Ambulante Hospizgruppe ist auf der Suche nach Verstärkung fürs Ehrenamt-Team. Im Interview hat uns Sterbebegleiterin Ingeborg Busch erklärt, was genau eigentlich hinter diesem Begriffs steckt.

Aus dem Alltag einer Sterbebegleiterin

Ingeborg Busch ist Sterbebegleiterin. Sie betreut einen Menschen in Kirchhellen. Foto: Rademacher

Der November wird oft als Trauermonat bezeichnet – vor allem wegen Feiertagen wie Allerheiligen oder Totensonntag. Für Ingeborg Busch ist Trauer, Tod und Sterben das ganze Jahr über ein Thema. Sie ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin und betreut zurzeit eine Seniorin in Kirchhellen. Warum dieses Ehrenamt manchmal schwer sein kann, es aber auch „sehr spannend“ ist, hat sie uns in einem Interview verraten.


Wenn ich mir eine Sterbebegleiterin vorstelle, dann sehe ich eine Frau vor mir, die am Bett eines sterbenden Menschen sitzt, ihm die Hand hält und bei ihm bleibt, bis er stirbt. Wie viel hat dieses Bild mit Ihrer Wirklichkeit als Sterbebegleiterin zu tun?

So etwas kommt natürlich vor. Aber: Die Dauer solcher Begleitungen ist sehr unterschiedlich. Es gibt durchaus auch langfristige Begleitungen über Jahre – man kann ja nicht immer voraussagen, wie sich die Situation entwickelt. Die meisten Begleitungen sind allerdings sehr kurz. Und das, was Sie beschrieben haben, dass man am Bett sitzt und die Hand hält, kommt durchaus häufig vor. Viele Menschen reagieren positiv auf Berührung. Natürlich muss man individuell schauen, was der Betroffene als angenehm und gut empfindet. Je nachdem, wie der Zustand ist, kann man dann auch noch Gespräche führen. Und ich arbeite oft auch mit Musik oder lese etwas vor. Das kommt immer ganz auf die Menschen an.

Sterbebegleitung ist also eher der Überbegriff für Arten von Betreuungen, die sehr unterschiedlich sein können, richtig?

Ja genau. Das ist ein Überbegriff für ganz viele unterschiedliche Dinge. Bei vielen Begleitungen ist es auch so, dass es auch darum geht, die Angehörigen ein bisschen zu entlasten. Sie brauchen einfach mal eine Pause zwischendurch. Um einkaufen gehen zu können oder andere Dinge zu erledigen. Natürlich geht es bei unserer Arbeit in erster Linie um die Patienten. Aber auch den Angehörigen wollen wir helfen und sind für sie da.

Wie genau sieht denn Ihre aktuelle Begleitung aus?

Zunächst einmal: Wir müssen zusichern, dass wir Verschwiegenheit wahren und das nehmen wir sehr ernst. Der Mensch darf nicht identifizierbar sein, wenn ich jetzt über ihn spreche. Aber es ist so, dass ich regelmäßig eine Seniorin aus Kirchhellen besuche. Ich begrüße sie dann erst mal und schaue, wie es ihr aktuell geht. Dann gucke ich: Kann ich heute zum Beispiel eine Geschichte vorlesen? Oder ist Musik angebracht? Wie sind die Reaktionen darauf? Wenn sich jemand noch äußern kann, ist das einfach. Aber wenn sich jemand nicht äußern kann, dann kann es schon mal schwierig werden zu erkennen, was dem Menschen jetzt guttut, was ihm gefällt. Ich schaue dann, ob sich der Gesichtsausdruck verändert oder sich der Körper verkrampft beziehungsweise entspannt.

Welche Menschen haben den Anspruch auf Sterbebegleitung?

Wenn jemand – oder die Angehörigen dieser Person – das Bedürfnis nach Begleitung äußert, wenden sie sich an unsere Koordinatorinnen. Die treffen sich dann mit den Betroffenen und schauen sich die Situation vor Ort an. Sie suchen dann jemanden aus dem Team aus, der passt. Ich bin jetzt nicht mehr berufstätig. Aber viele von uns – und wir machen das ja außer den Koordinatorinnen ehrenamtlich – müssen eine Begleitung mit ihrem Beruf vereinbaren. Es muss also geschaut werden, wer zeitlich zu dem Patienten passt. Und vom Typ, von der Person her, muss es ja auch passen. Ein Arzt muss die Begleitung nicht verordnen. Außerdem sind alle Leistungen kostenlos – das ist auch noch ganz wichtig zu sagen.

Sie sagten gerade, dass Sie die Aufgabe ehrenamtlich übernommen haben. Wieso haben Sie sich gerade für dieses Ehrenamt entschieden?

Ich war früher Lehrerin. Nach der Pensionierung wollte ich aber auf jeden Fall weiter etwas tun. Aber etwas, das ich vorher noch nie getan habe. Als dann von der Ambulanten Hospizgruppe wieder ein Vorbereitungskurs angeboten wurde, habe ich mich informiert und entschieden, mitzuarbeiten.

Aber eigentlich ist es bei Sterben, Trauer und Hospiz ja nicht so, dass jetzt viele sagen: Jau, da helfe ich mit...

Ja, das stimmt. Es gibt sicherlich viele Menschen, die da unterschiedliche Zugänge zu haben.

Was hat Sie persönlich denn überzeugt?

Ich fand die Informationen und die Bedingungen sehr ansprechend. Der Kurs, der angeboten wurde, hat mich sehr interessiert. Und ich habe gedacht: Wenn ich merke, es geht nicht, ich kann das nicht, dann muss ich auch nicht. Es ist ja jetzt nicht so, dass man sich damit für alle Zeit festlegt. Wenn man merkt, dass einem das nicht bekommt, dann kann man auch aufhören. Wichtig war für mich auch, dass man keinen festen Stundenplan hat und selbstständig seine Termine organisiert – je nachdem, was man persönlich leisten will oder kann.

Es ist ja auch nicht so, dass man als ehrenamtlicher Sterbebegleiter völlig unvorbereitet in Begleitungen geschickt wird. Es gibt sogenannte Befähigungskurse, die die Hospizgruppe veranstaltet. Was ist Inhalt dieser Kurse?


Da geht es zum einen darum, eine eigene Einstellung oder Haltung zu dem Thema zu entwickeln. Das ist ein ganz zentraler Teil der Ausbildung. Außerdem gibt es praktische Beispiele: Wie verhalte ich mich in einer bestimmten Situation richtig? Wie führe ich ein Gespräch? Dabei ist auch entscheidend, ganz unterschiedliche Einstellungen und Lebensentwürfe zu akzeptieren und nicht die eigenen Vorstellungen mit einzubringen, keine Wertungen auszusprechen. Das wird in den Kursen zum Beispiel vorbereitet und trainiert.

Diese Kurse sind eine Vorbereitung und gehen über einen bestimmten Zeitraum. Und dann? Werden Sie als aktive Sterbebegleiterin auch noch weiter begleitet?

Ja – und das ist ganz wichtig. Es gibt regelmäßig Supervisionen. Wir haben drei Seelsorger, die das machen. Außerdem gibt es Fortbildungen. Es ist also wesentlich, dass man sich weiterentwickelt und die neusten Erkenntnisse mitbekommt. In den Supervisionen werden die einzelnen Fälle in der Gruppe vorgestellt und besprochen. Das ist der Raum, wo man so etwas machen kann. Das ist wirklich sehr nützlich, weil man eben erfährt, wie groß die Bandbreite ist – was möglich ist, was gemacht wird. So kann man von den Erfahrungen der anderen profitieren. Gerade am Anfang ist das wichtig, weil man ja selber noch gar keine Erfahrungen hat. Wir können, wenn es nötig ist, auch Einzelgespräche mit den Seelsorgern haben. Man ist nicht alleingelassen – das ist das Entscheidende.

Weil die Situationen einen doch schon auch persönlich belasten können, oder?

Ja, sicherlich. Manches ist schon sehr schwierig. Aber es ist etwas anderes, als wenn man selbst Angehöriger des Sterbenden ist. Die Distanz ist eine ganz andere. Und durch diese gewisse Distanz hat man manchmal die Situation ein bisschen besser im Blick, weil man emotional nicht so eingebunden ist. So kann man in manchen Situationen besser helfen.

Was gibt Ihnen das Ehrenamt?

Es gibt mir natürlich eine Menge – sonst würde man es wahrscheinlich nicht machen. Es ist eine spannende Arbeit – die Situationen sind immer anders. Man begegnet vielen Menschen. Und man hat das Gefühl, es hilft, was man macht. Es ist eine sinnvolle Tätigkeit.

Die Hospizgruppe sucht immer weiter nach Ehrenamtlichen. Was müssen Interessierte mitbringen?

Man muss schon ein bisschen Zeit mitbringen – auch wenn wir da recht flexibel sind. Dann braucht man Interesse für Menschen und muss bereit sein, sich mit den Themen Sterben, Sterbeprozess, Trauer auseinanderzusetzen. Und man muss eben auch zu Empathie fähig sein. Das sind die wesentlichen Voraussetzungen. Weil die Begleitungen an sich so unterschiedlich sein können, ist es auch ganz wichtig, dass die Sterbebegleiter aus unterschiedlichen Bereichen kommen, unterschiedliche Interessen haben.

Was würden Sie einem Neuling, der gerade vor seiner ersten Begleitung steht, mit auf den Weg geben?

Ein Tipp wäre, dass er sich immer Hilfe holen kann und alles besprechen kann, wenn er Probleme hat. Die Supervisoren oder Koordinatorinnen haben immer ein offenes Ohr. Und ansonsten muss man viel einfach auf sich zukommen lassen und davon ausgehen, dass das, was man macht, nicht ganz falsch sein kann. Das hoffe ich zumindest.

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