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Kind kam schwer krank auf die Welt

Frühchen Ayaat aus Legden kämpft sich ins Leben

Legden „Entweder Ihr Kind stirbt noch im Mutterleib oder bei der Geburt“ – es war diese Nachricht, die das Leben von Patricia und Achmed Hamoui völlig veränderte. Doch ihre Tochter zeigte Kämpferherz.

Frühchen Ayaat aus Legden kämpft sich ins Leben

Cigdem spielt gerne mit Ayaat. „Sie ist wie eine zweite Mutter“, sagt Patricia Hamoui lächelnd über ihre älteste Tocher. (2) von Wangenheim Foto: Ronny von Wangenheim

Ayaats Herz ist ein besonderes. Es schlägt in der rechten Körperseite. Und auch andere Organe sind nicht da, wo sie bei anderen Menschen liegen. 19 Monate ist sie jetzt alt. Ihre Eltern wissen, dass sie nie ein normales Leben führen wird. Am Freitag, dem Weltfrühgeborenentag, erzählen Patricia und Ahmad Hamoui ihre Geschichte. Das fällt ihnen nicht leicht, weil viele Erinnerungen hochkommen. Aber es ist ihnen wichtig. „Wir wollen, dass andere Eltern wissen, man kann das schaffen“, sagt Ahmad Hamoui, „man darf den Glauben nicht aufgeben.“

„Es tat einfach weh“

In der 36. Schwangerschaftswoche kam Ayaat zur Welt. Es ging ganz schnell. Sie war winzig, wog 1690 Gramm. Ahmad Hamoui erinnert sich: „Sie guckte mich mit ihren großen Augen an. Es tat einfach weh. Fünf Minuten hatte ich das Gefühl, dass ich sie zum letzten Mal sehe.“ Dann übernahmen die Ärzte. Hypoplastisches Linksherz-Syndrom (HLHS) war nur eine von vielen Diagnosen.

Zwei schwere Operationen hat Ayaat in ihrem ersten Lebensjahr gemeistert. Sie lacht fröhlich, freut sich, wenn ihre Schwester Cigdem mit ihr spielt. Vieles ist normaler geworden. Die fünf Geschwister, zwischen vier und zwölf Jahre alt, so erzählt Patricia Hamoui, behandeln ihre kleine Schwester, als ob sie gesund wäre. Das stimmt natürlich nicht. Ayaats Entwicklung ist stark verzögert. Deshalb bekommt sie Frühförderung und Physiotherapie. Sie krabbelt und läuft nicht. Gerade erst fängt sie langsam an selbst zu essen. Die meiste Nahrung kommt über eine Magensonde. Dreimal am Tag, jedes mal eine 40-minütige Prozedur.

Die Arbeit für die Kinder aufgegeben

Es ist ein Vollzeit-Job, zumal auch die anderen fünf Kinder nicht zu kurz kommen sollen. Der 30-jährige Legdener hat deshalb seine Arbeit aufgegeben. Auch die zweite Fußball-Mannschaft des SuS Legden muss seitdem auf ihn verzichten.

Wenn man dem Ehepaar zuhört, kann man ahnen, dass sie sich oft wie in einem Albtraum gefühlt haben müssen. Es gab Zeiten in der Schwangerschaft, da hat sich Patricia Hamoui verkrochen, fühlte sich ohnmächtig, wie in einem schwarzen Loch. Ahmad ist irgendwann nicht mehr ins Krankenhaus gefahren, wollte sein Herz nicht an das kleine Wesen binden. Und hatte es schon längst verloren an Ayaat. Den Namen haben sie ganz bewusst gewählt. Ayaat, das sind die Verse im Koran, das verweist auf die Zeichen Gottes.

Jeden Tag Stunden am Krankenbett

Sie haben gekämpft in den Kliniken in Coesfeld und Bad Oeynhausen. Sie haben täglich viele Stunden am Krankenbett gesessen, vor sich ihre verkabelte Tochter, von Monitoren bewacht, das Piepsen der Geräte gab den Lebenstakt vor. „Wir haben gemerkt, sie will leben“, erinnert sich Patricia Hamoui. „Sie ist eine Kämpferin.“

Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. „Die Angst ist jeden Tag da“, sagt die 32-Jährige. Als die größte Gefahr gebannt war und Ayaat vor knapp einem Jahr nach Hause kam, wurden beide Eltern nacheinander krank. „Das ist oft so“, sagt Annerieke Diepholz. Die Psychologin vom Verein Bunter Kreis Münsterland hat die Familie eine Zeit lang begleitet. „Man vernachlässigt sich selber extrem. Da fängt unsere Beratung an.“

Hilfsnetzwerk aufgebaut

Eine Psychologin? Die Hamouis wussten anfangs nicht viel mit dem Angebot des Vereins anzufangen, der auch schon für die erste Nachsorge und Aufbau eines Hilfsnetzwerks eine Krankenschwester nach Legden schickte. Jetzt sind sie dankbar: „Wir wären heute nicht hier“, sagt Patricia Hamoui.

Irgendwann werden sie Ayaat erzählen müssen, dass sie ein besonderes Kind ist, dass sie nie ganz gesund sein wird. Dass bis sie sechs Jahre alt wird, eine dritte große Operation notwendig sein wird. Doch das ist die Zukunft. Jetzt zählt erst mal das Heute. Und heute geht es Ayaat gut.

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