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Vor der Verabschiedung

Berufskollegs-Leiter Arno Franke im Interview

Lünen Über 37 Jahre ist er Lehrer am Lippe Berufskolleg (LBK) und seit 14 Jahren dessen Leiter. Am Freitag wird Arno Franke in Richtung Ruhestand verabschiedet. Mit 200 Gästen und „einer Wundertüte“. Vor der großen Verabschiedung haben wir mit ihm gesprochen.

Berufskollegs-Leiter Arno Franke im Interview

Symbole des bevorstehenden Abschieds: Arno Franke mit der Einladung zu seiner Verabschiedung und der letzten Info-Broschüre des Berufskollegs, die unter seiner Verantwortung erschienen ist. Foto: Peter Fiedler

Was Arno Franke in den 37 Jahren antrieb, was ihn mit dem Beruf und der Schule verbindet und welche Pläne er für den Ruhestand hat, darüber sprach der scheidende Schulleiter mit Redakteur Peter Fiedler.

Wie ist die Gefühlslage kurz vor der Abschiedsfeier?

Nicht so besonders. Ich hänge nun mal an der Schule. Sie ist mein Lebenswerk. Und ich bin ein Lüner Junge. Es gab zwar manche Verlockungen, aber ich wäre niemals aus Lünen weggegangen.

War Lehrer Ihr Traumberuf?

Nicht von Anfang an. Ich wollte zunächst Polizeioffizier werden, war ja auch zwei Jahre beim Bundesgrenzschutz. Zum Lehramts-Studium mit Schwerpunkt Wirtschaft bin ich ein bisschen durch meinen engen Freund Michael Meier (dem späteren Manager des BVB, Anm. d. Red.) gekommen, der damals in Köln studierte. Außerdem war ich Fußballtrainer. Es hat Spaß gemacht, mit Jugendlichen zu arbeiten. Heute kann ich sagen: Ich war gerne Pauker, es war genau das Richtige für mich.

Haben Sie noch Erinnerungen an Ihren ersten Tag am LBK?

Ich unterrichtete in einer Fachklasse für Friseurinnen und Friseure. Eine Schülerin fragte, ob ich ein Tampon oder eine Binde hätte. Hatte ich nicht. Hinterher erfuhr ich, dass es im Erste-Hilfe-Kasten immer einen Vorrat für solche Fälle gab.

Es folgten 37 Jahre am LBK, die sie bis an die Spitze führten. Was war Ihnen besonders wichtig?

Dass wir uns als ein Dienstleister verstehen für die Unternehmen, deren Auszubildende bei uns unterrichtet werden. Dass die Schule baulich und von der Ausstattung her auf dem aktuellen Stand ist. Dass wir den Schwächeren helfen. Das war immer mein besonderer Schwerpunkt.

Haben Sie die Ziele erreichen können?

Ich denke schon. Wir haben die Qualitätsanalyse mit einem vorbildlichen Ergebnis abgeschlossen. Die Schule ist komplett saniert worden und hat 2012 einen Erweiterungsbau für 4,5 Millionen Euro erhalten. Die Turnhalle wird 2019 für circa zwei Millionen Euro saniert.

Wir haben einen hohen Stand bei der Digitalisierung. Und wir unternehmen jede Menge Anstrengungen, schwächere Schüler ausbildungsreif zu machen. Für unsere circa 150 Flüchtlinge haben wir zum Beispiel eigene Klassen gebildet.

Wie führt man eine Schule mit über 2200 Schülern, fast 130 Lehrern und 40 verschiedenen Bildungsgängen?

Führung funktioniert nur über viel Kommunikation. Am Anfang musste ich noch Dienstanweisungen geben. Heute kommen die Ideen aus dem Kollegium.

Die Kollegen machen jetzt selbst Schulentwicklung. Ich habe ein tolles Kollegium und darauf bin ich sehr stolz.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Woran denken Sie nicht so gerne zurück?

An das Jahr 2000, als der damalige Schulleiter vom Dienst suspendiert wurde und ich drei Jahre lang kommissarischer Schulleiter und Stellvertreter in einer Person war. Das war meine schwierigste Zeit am LBK.

Sie haben viele Jahre Fußball gespielt. Die Einladung zu Ihrer Verabschiedung steckt voller Fußball-Metaphern. Wer hat sich das ausgedacht?

Es gibt ein Vorbereitungsteam. Ich weiß so gut wie gar nichts, außer, dass ich mich schon Donnerstag nicht mehr in der Schule blicken lassen soll. Das ganze Programm ist eine Wundertüte für mich.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Ich werde erstmal mit meiner Frau abtauchen und Abstand gewinnen. Danach kann ich mir natürlich ehrenamtliches Engagement vorstellen. Ein paar Anfragen sind schon da.

Das Lippe Berufskolleg wird vom Kreis Unna getragen und ist die zweitgrößte Schule im Kreis. Schwerpunkte der Bildungsangebote sind Wirtschaft, Verwaltung, Gesundheit, Soziales, Ernährung und Versorgungsmanagement. Arno Franke wurde 1995 zum stellvertretenden und 2003 zum Schulleiter berufen. Die Schule ging unter seiner Führung zahlreiche Kooperationen ein und initiierte Projekte an der Schnittstelle von Schule und Wirtschaft. Der Verein Pro Lünen zeichnete Arno Franke 2012 als „Lüner Kopf“ aus. Letzter Arbeitstag des 65-Jährigen ist der 31. Januar 2018. Aus terminlichen Gründen findet die Verabschiedung schon jetzt statt. Wer Nachfolger/Nachfolgerin wird, ist noch nicht bekannt. Die Entscheidung trifft die Bezirksregierung Arnsberg. Franke ist verheiratet und hat einen Sohn. Seine Hobbys sind Fußball, Tennis und Joggen.

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