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Trendberuf Erzieher

Immer mehr Männer arbeiten in Lüner Kitas

Lünen Die Zeiten in denen in Kindertageseinrichtungen (Kitas) nur Erzieherinnen tätig waren sind vorbei. Bundesweit ergreifen immer mehr Männer den Beruf. Für diesen Trend steht stellvertretend in Lünen die Kita Kinderhaus. Ein Besuch vor Ort.

Immer mehr Männer arbeiten in Lüner Kitas

Männer-Trio in der Kita Kinderhaus: (v.l.) Patrick Pilling, Moritz Rehkopp und Sven Renka sind auf unterschiedliche Art und Weise zu einem Beruf gekommen,in dem Männer immer noch in der Unterzahl sind. Foto: Foto: Fabian Paffendorf

Seit einigen Wochen ist das Team der Kita Kinderhaus in Alstedde um zwei neue männliche Erzieher reicher. In der Kindertageseinrichtung, deren Träger eine Elterninitiative ist, sind nun drei der zwölf pädagogischen Fachkräfte Männer.

„Es hat aber nichts damit zu tun, dass wir eine Männerquote erfüllen wollten“, sagt Einrichtungsleiterin Christine Merten. Schließlich habe man seit Bestehen des Kinderhauses auch immer schon Praktikumsplätze für Jungs angeboten. Viel mehr sei es so, dass nach ganz anderen Kriterien ausgewählt wurde. „Wir haben einfach Leute gesucht, die zu uns passen und beim Probearbeiten überzeugt haben“, so Merten.

Zahlen 2016
Wie aus Daten des Statischen Bundesamtes (Wiesaden) hervorgeht, waren 2016 in Deutschland 30.500 Männer unmittelbar in der Betreuung von Kindern beschäftigt. Das entsprach zwar nur einem Anteil von 5,2 Prozent an allen Betreuern. Aber der Anteil war doch weitaus höher als noch fünf Jahre (2011) zuvor, als in den Einrichtungen gerade mal 16.700 männliche Betreuer arbeiteten. Damals lag er bei 3,6 Prozent. In Nordrhein-Westfalen lag der Anteil 2016 bei 4,2 Prozent, im Stadtstaat Hamburg bei rund 11 Prozent.

Gute Voraussetzungen

Zurück ins Kinderhaus: Bereits 2007 stieß Seven Renka zum Kita-Team, das damalig noch eine reine Frauentruppe war. Der heute 44-Jährige hatte eine Vielzahl guter Voraussetzungen mitgebracht, als er sich auf die Stelle bewarb. Vom Zivildienstleistenden in einer Einrichtung für psychisch Erkrankte, über die Ausbildung zum Jugend- und Heilerziehungspfleger ging sein beruflicher Werdegang bereits, bevor er dann Pädagogik studierte. „Eigentlich wollte ich damals Lehrer werden, habe, um das Studium und meine Familie zu finanzieren, als Erzieher gearbeitet.“ Für den Vater von drei Kindern ging’s aber nicht hinters Lehrerpult, sondern ins Kinderhaus, wo er 2010 festes Team-Mitglied wurde.

„Eigene Kinder zu haben, ist natürlich ein großer Vorteil bei dem Job, weil man so viel eher weiß, wie man auf die Kleinen zugehen muss – das gilt aber für Frauen sowie für Männer“, sagt Sven Renka. Sven Renka kam, überzeugte mit seiner Arbeit und blieb fortan der Hahn im Korb des Kita-Teams. „Als bis dahin einziger Mann unter Frauen hat er sich bei uns richtig wohl gefühlt“, so Christine Merten. Die guten Erfahrungen mit Sven Renka hatten dann auch eine Rolle dabei gespielt, als das Team der Kita im Zuge einer Erweiterung im August dieses Jahres auf der Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen war.

Team ausgebaut

70 Kinder, statt bis dato 45 sollten betreut werden. Für eine eigene U3-Betreuung kam die Kita-Außenstelle an der Altstadtstraße dazu. Drei pädagogische Fachkräfte aus dem Team wechseln seither regelmäßig zwischen den beiden Standorten. Eine Mehrbelastung, die mit der personellen Erweiterung einherging. Einer der beiden jungen Männer, die sich auf eine der neu ausgeschriebenen Stellen bewarben, war beinahe schon ein alter Bekannter im Kinderhaus, wie Christine Merten sagt. Die Rede ist von Moritz Rehkopp, der bereits als Praktikant und später dann in seinem Anerkennungsjahr als Erzieher in der Alstedder Kita tätig war.

Der 23-Jährige ist kein Quereinsteiger in den Beruf, sondern hat eine klassische Laufbahn zum Erzieher hinter sich gebracht. „Beim Berufsinformationstag im Hansesaal hatte ich mich über das Berufsbild informiert und dann für mich entschieden, dass es der richtige Weg ist“, sagt Moritz Rehkopp. Nach seiner zweijährigen Ausbildung zum Kinderpfleger am Lippe-Berufskolleg, absolvierte er drei Jahre die Ausbildung zum Erzieher. „Bei Freunden und Familie war das nie ein Thema, alle finden das cool, dass ich als Mann Erzieher bin“, sagt Moritz Rehkopp.

Zusammen mit ihm ist auch Patrick Pilling ins Kinderhaus-Team aufgenommen worden. Für den 35-Jährigen war lange Zeit nicht klar, in welche berufliche Richtung es nun gehen sollte.„Ich habe im Gartenbau gearbeitet, bei Maggi in einer Fabrik und die Schulbank an der Höheren Handelsschule gedrückt. Das war alles nie wirklich meins“, sagt Patrick Pilling.

Quereinstieg in den Job

2008 wurde er arbeitslos und kam als 1-Euro-Kraft zur Offenen Ganztagsschule. „Dort habe ich dann davon gehört, dass Männer gute Berufschancen hätten mit einer Erzieherausbildung. Und da mir die Arbeit imn der OGS Spaß gemacht hat, habe ich mich um eine berufsbegleitende Ausbildung beworben“, sagt Pilling. Die Reaktionen darauf seien recht unterschiedlich ausgefallen. „Die einen verbinden damit immer noch einen klassischen Frauenberuf, andere meinten, dass die Verdienstmöglichkeiten einfach nicht gut genug wären“. Aber Patrick Pilling ließ sich nicht beirren. „Der Beruf macht wirklich viel Spaß. Einzig zu den ganz kleinen Kindern einen Kontakt aufzubauen, ist manchmal etwas schwierig. Die ticken ja auch ganz anders als die Großen.“ Patrick Pillings Werdegang ist exemplarisch für einen Quereinsteiger in den Erzieherberuf.

In mehreren Bundesländern hat man bereits auf den Fachkräftemangel reagiert und versucht, den Jobeinstieg finanziell für Quereinsteiger und speziell für Männer attraktiver zu machen.

Begeisterte Eltern

Dass Männer im Kita-Team anders ticken, als Frauen, denken die Eltern der Kinderhaus-Kids aber nicht, wie Einrichtungsleiterin Merten versichert. „Die Eltern waren alle begeistert davon. Bei den Aufgaben, die in der Kita anfallen, wird kein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht. „Die Männer sind nicht nur zum Fußballspielen hier, sondern müssen auch wickeln“, so Merten. Auch seien die Männer ganz besonders bei den Mädchen beliebte Spielpartner und Vertrauenspersonen.

Noch ein Beispiel:
In der Kita "Lummerland" der Arbeiterwohlfahrt in Gahmen sind nach Auskunft von Leiterin Anja Ahlert von acht pädagogischen Mitarbeitern seit ein paar Jahren drei Männer.

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