Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

„Sicherheits-Dialog“ für Stadtteil

LKW, Falschparker: Was Bürger in Brambauer nervt

Lünen Etwa 40 Teilnehmer kamen Dienstagabend zum „Sicherheits-Dialog“ ins Bürgerhaus Brambauer. Die Bürger berichteten, was sie stört im Stadtteil. Kriminalität war nicht das Thema Nummer eins.

LKW, Falschparker: Was Bürger in Brambauer nervt

Ein parkendes Auto blockiert den Radweg auf der Waltroper Straße. Das ist eines von mehreren Verkehrsproblemen im Stadtteil. Foto: Foto: Fröhling

„Schwerlastwagen brettern trotz Verbots regelmäßig über die Waltroper Straße. Außerdem weisen die Hinweisschilder aus Richtung Waltrop viel zu spät auf das Durchfahrtsverbot hin. „Und wenn man einen LKW-Fahrer darauf anspricht, wird man ausgelacht“. So erzählte es ein Anwohner Dienstagabend im Bürgerhaus. Dort tauschten sich Vertreter von Stadt und Polizei gut 90 Minuten lang beim „Sicherheits-Dialog“ aus. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns hatte dazu eingeladen. Klaus Steffenhagen, Lüner und ehemaliger Polizeipräsident von Köln, moderierte.

Ressourcen begrenzt

Frank Schulz, Leiter der Polizeiwache Lünen, räumte begrenzte Ressourcen bei der Polizei für Kontrollen ein. Zudem wirkten die Kontrollen nur kurz. „Wenn wir weg sind, interessiert es keinen mehr.“. Michael Ristovitch, Vorsitzender der Brami-Gemeinschaft hakte nach: „Das Problem der Beschilderung ist doch schon lange bekannt, warum passiert nichts?“ Für die Ordnungsbehörde war deren stellvertretender Leiter Wolfgang Starost im Bürgerhaus. Der verweist auf die eigentlich zuständige Abteilung Verkehrssicherung. Deren Leiter ist gerade in den Ruhestand getreten, die Stelle neu ausgeschrieben. Bürgermeister Kleine-Frauns meinte, die Ausschilderung des LKW-Verbots – zunächst als Versuch bis Mitte 2018 –, sei ein guter Anfang gewesen. Man werde die Erfahrungen bewerten. Einen Starenkasten auf der Waltroper Straße aufzustellen, sei eine Möglichkeit, die Engmaschigkeit der Kontrollen auszudehnen eine andere.

LKW, Falschparker: Was Bürger in Brambauer nervt

Etwa 40 Teilnehmer kamen zum „Sicherheitsdialog“ für den Stadtteil Brambauer ins Bürgerhaus. Foto: Peter Fiedler

Dass in Brambauer an diversen Orten wild und falsch geparkt wird, berichteten mehrere Bürger. Der Bereich um die Kelmschule wurde u.a. genannt, der Reichsweg, natürlich auch die Waltroper Straße. Kleine-Frauns sagte, er würde zusätzliche Stellen in der Verkehrssicherung (Politessen) unterstützen. Die finanzierten sich von selbst. Entscheiden müsse aber die Politik. Auch die Situation der Radfahrer wurde angesprochen. „Was die Stadt Radfahrern bietet, ist Mittelalter“, kritisierte Jörg Diekmann. Die kostenintensiven Maßnahmen aus dem Programm „Rad +“ seien noch nicht angegangen worden, antwortete Kleine-Frauns. Er sprach von Big Points. Müll auf der Karl-Haarmann-Straße, defekte Laternen, Raser im Bereich Verkehrshof – das waren weitere Themen.

Kritik an fehlender Polizei-Präsenz

Mit der Polizeipräsenz vor Ort sind viele Bürger nicht zufrieden. Zwei Beamte im Bezirksdienst und die Sprechstunden in den Räumen der Sparkasse am Marktplatz, das sei zu wenig für einen Ortsteil mit fast 20.000 Einwohnern. „Wenn es möglich und erforderlich ist, ist ein Streifenwagen vor Ort“, sagte Frank Schulz. Der Leiter der Lüner Wache sagte aber auch, dass er die Anlaufstelle in der Sparkasse für eine Zumutung hält. Beamte wie Bürger seien dort Bittsteller, wenn sie die Toilette benutzen wollten. Um Anzeigen aufzunehmen, gebe es keine Technik.

Die Beamten kämen mit Laptops in der Hoffnung auf eine stabile Internetverbindung. „Die Zustände dort sind nicht in Ordnung. Es gibt nicht einmal eine Möglichkeit, sich die Hände zu waschen“, erklärte das Brambauer Urgestein Klaus Stallmann. Er erinnerte Schulz an seine Fürsorgepflicht. „Die Missstände sind beim Polizeipräsidium bekannt, es gibt mehrere Lösungsmöglichkeiten“, entgegnete Schulz. Auch die Schließung der Anlaufstelle sei eine solche Möglichkeit, die er aber keinesfalls befürworte.

Die Rolle der Sparkasse

An dieser Stelle kam die Sparkasse an der Lippe ins Spiel. Die will bekanntlich ihre Zweigstelle Mühlenbachstraße aufgeben und jene am Marktplatz ausbauen. Man sei schon an die Sparkasse herangetreten, auch um das Problem mit der Polizei hinzuweisen, erklärte der Bürgermeister. Zu Ergebnissen der Gespräche sagte er nichts. Andreas Mildner, Ratsmitglied der GFL aus Brambauer, könnte sich die Einrichtung eines Bürgerbüros für Brambauer vorstellen, wenn die Sparkasse die Mühlenbachstraße räumt.

LKW, Falschparker: Was Bürger in Brambauer nervt

Sie diskutierten mit den Bürgern aus Brambauer (v.l.): Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, Moderator Klaus Steffenhagen, Wolfgang Starost (Ordnungsbehörde) und Frank Schulz, Leiter der Polizeiwache Lünen. Foto: Peter Fiedler

Zum Kriminalitätsgeschehen gab es nur zwei Äußerungen, aber eine sehr massive: „Diebstähle, Einbrüche, Bedrohung, Messerstechereien, Massenschlägereien ausländischer Banden“. Das alles zählte ein Bürger auf. Polizeischutz gebe es nicht mehr, Frauen trauten sich nicht mehr nach draußen. Die Antwort von Frank Schulz (Polizei): „Ja, wir haben Straftaten, auch Straftaten, die nicht schön sind, auch von Menschen mit Migrationshintergrund.“

Das Phänomen der Schlägereien habe man aber „nach Gesprächen mit den Verantwortungsträgern eingedämmt“. Mehrmals hatten sich junge Leute im Bereich der Waltroper Straße geprügelt. Laut Polizei waren Menschen türkischer und kurdischer Abstammung aneinandergeraten. Was die nackten Zahlen der Kriminalitätsstatistik betrifft, so Schulz, befinde man sich in Lünen wie in Brambauer vergleichsweise auf einer „Insel der Glückseligkeit“.

Die subjektive, gefühlte Sicherheit sie eine ganz andere Sache. Ein besseres Sicherheitsgefühl soll die Ordnungspartnerschaft zwischen Stadt und Polizei vermitteln, die im Aufbau sei. Mit Doppelstreifen, die ohne feste Aufgaben unterwegs sind.

Moderator Steffenhagen und Bürgermeister Kleine-Frauns betonten, Sicherheit sei eine Aufgabe aller, die in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen und deren Herz am Stadtteil hänge. So sei es wichtig, Missstände zu melden, damit sie beseitigt werden könnten. So nimmt die Stadt zum Beispiel Beschwerden am Bürgertelefon unter (02306) 104-2020 entgegen.

Brami-Chef Michael Ristovitch erklärte nach der Veranstaltung, er habe sich mehr versprochen und sich konkretere Äußerungen erhofft, „was grundsätzlich verbessert werden soll“. Ristovitch blickt mir Sorge auf den Stadtteil: „Unser Ort verkommt, der Marktplatz sieht unappetetlich aus und Graffitis haben wir auch wieder.“

Der Sicherheitsdialog war nicht der erste seiner Art in Lünen. -

So haben wir über den ersten Sicherheits-Dialog berichtet.

So geht es weiter

Alle Punkte, die Bürger beim Sicherheits-Dialog genannt haben, wurden protokolliert. Nach etwa einem Jahr, so der Bürgermeister, werde die Stadt erneut einladen, um Bilanz zu ziehen.

Die erste Veranstaltung „Sicherheits-Dialog“ fand am 11. Juli im Rathaus statt. Weitere Termine in den Stadtteilen werden folgen.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sicherheit in Lünen

Diese Themen sind den Gahmenern wichtig

Lünen Die Resonanz war mau – nur wenige Menschen aus dem Lüner Stadtteil Gahmen sind der Einladung der Verwaltung am Dienstagabend ins Bürgerzentrum gefolgt, um dort über objektive und gefühlte Sicherheit im Stadtteil zu diskutieren. Themen gab es dennoch, deutlich mehr als Besucher.mehr...

Kanalbrücke Bergstraße

Freigabe wird in das Jahr 2018 verschoben

Lünen Im August 2017 hieß es, die Kanalbrücke Bergstraße werde voraussichtlich Mitte Dezember für den Verkehr freigegeben. Beobachter der Baustelle wissen längst, dass das nicht klappen kann. Jetzt hat sich auch die zuständige Behörde offiziell geäußert mehr...

Tod des kleinen Nils

Verteidiger will möglichen Unfall aufwendig nachstellen

LÜNEN/DORTMUND Der Prozess um den tragischen Tod des kleinen Nils läuft jetzt schon seit 81 Verhandlungstagen – und wird wohl auch noch länger dauern. Ein Verteidiger der Angeklagten fordert jetzt nämlich, dass ein möglicher Unfall aufwendig nachgestellt wird. Dafür ist sogar ein Modell des Baby-Schädels nötig.mehr...

Mehrere Zentimeter Neuschnee

Der nächste Wintereinbruch erwischt die Lüner kalt

Lünen Starker Schneefall verwandelte Lünen am Montag binnen kurzer Zeit in eine Winterlandschaft. Das sah schön aus, führte aber vor allem auf den Straßen zu Problemen.mehr...

Streit eskaliert

Zwei Schwerverletzte bei Messerstecherei

Dortmund/Lünen Bei einer Messerstecherei an der Weißenburger Straße in der Dortmunder Innenstadt sind am Sonntag mehrere Personen verletzt worden, zwei davon schwer. Die Polizei nahm vor Ort einen Lüner fest. Andere an dem blutigen Streit Beteiligte konnten allerdings fliehen. Die Polizei sucht jetzt nach ihnen und bittet um Hinweise.mehr...