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Stationen einer Reise

Wo kommt der vergoldete Kelch aus St. Vitus her?

OLFEN Das Rätsel schimmert golden. Es ist vom Fuß bis zur Spitze 33 Zentimeter hoch und an der breitesten Stelle 15 Zentimeter breit. Und es steht, wie es sich für Geheimnisse gehört, meistens unter Verschluss: im Tresor der katholischen Kirchengemeinde St. Vitus Olfen - es handelt sich um einen 300 Jahre alten vergoldeten Kelch.

Wo kommt der vergoldete Kelch aus St. Vitus her?

300 Jahre alt ist dieser Ziborium

Das Rätsel ist ein schlichter, vergoldeter Kelch. Wie, wann und warum er seinen Weg nach Olfen fand? Das weiß heute niemand. Bekannt ist allein, dass das kostbare Stück genau 300 Jahre alt ist. Anlass, sich mit dem ehemaligen Olfener Stadtarchivar Lutz Trautmann auf Spurensuche zu begeben.

Erste Station

Eine Goldschmiedewerkstatt in Münster. Der Mann, der dort vor 300 Jahren hämmert, walzt, schleift und poliert, heißt Johann Ludger Jochmaring. Vor zwei Jahren hat er den Meistertitel erworben. In sechs Jahren wird er sterben. Der vergoldete Kelch, der gerade unter seinen kundigen Händen entsteht, ist das einzige Kunstwerk, das der Nachwelt von seiner großen Kunstfertigkeit berichten wird.

Zweite Station

Haus Assen, ein Wasserschloss in Lippborg im Kreis Soest. Kinderlachen ist hier nicht zu hören. Heute nicht, denn das Internat dort hat im Sommer 2016 geschlossen. 1708 aber auch nicht, denn bei den adeligen Hausherren will sich der lang ersehnte Nachwuchs nicht einstellen.

Sechs Jahre lang sind Maria Susanna von Galen geborene von Saurau und ihr 23 Jahre älterer Mann Christoph Heinrich, ein Neffe des Münsteraner Fürstbischofs Bernhard von Galen, schon verheiratet. Doch der Wunsch nach einem Erben blieb bislang unerfüllt.

Göttlicher Beistand

Im Juni 1708 ersucht die damals 23-jährige Ehefrau göttlichen Beistand. „Die hochgeborene Frau Gräfin“, wie es in einer Urkunde heißt, habe der Kirche in Lippborg eine „güldene Monstranz“ geschenkt. Im Gegenzug seien bestimmte Gebete zu sprechen – für sie und ihren Gemahl. Allerdings: Heute fehlt im Lippborger Kirchenschatz ein entsprechendes Gefäß.

Anders als in Olfen. Der dortige Kelch, der nur noch selten Verwendung findet, trägt die Gravur: „Maria Zusanna Gräffin von Galen, gebohrene Gräffin von Saurau Anno 1708.“ Gegenüber befindet sich das Datum, wann die Schenkung fertiggestellt wurde: 1716.

Warum acht Jahre dazwischen?

Warum acht Jahre zwischen der Stiftung der Monstranz und ihrer Fertigstellung liegen? Lutz Trautmann, der die Informationen 2009 für die „Geschichtsblätter Kreis Coesfeld“ zusammengetragen hat, weiß es nicht. Er hat aber eine Vermutung: Dass das Dominikanerkloster in Münster, dem die Gräfin 1708 vermutlich den Auftrag gab für die Stiftung der Monstranz, damals nicht flüssig war und das Geld lieber erst einmal genommen hat, um Bauarbeiten zu finanzieren.

Ob es an der verspäteten Fertigstellung des Gefäßes lag, dass die Ehe der von Galens kinderlos blieb? Wohl kaum, denn die Erfüllung von Herzenswünschen lässt sich bekanntlich nicht erkaufen.

Hoffnung auf ein Kind aufgeben

Fest steht: Als der junge Goldschmiedemeister Jochmarin mit ruhiger Hand 1716 in das Schmuckgefäß schreibt, ist Haus Assen gar nicht mehr im Besitz der beiden. Der Reichshofrat hatte wohl die Hoffnung auf ein Kind aufgegeben und bereits 1710 sein Anwesen einem jüngeren Bruder überschrieben. Er selbst zog mit seiner jungen Frau nach Wien. Aber wie kommt der Kelch nun nach Olfen? In den Wirren der Säkularisierung, der Auflösung des Kirchenbesitzes 1803, sei er irgendwie dorthin gekommen, vermutet Trautmann: „Reiner Zufall“.

Ziborium





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