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Lärmbelästigung in Schwerte

Mauer soll Anwohner der Rohrmeisterei schützen

SCHWERTE Die Bewohner der Schwerter Altstadt haben sich immer wieder über den Lärm beschwert, der aus der Rohrmeisterei zu ihnen herüberschallt. Der Streit landetet vor Gericht. Noch vor dem Urteil hat man jedoch durch Gespräche eine gemeinsame Lösung gefunden.

Mauer soll Anwohner der Rohrmeisterei schützen

An der Rohrmeisterei soll eine Lärmschutzwand errichtet werden

Die Bewohner der Altstadt sollen mit einer mehr als vier Meter hohen Lärmschutzmauer vor störenden Geräuschen aus der Rohrmeisterei geschützt werden. Außerdem bekommen die Eingänge zu den Hallen 2 und 3 einen transparenten Windfang, der herausdringenden Krach wie eine Schleuse abhalten soll.

Wie Stadtplaner Adrian Mork am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion berichtete, soll die Mauer am Rande des Parkstreifens entstehen, der an das Ruhrverband-Gelände grenzt. Die Maßnahme sei abgestimmt mit den Münsteraner Denkmalpflegern und dem Kreis Unna, erklärte er. 

Guter Dialogprozess

Und vor allem mit den Altstadt-Bewohnern: „Mit den gutachterlich abgesicherten Plänen konnten wir auch die Anwohner überzeugen, die ein Recht darauf haben, vor Lärm geschützt zu werden. Mit den jetzt vereinbarten Maßnahmen konnten wir einen gerichtlichen Streit vermeiden.“

Tobias Bäcker, Stiftungsvorstand der Rohrmeisterei, bestätigte die Pläne, für die bereits am 1. September ein Bauantrag gestellt worden sei. Man führe mit den Nachbarn seit einigen Monaten einen guten Dialogprozess: „Wir haben das Gespräch gesucht und handeln jetzt auch.“

Die Mauer werde sogar um ein paar Pufferzentimeter höher als die vom Gutachter berechneten vier Meter errichtet. Das rund 40 Meter lange Bauwerk solle sich am Parkplatzrand etwa von Höhe des Trafohäuschens in West-Ost-Richtung bis zum Ende des Abstellgeländes hinziehen. „Es gehen keine Stellplätze verloren“, betonte Bäcker. Die steinerne Mauer entstehe dort, wo jetzt Buschwerk sei. Dessen Eindruck werde sie später ähneln, wenn sie bepflanzt und begrünt sei.

SCHWERTE Der geplante Weg vom Wuckenhof zur Rohrmeisterei in Schwerte bewegt nach wie vor die Gemüter. Anwohner fürchten um ihre Ruhe. Am Mittwoch trafen sich Mitglieder der SPD mit Stadtplaner Adrian Mork und betroffenen Nachbarn, um sich im Regen die geplante Wegeführung anzusehen. Wir sind mitgegangen.mehr...

Genehmigung noch 2017

Neben der Schutzwand soll ein gläserner rechteckiger Vorbau vor den Eingängen zu den Veranstaltungshallen 1 und 2 für die Wiederherstellung des nachbarschaftlichen Friedens sorgen. Entlang der Hallenwand wird er beide Türen verbinden und verhindern, dass bei ihrem Öffnen Musikfetzen und andere Geräusche nach draußen ziehen. Zudem ermöglicht diese Lösung, in ihrem Zwischenbereich einen verglasten Raucherbereich zu schaffen.

Mit der Genehmigung des Bauantrags sei noch 2017 zu rechnen, sagte Stadtplaner Mork. Bei der Finanzierung dürfe die Bürgerstiftung Rohrmeisterei mit Städtebaufördermitteln rechnen, weil ein städtebaulicher Missstand behoben werde. Bäcker rechnet mit Kosten in Höhe von einem „sechsstelligen Betrag“ für das Projekt, das in den ersten Monaten 2018 begonnen werde.

Mediation vor Gericht

Bis zum 30. Juni solle die Maßnahme abgeschlossen sein, berichtete Prof. Peter Nisipeanu, Schichtmeister der angrenzenden Nachbarschaft Schicht 1. Darauf habe man sich mit Stadt und Rohrmeisterei bei einer Mediation vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen geeinigt.

Die Lärmbelästigung werde halbiert, die Nachtruhe wieder hergestellt. „Ich meine, wir hätten einen guten Weg beschritten und ein gutes Ziel erreicht“, sagte Nisipeanu. Er freue sich, dass wieder eine gute Nachbarschaft bestehe: „Wir wollen die Rohrmeisterei erhalten.“

SCHWERTE Auch in Herbst und Winter wird es in der Rohrmeisterei Schwerte einen vollen Veranstaltungsplan geben. Das Team hat knapp 50 Veranstaltung bis Jahresende angekündigt. Auf dem Programm stehen vor allem Kabarett und Talk, aber auch eine Whiskey-Messe und Musical-Abende.mehr...

Unser Redakteur Reinhard Schmitz kommentiert:

Gelebte Nachbarschaft

Nachbarschaft sollte nicht nur mit Pannekauken-Essen wie ein Stück Folklore hochgehalten werden, sondern im Alltag wirklich gelebt werden. In diesem Sinne ist es sehr erfreulich, dass Altstadtbewohner und Rohrmeisterei konstruktiv miteinander reden.

Na gut, als Anstoß bedurfte es des „Gelsenkirchener Friedens“ (ausgerechnet in der Stadt, deren Namen viele Fußballfans nicht aussprechen). Vor dem dortigen Verwaltungsgericht einigte man sich aber ohne ein Urteil, das die Parteien in Sieger und Unterlegene geteilt hätte.

Die Rohrmeisterei trifft bauliche Maßnahmen, die die Nachtruhe der Anwohner ein für allemal sichern. Dafür kann Schicht 1 den Kulturtempel wieder uneingeschränkt lieb haben. Immerhin hatte man einst für den Erhalt der Rohrmeisterei gekämpft, als nachbarschaftliches Engagement verhinderte, dass sie der Südumgehung weichen musste.

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