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Kupfer von Grabplatten gestohlen

Schwerter Friedhofsdiebe stahlen sogar Kamera

Schwerte Die Idee war eigentlich pfiffig: Mit einer Überwachungskamera wollte der Schwerter Friedhofsgärtner Diebe überführen, die Grabplatten gestohlen hatten. Die Kamera sollte Bilder machen, falls die Kriminellen nochmals zuschlagen sollten. Die Diebe kamen auch wieder, stahlen weitere Grabplatten - und nahmen auch noch die Kamera mit.

Schwerter Friedhofsdiebe stahlen sogar Kamera

Nur die nackten Betonfundamente sind auf sechs der zehn Gräber der Familiengruft auf dem Katholischen Friedhof nach der Diebstahlsserie übrig geblieben. Foto: Reinhard Schmitz

Als Detektiv hatte Friedhofsgärtnermeister Heiner Knostmann nach dem dreisten Diebstahl vor Allerheiligen zur Selbsthilfe gegriffen. Mit einer Wildkamera wollte er die Familiengruft auf dem Katholischen Friedhof an der Friedhofstraße überwachen, von der damals fünf große kupferne Grabplatten gestohlen worden waren.

In einem noch gut belaubten Ahorn versteckte der passionierte Jäger sein in dunklem Grün getarntes Aufnahmegerät, das sich bei Bewegungen von allein einschaltet. Doch als die Diebe zu Wochenbeginn zurückkamen, sagten sie nur „Danke“ und nahmen auch die Kamera einfach mit. „Ich glaube, die sind so professionell bei der Sache“, sagt Knostmann. Denn auf der Polizeiwache habe er erfahren: Es gebe mittlerweile Geräte, die ganz einfach das Infrarot orten, mit dem die Wildkamera ihre nächtlichen Aufnahmen macht.

Schwerte Ausgerechnet kurz vor Allerheiligen haben Diebe auf dem Katholischen Friedhof in Schwerte fünf kupferne Grabplatten gestohlen. Auffällig: Die Täter markierten den Tatort mit einem Zeichen, sogenannten „Gaunerzinken“. Der ehemalige Schwerter Kripo-Chef sagt: Das lässt Rückschlüsse auf die Kriminellen zu.mehr...

Gleich zweimal müssen die Täter vermutlich erneut vom angrenzenden Kaufland-Gelände auf den Friedhof gelangt sein. „In der Nacht von Sonntag auf Montag und in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch“, berichtet Knostmann. Drei weitere Kupferplatten wurden von den Betonsockeln gebrochen. Vermutlich mit einem Brecheisen. Auf einem Nachbargrab fehlte ein Trittstein, der offenbar unter das Werkzeug gelegt worden war, um eine größere Hebelwirkung zu erzielen. Die Beute – so der Friedhofsgärtner – sei anschließend wohl über den Maschendrahtzaun zum Kaufland geworfen worden, wo es zu einem großen Parkplatz geht.

Für Polizei nur Diebstahl

„So etwas hat es in der Art noch nie gegeben“, sagt Knostmann, dessen Familie seit 1982 den Katholischen Friedhof pflegt. Von einer organisierten Bande will die Kreispolizei Unna aber trotzdem nicht sprechen. „Das ist reine Spekulation“, erklärt Behördensprecherin Vera Howanietz. Beim Überwachungsaufwand müsse daran gedacht werden, dass es sich nur um ein Diebstahlsdelikt handele und nicht um Gefahr für Leib und Leben. „Es muss verhältnismäßig und machbar sein“, so die Sprecherinder Polizei: „Das ist halt einfach so.“

Natürlich – so weiß Vera Howanietz – sei der Diebstahl sehr ärgerlich für die Angehörigen, die eine ganz andere emotionale Bindung zu dem Grabschmuck hätten. Aber für die Diebe bedeute der nur eine Gelegenheit, schnell an hochwertige Metalle zu kommen. Viel zu holen ist damit beim Schrotthändler eigentlich gar nicht, wie Knostmann vorrechnet. Im Auftrag der Katholischen Kirchengemeinde sammelt er alte Laternen und metallene Grabstein-Inschriften von Gräbern ein, die nach Ende der Liegezeit abgeräumt werden. Im Jahr kämen so rund 20 Laternen und zwei Eimer Buchstaben zusammen, die im Auftrag der Kirche verkauft werden: „Je nach Altmetallwert gibt es dafür maximal 350 Euro.“

Vier Euro fürs Kilo

Vier Euro wurden auf der Online-Schrotthandelsplattform Schrott 24 am Donnerstag für ein Kilo altes Kupfer geboten. Doch da die bislang erwischten Banden oft aus ärmeren Gegenden in Südosteuropa kommen, lohnt sich für die Täter das Geschäft dennoch. Als 2013 eine Bande von Buntmetalldieben, von denen einige auch von Schwerte aus operierten, aufflog, stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass die Täter ihre Beute bei Schrotthändlern in Dortmund und Venlo verkauften. Auch wenn der Handel eigentlich bargeldlos ablaufen soll, gelingt es den Dieben immer wieder, ihre Statuen, Regenrohre, Kabel oder auch Grabplatten auf dem offiziellen Schrottmarkt zu verkaufen. Als 2013 tatsächlich mal ein Schrotthändler, der das Diebesgut einer Bande von Metalldieben aufkaufte, wegen Hehlerei in Offenburg angeklagt wurde, verhängten die Richter eine Geldstrafe.

Um künftig auf Nummer sicher zu gehen, sprach Knostmann mit der betroffenen Familie schon darüber, auf einen Ersatz der Kupferplatten zu verzichten. Eine Sandstein-Abdeckung lasse die Diebe kalt. So etwas ist noch nie weggeschleppt worden.

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