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Unfall-Schwerpunkte

Warum es in Schwerte immer wieder auf denselben Straßen kracht

SCHWERTE 179 Menschen wurden im vergangenen Jahr in Schwerte bei Verkehrsunfällen verletzt. 36 davon schwer. Die Unfallkommission versucht, die gefährlichsten Ecken im Verkehr zu entschärfen. Das ist nicht immer möglich.

Warum es in Schwerte immer wieder auf denselben Straßen kracht

Das sind die Unfall-Schwerpunkte in Schwerte.

Fünf sogenannter Unfallhäufungsstellen listet die Statistik des Kreises Unna für Schwerte auf. Das sind deutlich weniger als in den Vorjahren. Und eigentlich sind es auch immer wieder dieselben Kreuzungen, die dort auftauchen. Das weiß auch Harald Meibert vom Kreis Unna. Für den Planungsausschuss der Stadt hat er die gefährlichen Ecken Schwertes aufgelistet.

Zunächst müsse man allerdings wissen, was eigentlich als Unfallhäufungsstelle gewertet wird, betont er. Denn längst nicht alle Kreuzungen, an denen es oft zu gefährlichen Situationen kommt, sind auch ein Fall für die Unfallkommission. Ein Unfallschwerpunkt ist entweder dann erreicht, wenn sich innerhalb eines Jahres typische Unfälle mit hohem Schaden oder Verletzten häufen, oder wenn innerhalb von drei Jahren mehrere tödliche Verkehrsunfälle an einer Stelle vorkommen.

Auffahrt A1

In Schwerte gilt das in erster Linie für die Kreuzung Hörder Straße/A1. Vor nahezu zehn Jahren mit einer Ampel ausgestattet, die stets ein Provisorium war, kam es dort immer wieder zu schweren Unfällen. Doch zumindest konnte man die Auffahrt Richtung Köln entschärfen. Hier hat eine Ampelschaltung für Linksabbieger für weniger Unfälle gesorgt. Die Zufahrt Richtung Bremen bleibt aber gefährlich. Zuletzt wurde eine junge Frau im Januar bei einem Zusammenstoß schwer verletzt. Doch ob eine ähnliche Ampelschaltung hier etwas bringen würde, bezweifelt Meibert. „Die B 236 ist so überlastet, dass sie selbst mit einer Ampelschaltung kaum zu beherrschen ist“, sagt er. Denn im Dauerstau auf der Hörder Straße steige die Risikobereitschaft. „Da will immer noch jemand bei Schweinchenrosa durchrutschen“, so Maibert.

Bergstraße/Heidestraße


Ähnliches gilt für eine Kreuzung, die ein paar Meter weiter nördlich liegt. Hier stoßen Bergstraße und Heidestraße auf die Hörder Straße. Die gehört nach Maiberts Angaben zu der Kategorie, wo man nicht mehr weiter weiß. „An manchen Stellen wissen wir nicht, was wir da noch machen sollen“, erklärte er. Sein Kollege Siegfried Kuhn von der Schwerter Stadtverwaltung sagt zu dieser Kreuzung: „Wir haben dort in den vergangenen Jahren die Beleuchtung überprüft und die Lichter der Ampel vergrößert, letztlich ohne durchschlagenden Erfolg.“ Im Rathaus setzt man in diesem Fall auf den Ausbau der B236, der genau in diesem Bereich im Sommer 2018 beginnen soll.

Bahnhofstunnel

Manchmal sind es aber auch ganz einfache Maßnahmen, die einen Unfallschwerpunkt entschärfen können. So wurde am Fahrradweg, der durch die Bahnhofsunterführung führt, ein Papierkorb abgenommen, der in den schmalen Fahrradstreifen hineinragte. Das hat laut Maiberg schon etwas gebracht. Doch bei der Stadt Schwerte bleibt man skeptisch. Denn im engen Tunnel helfe nur gegenseitige Rücksichtnahme.

Rosenweg


Ein ähnlich schwerer Fall ist der Rosenweg vor dem Einkaufszentrum in Holzen. Er landete auf der Liste, weil es hier Unfälle mit Schwerverletzten gab. Die Gründe sind allerdings vielfältig. Der Radweg im Bereich der Parkplatzauffahrt, Fußgänger und wenig übersichtliche Einmündungen kleiner Straßen gehören dazu.

Ruhrtalstraße/A45

Drei Jahre lang war die Auffahrt zur A45 in Ergste als Unfallschwerpunkt eingetragen. „Jetzt ist sie wieder aus der Liste raus“, so Meibert. Dennoch hat der Landesbetrieb Straßen NRW, der dafür zuständig ist, angeordnet, sie freizuschneiden. Auf Betreiben der Unfallkommission wurde hier die erlaubte Geschwindigkeit von 70 auf 50 km/h herabgesetzt.

Was könnte die Stadt im Sinne der Unfallkommission tun, um schwere Unfälle zu verhindern? „Ein eigener Etatansatz im städtischen Haushalt zur Unfallverhütung wäre schön“, so Kreisvertreter Maibert. Denn dann könnten die Städte kurzfristig reagieren, wenn zum Beispiel eine Straßendecke schnell repariert oder eine Kreuzung kurzfristig umgebaut werden muss.

Wer ist Mitglied in der Unfallkommission?

  • Unfallkommissionen sollen Verkehrsunfälle in einer Kommune statistisch auswerten und auffällige Örtlichkeiten untersuchen. Rechtsgrundlage sind Bundes- und Landeserlasse.
  • Im Kreis Unna sind das der Kreis selbst, die jeweilige Stadt und die Polizei. Hinzu kommen Vertreter des Landesbetriebs Straßen.NRW, die für die Bundes- und Landesstraßen zuständig sind. Die Fäden hält der Kreis in der Hand.
  • Ein Unfallschwerpunkt ist entweder dann erreicht, wenn sich innerhalb eines Jahres typische Unfälle mit hohem Schaden oder Verletzten häufen, oder wenn innerhalb von drei Jahren mehrere tödliche Verkehrsunfälle an einer Stelle vorkommen.
  • Die Kommission begutachtet alle Orte, die statistisch auffällig waren und sieht sich die Pläne der Stelle an. In Einzelfällen fährt man auch zu den Kreuzungen. Dann schlägt die Kommission Maßnahmen vor. Die können vom Rückschnitt einer Hecke über ein Tempolimit bis zum Umbau der Straße reichen.
  • Erst wenn drei Jahre lang keine Unfallhäufung war, verschwindet der Unfallschwerpunkt aus der Statistik. Denn dann weiß man, dass die Lösungen wirklich wirken.

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