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Interview mit Joel Grodowski

„Ich will endlich mein Können zeigen“

SELM Joel Grodowskis Profikarriere bei Bradford City begann mit einer Verletzung. Nach einer Reha in Deutschland startet das Abendteuer England für den Borker Torjäger von Neuem. Zuvor holte er sich die Torjägerkanone der Ruhr Nachrichten ab. Im Interview am Borker Sportplatz erzählte der Stürmer von Sprachproblemen nach seinem Wechsel, aber auch von der dreimonatigen Leidenszeit und dem verpassten Aufstieg mit dem PSV.

„Ich will endlich mein Können zeigen“

Joel Grodowski vom PSV Bork erhält die Torjägerkanone der Ruhr Nachrichten für seine 53 Tore in der Saison 2016/17 – dann wechselte er nach England. „Trotzdem verfolge ich den PSV mehr und mir tut es leid, dass der Umbruch so groß geworden ist. Ich wünsche mir, dass der Verein in ein bis zwei Jahren wieder oben angreifen kann“, sagte Grodowski über seinen Heimatverein.

53 Tore in einer Saison. Können Sie sich noch an alle erinnern?

Puh, schwierig, es ist ja auch schon ein Weilchen her. Dass es 53 geworden sind – ich hatte ja im Jahr davor gesagt, dass ich nicht weiß, ob ich die Marke nochmal knacken kann – hat mich natürlich gefreut. Ich war trotzdem traurig, weil wir nicht aufgestiegen sind. Ich hatte in den letzten Meisterschaftsspielen auch nicht mehr richtig spielen können und wurde geschont. Ich bin mit Schmerztabletten in die Aufstiegsspiele gegangen, wollte aber unbedingt mit dem Verein aufsteigen. Leider konnte ich nicht 100 Prozent geben und es tut mir leid, dass wir es nicht geschafft haben. 53 Tore freuen mich, aber lieber wäre ich aufgestiegen und hätte mich so nach England verabschiedet. Das wäre fröhlicher gewesen.

Was tat mehr weh: das verlorene Spiel gegen Unna oder die Niederlage nach Hin- und Rückspiel gegen Ennigerloh?

Ganz klar das Spiel gegen Ennigerloh. Gegen Unna gehst du in das Spiel mit dem Hintergedanken: Wenn du einen schlechten Tag hast, hast du immer noch die Chance, in Hin- und Rückspiel gegen Ennigerloh aufzusteigen. Gegen Unna haben wir auch geführt, ich musste das 2:0 machen, stehe alleine vor dem Torwart. In der Liga, wenn ich fit bin, hätte ich den blind reingemacht. Dann wäre es schwer für Unna geworden. So ist es aber leider nicht gekommen und wir haben in der Verlängerung verloren. Gegen Ennigerloh konnten wir unsere Leistung aus der Meisterschaft aber auch nicht zeigen. Vor 1500 Zuschauern in Bork waren wir am Ende sehr enttäuscht. Drei Spiele haben wir nicht gewonnen und dann sind wir auch verdient nicht aufgestiegen – und jetzt wünsche ich dem PSV nur das Beste.

Haben Sie aus England viele Spiele des PSV Bork verfolgt?

Ja, wenn ich Sonntag zu Hause bin, gucke ich oft nach. Ich frage sofort Papa, wie sie gespielt haben. Da bin ich auf dem Laufenden. Der Start war nicht so gut, aber dann hat die Mannschaft ja auch vier Spiele hintereinander gewonnen. Gegen Cappenberg habe ich auch zugeguckt. Ich hoffe, dass die Mannschaft im oberen Mittelfeld bleibt.

Sie waren Teil des großen Umbruchs beim PSV. Hatten Sie die Befürchtung, dass der Verein in Abstiegsnöte gerät?

Ich war etwas enttäuscht. Es wussten viele, dass ich auf jeden Fall weggehe und trotzdem gab es viele Zusagen. Mein Bruder ist dann auch nach Ahlen gegangen, aber auch ihm sollte man die Chance nicht verbauen, weil es für ihn auch ein Träumchen ist, in der Oberliga zu spielen. Wenn man in die Bezirksliga geht, kann ich es auch noch verstehen, aber die Spieler, die zu anderen Kreisligisten gegangen sind – das habe ich nicht verstanden und das hat der Verein auch nicht verstanden. Daniel Berger oder Marvin Schuster muss man die Chance geben. Beide spiele bei Brambauer auch oben mit. Es freut mich für beide Jungs. Trotzdem verfolge ich den PSV mehr und mir tut es leid, dass der Umbruch so groß geworden ist. Ich wünsche mir, dass der Verein in ein bis zwei Jahren wieder oben angreifen kann.

Wann stand fest, dass Sie Bork verlassen?

Vor den Aufstiegsspielen habe ich schon ein paar Anrufe erhalten. Nach dem Probetraining bei Dortmund konnte ich meine Leistung irgendwie nicht mehr bringen, aber wenn man ehrlich ist, sind die Probleme am Rücken schlimmer geworden. Trotzdem kamen immer wieder Oberligisten und wollten mich zum Training einladen. Dann kam der Anruf aus England. Ich habe mit meinen Eltern gesprochen und da war schnell klar, dass ich das machen muss. Auch mit meinem Berater habe ich gesprochen. Er hat gesagt, dass es für das Erwachsenwerden und den Lebenslauf wichtig ist, eine Auslandserfahrung zu machen. Ich wusste das auch vor den Aufstiegsspielen. Ich habe aber auch gesagt, dass ich mich erst auf die Aufstiegsspiele konzentrieren möchte. Trotzdem wusste ich, dass es Bradford sein wird.

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Sie waren sich offenbar sehr sicher und haben damals nur einen Hinflug gebucht.

Genau. Ich habe mittrainiert und vor Ort auch den Vertrag unterschrieben. Dann musste ich auf eigenen Füßen stehen.

Wie war das?

Am Anfang schwierig. Ich habe anderthalb Monate im Hotel gelebt, bevor ich jetzt ein Apartment bekommen habe. In einem anderen Land die Sprache anfangs nicht richtig zu beherrschen, ist schwierig. Aber von Zeit zu Zeit wurde es besser, ich war circa dreieinhalb Monate da und verstehe inzwischen viel.

Machen Sie einen Sprachkurs?

Nein, ich hatte acht Jahre in der Schule Englisch und da hat es nicht geholfen. (grinst) Wenn du aber jeden Tag mit der Sprache zu tun hast, kommt es von alleine. Ich hätte das auch niemals gedacht. Und jetzt kann ich bald auch ins Training einsteigen.

Was macht Ihr Rücken?

Er macht Fortschritte. Ich wurde vier Wochen zur Behandlung nach Deutschland geschickt, weil es dort nicht so gut aussah. Das war echt traurig. Ich habe drei Tage mittrainiert und dann ist die Verletzung wieder aufgebrochen. Ich bin in Deutschland in guten Händen und kann jetzt wieder mit dem Ball arbeiten. Endlich sieht es nach einem halben Jahr mit Schmerzen gut aus. Der Rest wird in England gemacht. Und dann kann ich endlich das machen, was ich drüben machen wollte: angreifen und mein Können zeigen. Darauf arbeite ich hin. Unser Familienspruch ist: „Alles wird gut!“ Und jetzt sehe ich, dass wirklich alles gut wird.

Wie ist der englische Fußball?

Ich habe mir mehrere Heimspiele angeguckt. Spieler, die nicht im Kader sind, haben einen eigenen Bereich auf der Tribüne. Als die Fans reinkamen, hatte ich schon Gänsehaut. Es sind immer etwa 20 000 Zuschauer am Wochenende da. Für mich wäre das ein Traum, einmal die Chance zu bekommen. Wenn man immer vor 150 Zuschauern gespielt hat, ist es eine Macht! Es ist England, es ist laut und der Fußball ist schön hart. Die Schiedsrichter pfeifen nicht alles, aber es ist auf jeden Fall geil.

Haben Sie sich auf „Fifa 2018“ schon gefunden?

Ja, ich habe mir das Spiel gekauft und habe mir auch einen Karrieremodus mit Bradfort angelegt, um mal zu gucken, wie es ist. Es ist ein witziges Gefühl, wenn man in einem Spiel ist, ohne sich selbst dort zu erstellen. Das macht mich stolz.

Und passen die Eigenschaften wie Schnelligkeit im Spiel Ihrer Meinung nach?

Die Macher des Spiels kennen mich ja noch gar nicht. Ich habe eine Pace von 50, was nicht richtig stimmen kann. Ein bisschen schneller bin ich schon. Aber bei Beidfüßigkeit habe ich vier von fünf Sternen, da wissen sie wohl schon Bescheid. Aber bei der Geschwindigkeit muss ich sie wohl noch überzeugen. (lacht)

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