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Interview mit Inhaber

Nach Aus für Dorfladen: Wie geht es jetzt weiter?

CAPPENBERG In Cappenberg gibt es noch einen Lebensmittelladen an der Rosenstraße. Den führt Martin Maßmann - allein. Er arbeitet jeden Tag und stößt an seine Belastungsgrenze. Deshalb kam ihm die Idee einer Genossenschaft. Doch die scheiterte. Wir haben Martin Maßmann gefragt, woran das liegt und wie es mit dem Laden weitergehen soll.

Nach Aus für Dorfladen: Wie geht es jetzt weiter?

Trotz der Dorfladen-Schlappe blickt Martin Maßmann positiv in die Zukunft: "Der Dorfladen war aus meiner Sicht die perfekte Lösung für diesen Standort und für Cappenberg. Aber es soll ja auch nicht heißen, dass es die einzige Lösung ist."

Ein einziger Laden ist Cappenberg noch geblieben. Inhaber ist seit dem 10. Oktober 2013 Martin Maßmann. Seit zwei Jahren arbeitet er sieben Tage in der Woche – auf Dauer also viel zu viel. Die Lösung sollte ein Dorfladen sein, ähnlich wie der im Nottulner Ortsteil Schapdetten.

Warum die Idee einer Genossenschaft in Cappenberg scheiterte und wie es mit Lebensmittel Maßmann an der Rosenstraße weitergeht – darüber hat Martin Maßmann mit Volontärin Vanessa Trinkwald gesprochen.

Sieben Tage Arbeit in der Woche – was bedeutet das für Sie?

Dass alles an meiner Person hängt. Das ist meiner Meinung nach kein tragfähiges Konzept für die Zukunft. Das größte Problem ist sicher, dass mir irgendwann die Erholung fehlt. Der Gedanke, dass ich nicht krank werden darf, begleitet mich.

Waren Sie in den vergangenen drei Jahren krank?

Nein.

Hatten Sie Urlaub?

Letztes Jahr hatte ich den Laden mal eine Woche zu. Aber dann sind hier so viele Vorbereitungen zu treffen, um den Laden dicht zu machen und ihn anschließend wieder zu öffnen, dass man von der Woche auch nichts hat. Das macht dann einfach keinen Sinn. Mir kam die Idee eines Dorfladens als Genossenschaft, nachdem ich mich umgehört habe und geschaut habe, was möglich ist. Ein Gemeinschaftsprojekt, wie es an vielen vergleichbaren Standorten schon gut funktioniert.

Initiative für Genossenschaft

Was sagen Cappenberger Bürger zum Dorfladen?

CAPPENBERG Ein idyllischer Stadtteil Selms. Etwas über 2000 Einwohner. Ein einziges Lebensmittelgeschäft. Da fehlt doch was. Meinen auch die Cappenberger und freuen sich darauf, dass es eine Initiative von Cappenbergern gibt, die per Genossenschaft einen Dorfladen gründen wollen. Wir haben uns umgehört.mehr...

Das war die Idee. Sie funktioniert noch nicht…

Anfang September haben wir uns die Auswertungen der Umfrage noch einmal angeschaut und mussten dann feststellen, dass es einfach nicht genügend Interessenten für die Genossenschaft gibt.

Mit 400 Genossenschaftsmitgliedern hatten sie gerechnet, 130 waren es am Ende.

Ja, wir hatten uns an dem Modell von Schapdetten orientiert. Die Investitionssummen für einen Dorfladen sind in etwa immer gleich. Nach dem Schapdettener Modell braucht man irgendwo zwischen 350 und 400 Anteile á 250 Euro. Wenn man dann natürlich nur auf 130 Leute kommt, dann ist das zu wenig. Selbst wenn es Menschen gibt, die mehr als einen Anteil zahlen, wollten wir natürlich auch eine breite Akzeptanz. Wir mussten feststellen, dass wir diese Akzeptanz im Dorf nicht haben.

Angenommen, es hätte diese Akzeptanz gegeben. Was hätte der Dorfladen für Sie persönlich geändert?

In erster Linie hätte ich geregeltere Arbeitszeiten gehabt. Der Wunsch meiner Mitstreiter war, dass ich den Markt leite, das aber mit einem anderen Personalkonzept. Wir wollten Angebote schaffen, die ich alleine nicht leisten kann; sei es Wurst und Käse in der Bedienung, sei es eine Sitzecke, in der man Kaffee und Kuchen reicht.

CAPPENBERG Wird es gelingen, eine Genossenschaft zu gründen, unter deren Dach dann ein Dorfladen in Cappenberg als Einkaufs- und Begegnungsmöglichkeit eingerichtet werden kann? Dafür wurde am Sonntag die Werbetrommel gerührt - bei einem Dorfladenfest. Und die Resonanz war größer als erwartet.mehr...

Alles ehrenamtlich?

Alles um den Laden herum wäre ehrenamtlich gewesen, das Personal im Verkauf wollten wir aber bezahlen. Oft ist es im Ehrenamt so, dass so etwas sehr euphorisch anfängt. Aber wenn hinten raus die Luft ein bisschen dünner wird, dann muss ein Laden trotzdem weiter existieren können. Auch die Erfahrungen aus den uns bekannten Dorfläden bestätigen das.

Haben Sie selbst mal überlegt, Personal einzustellen?

Das ist schwierig. Um dauerhaft Personal einzustellen, benötigt man eine breite Zustimmung für den Laden. Überlegt habe ich mir das, aber dann muss man alleine sehr stark ins Risiko gehen.

Wie viele Leute kommen denn am Tag zu Ihnen?

Circa 100 Leute am Tag. Ein Vorteil der Genossenschaft wäre halt die Akzeptanz gewesen. Menschen, die sich finanziell an einem Laden beteiligen, haben ein großes Interesse daran, dass dieser Laden funktioniert und gehen dort natürlich dementsprechend einkaufen.

Es ging aber nicht nur um die Nahversorgung…

Wir wollten auch einen Treffpunkt für die Cappenberger schaffen.

Wieso hat es nicht funktioniert, diese Ideen umsetzen zu können?

Ich glaube, dass es nicht einen Grund gab, sondern ganz viele. Ich glaube, einige haben einfach nicht verstanden, was wir wollen und wie es funktionieren soll.

SELM Zuletzt waren die Cappenberger komplett auf Supermärkte in Borken, Selm oder Lünen angewiesen. Doch nun eröffnete ein kleiner Maßmann-Laden an der Rosenstraße - und führt damit eine Tradition fort.mehr...

Hätte man da noch mal besser informieren müssen?

Wir haben ja informiert. Der letzte Weg wäre gewesen, an jeder Tür zu klingeln. Einem Großteil der Cappenberger ist es vielleicht auch einfach nicht wichtig genug. Und dann kommt noch hinzu, dass der Druck nicht da war, weil der Laden nun mal existiert. In den Rückmeldungen haben wir einige Male gelesen: Wieso ein Dorfladen? Wir haben doch einen Laden. In Schapdetten gab es am Ende gar keinen mehr.

Könnte das in Cappenberg bald ähnlich aussehen?

Nein, nein. Der Dorfladen war aus meiner Sicht die perfekte Lösung für diesen Laden, für diesen Standort und für Cappenberg. Aber das soll ja auch nicht heißen, dass es die einzige Lösung ist. Ich überlege gerade, was man sonst noch machen kann. Die Planungen gehen voran, sind aber noch nicht spruchreif. Die Überlegung, den Laden zu schließen, gibt es im Moment aber nicht.

Cappenberg ohne Laden, was wäre das?

Traurig. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Ich bin in Cappenberg groß geworden. Früher gab es für 900 Einwohner vier Läden, jetzt gibt es für 2000 einen. Ich fände es traurig, weil der Laden für den Ortsteil schon ein Stück Lebensqualität ist. Unter dem Dach einer Genossenschaft sollte der geplante Dorfladen an der Rosenstraße in Cappenberg betrieben werden.

Von der Idee bis zum Scheitern






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