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Kreisstraße: Container verschwinden

Selmer Baustelle zieht langsam weiter

Selm Von Pressbohrer bis Notstromaggregat – die Bauarbeiter packen seit Montag schräg auf Höhe der Eisdiele zusammen. Noch atmen die Anwohner aber nicht auf.

Selmer Baustelle zieht langsam weiter

Manchmal muss es Handarbeit sein. Wo genau die Versorgungsleitungen liegen, ist nicht bekannt, daher setzen die Bauarbeiter, die zusätzliche Leitungen verlegen, auf die Schaufel statt auf die Baggerschaufel.

Seit März ist die Kreisstraße gesperrt. Seit März laufen die Geschäfte schlecht für die Händler und Dienstleister zu beiden Seiten der Straße. Silvia Reimann ist eine von ihnen. „Die Kundschaft bleibt weg“, sagt sie, „kein Wunder“: Wo früher ein Gehweg war, stehen jetzt rot-weiße Warnbaken vor dem kleinen Blumenladen an der Kreisstraße 65. Dahinter klafft ein Loch. Und wo früher Autos fuhren, stehen zwei massige Metallcontainer – noch. Ihre Stunden sind gezählt.

Großes Aufräumen

„Am Mittwoch werden die Container abgebaut“, hatte Lothar Unrast von den Stadtwerken bereits am Donnerstagabend dem Stadtplanungs- und dem Umweltausschuss angekündigt. „Doch, das bleibt dabei: Mittwoch kommen die beiden weg“, bestätigt am Montag der zuständige Bauleiter des Straßenbauunternehmens Sonntag. Die beiden Metallkisten bergen Technik, die für die Kanalbohrung nötig war. Die ist jetzt abgeschlossen.

Am Montag hat auf dem Baustellenabschnitt in Höhe der Eisdiele, da wo der große Übergabeschacht für die Kanalarbeiten war, das Aufräumen begonnen. „Der Pressbohrer ist schon weg“, sagt am Nachmittag einer der Bauarbeiter, „das Notstromaggregat ebenfalls“, fügt sein Kollege hinzu.

Bohrkopf saß fest

Zur Erinnerung: Beim Bau des Regenwasserentlastungskanals war der Großbohrkopf beschädigt worden. Er hatte sich unterirdisch so unglücklich an einer dort nicht erwarteten Spundwand verkeilt, dass die Bauarbeiter ihn durch einen weiteren Schacht bergen mussten. Das hat Monate lang gedauert und 500 000 Euro zusätzlich gekostet: Mehrkosten, die alle Gebührenzahler tragen müssen. Laut Kämmerin Sylvia Engemann werde die Abwassergebühr entsprechend steigen – „allerdings nur um wenige Cent für jeden“.

Selmer Baustelle zieht langsam weiter

So sah es noch am Freitag aus: Die Container und davor das Loch in der Fahrbahn. Dieses Szenario soll bald der Vergangenheit angehören. Die Baustelle ist damit zwar noch längst nicht beendet, wandert aber weiter, Richtung Süden. Weitzel Foto: Foto: Jürgen Weitzel

Inzwischen ist der verkantete Bohrkopf befreit. „Die beiden Enden der Bohrung sind miteinander verbunden“ so Lothar Unrast. Das Wasser fließe, wie gewünscht, in Richtung Selmer Bach. Ende des Jahres soll der Auslaufschacht in den Selmer Bach komplett fertig sein.

Was derzeit die Bauarbeiter besonders beschäftigt: der Einbau der Versorgungsleitungen in die Bürgersteige. „Gas, Wasser, drei Leerrohre der Telekom, zwei Leerrohre der Stadt, Niederspannungsleitung, und Hochspannungsleitung“, zählt Unrast auf. Bei diesem Einbau, der gerade vor Silvia Reimanns Blumenladen erfolgt, kommen die Bauarbeiter langsamer voran als erhofft – wegen einer Vorsichtsmaßnahme. „Wir arbeiten fast nur mit der Schaufel, sagt einer der Männer. Das Risiko, dass die Baggerschaufel Leitungen beschädige, sei zu groß. Wir haben dort Dutzende alte Versorgungsleitungen in der Erde gefunden, die in keinem Kataster aufgeführt waren“, erläutert Unrast.

Startschuss für neuen Kreisverkehr

Immerhin: Jetzt geht es voran, wie der Stadtwerke-Mann verspricht. Nächste Woche würden für den neuen Kreisverkehr am Beifanger Weg die Bürgersteige gesetzt. Die Stadt ziehe die Kanalarbeiten innerhalb des zweiten Abschnittes von der Einmündung Landsbergstraße bis hin zur Buddenbergstraße vor, um so Zeit zu gewinnen. „Ich rechne damit, dass Ende 2018 alles fertig ist“, so Unrast.

Anliegerin noch skeptisch

Silvia Reimann steht in ihrem Blumenladen und schüttelt den Kopf. „Nach all dem, was passiert ist, wäre ich da vorsichtig.“ Die Floristin, die seit Monaten Geld zuschießen muss, um mit ihrem Geschäft über die Runden zu kommen, fährt zurzeit drei Mal pro Woche nach Ascheberg auf einen Autobahnparkplatz, um dort jeweils gegen 4 Uhr frische Waren in Empfang zu nehmen. Ob sie der Lieferant nach dem Wegräumen der Container am Mittwoch wieder direkt beliefern kann, glaubt sie noch nicht. „Aber ich würde mich gerne einmal positiv überraschen lassen.“

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