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Zertifizierte Erziehung

So bringen Landwirte Kindern den Bauernhof nahe

Selm Kindern die Natur nahebringen, ihnen Landwirtschaft praxisnah vermitteln und auch den Umgang mit Tieren lehren: Genau das haben 20 Landwirte im Lehrgang Bauernhof-Erlebnispädagogik gelernt. Auf dem Hof Spinne haben sie dabei ihre Höfe vorgestellt – und zahlreiche Unterschiede festgestellt.

So bringen Landwirte Kindern den Bauernhof nahe

Auf dem Hof Spinne wurden die Projekte vom Lehrgang „Bauernhof-Erlebnispädagogik“ präsentiert. Foto: Wilco Ruhland

Einem kleinen Münsterländer-Hof in Ostbevern soll wieder mehr Leben eingehaucht werden. Dorothee Wellenkötter ist dort aufgewachsen. Sie und 19 andere Landwirtinnen und ein Landwirt bekamen am Mittwoch ihre Zertifikate zu dem Lehrgang „Bauernhof-Erlebnispädagogik“ der Landwirtschaftskammer NRW.

Diese wurden in Nordkirchen im Plettenberger Hof vom Vizepräsidenten der Kammer, Karl Werring, überreicht. Auf dem Selmer Hof Spinne präsentierten sie vorher ihre eigenen Projekte, auf dem „Marktplatz kreativer Ideen“.

Die Natur einfach erleben

Wellenkötter erklärt: „Eltingmühlenhof soll er mal heißen. Ich möchte Jahreszeitenkurse anbieten und Kinder sollen die Natur einfach erleben und der Bedarf ist auch da.“

Es gehe dabei gar nicht um besondere Attraktionen oder dergleichen: „Klar könnte man auch mal eine Strohburg bauen, aber weniger ist mehr. Es geht bei mir vor allem darum, einfach auf dem Hof zu sein und die tägliche Arbeit in der Natur zu erleben“, sagt die hauptberufliche Erzieherin.
„Ich habe mir gedacht, dass man ja vielleicht irgendwann den Beruf und sein Zuhause verknüpfen kann“, so Wellenkötter.

Die Qualität einheitlich transportieren

Der Lehrgang ging elf Tage mit 98 Unterrichtsstunden über ein ganzes Jahr, um den Jahresverlauf in theoretischen und praktischen Übungen aufzugreifen. Die Landwirte lernten, wie sie die erlebnispädagogischen Angebote der Höfe individuell gestalten, praktisch umsetzen und einkommenswirksam vermarkten können. Dabei wurden also sowohl die pädagogischen, als auch die rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte der Projekte beleuchtet.

Die Teilnehmer des überhaupt erst zweiten Lehrgangs in Westfalen-Lippe, kommen aus ganz NRW und teilweise auch von weiter weg. „Das ist ein ganz besonderer Lehrgang, den gibt es bundesweit nicht so oft“, sagt Liselotte Raum von der Landwirtschaftskammer NRW.

Dabei würde auch mit den anderen Landeskammern kooperiert, um einen einheitlichen Lehrplan zu haben, erklärt sie. „Das Ziel ist die Qualität einheitlich zu transportieren, damit alle das gleiche Level haben.“ Landesweit gäbe es etwa 60 zertifizierte Höfe. Der Hof Spinne sei in der Region der Einzige, sagt sie.

Keine besondere Benotung

Besonders benotet wurden die einzelnen Projekte nicht, dafür seien sie auch einfach zu individuell, so die Referentin für Ökonomie und Qualität von Landservice-Unternehmen. Es komme immer darauf an, was der jeweilige Hof, aber auch der Mensch hergebe, führte Raum aus.

Den eigenen Hof so umzustellen, löse auch eine gewisse Persönlichkeitsentwicklung aus, da es auch darauf ankomme, sein Wissen den Kindern vermitteln zu können. Verschiedenste Referenten hätten durch die Kurstage geleitet und auch der Erlebnishof Spinne hätte sich für die Praxisübungen zur Verfügung gestellt.

Praxisübungen auf Hof Spinne

Petra Balster-Spinne hat das Zertifikat selbst 2012 in Schleswig-Holstein bekommen und konnte den Teilnehmern so mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Tatkräftig unterstützt wurden diese Praxisübungen von der Kindertagesstätte St. Ludger. Rund 25 Kinder wurden an drei Vormittagen auf den Hof eingeladen und so bekamen die Teilnehmer des Lehrganges Aufgaben in der Arbeit mit den Kindern.

Die neue Alpaka-Freundschaft

Eine Leidenschaft und somit auch den Präsentationsstand hingegen teilen sich zwei Teilnehmerinnen. Maria Ernsting aus Neuenkirchen und Sabine Priggen-Querl aus Steinfurt halten beide Alpakas auf ihren Höfen.

Sie haben sich in dem Kurs kennengelernt und eine Freundschaft entwickelt. „Wir kannten uns vorher nicht, haben dann aber festgestellt, dass wir nur etwa zehn Minuten auseinanderwohnen und dazu auch noch beide mit Alpakas arbeiten. Das war schon eine große Überraschung“, erzählen sie.

Sie hätten auch durchaus vor, in der Zukunft gemeinsame Aktionen zu planen.

Therapie und Pädagogik mit Alpakas

Maria Ernsting hält seit Dezember letzten Jahres Alpakas. Angefangen habe es bei ihr damit, die Tiere als Therapietiere bei Demenzkranken und dergleichen einzusetzen. Jetzt wird sie auch in den Bereich Erlebnispädagogik gehen.

Sabine Priggen-Querl hält ihre Tiere seit diesem Jahr. Sie erklärt, welche Ansätze es gibt, die Paarhufer in der Arbeit mit Kindern einzusetzen: Zum einen könne man über die Verarbeitung der Wolle sprechen.

Außerdem wäre das Schöne an Alpakas, dass diese das Verhalten der Menschen spiegeln würden. „Man muss schon selbst zur Ruhe kommen, damit die Tiere auch entspannt sind“, erklärt sie. Darüber hinaus gibt es aber auch Kinder die Angst vor den Tieren hätten. Doch auch diesen könne man einiges beibringen: „Wie kann ich das Tier beeinflussen ohne es anzufassen“, lautet da etwa ein Ansatz.

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