Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Wilde Äpfel und Birnen

So sieht es auf Selms Streuobstwiesen aus

SELM „Jakob Lebel“, „Harberts Renette“ oder „Geflammter Kardinal“? Das sind weder Schriftsteller noch Gräfinnen noch seltene Vogelarten. Es sind Apfelsorten. Und zwar solche, die man heute nicht mehr im Supermarkt kaufen kann. Solche Apfelsorten wachsen auf Streuobstwiesen - und zwei davon gibt es auch in Selm.

So sieht es auf Selms Streuobstwiesen aus

Uwe Norra an einem Apfelbaum am Selmer Bach. Einer der Äste ist beim letzten Sturm abgeknickt - ganz normal bei Streuobstwiesen. Foto Niehaus

„Hier müsste dringend mal wieder gemäht werden“, sagt Uwe Norra und zeigt um sich. Der Selmer NABU-Pressesprecher ist eigentlich Vogel-Experte, aber auch er weiß, wo sich die beiden Streuobstwiesen auf Selmer Gebiet befinden. Gerade steht er auf einer von ihnen, am Grünen Weg. Genau an der Stelle, wo der Selmer Bach entlang fließt. Und das Gras rings um ihn ist tatsächlich hüfthoch.

Wilde Natur auf Selms Streuobstwiesen

Uwe Norra an einem Apfelbaum am Selmer Bach. Einer der Äste ist beim letzten Sturm abgeknickt - ganz normal bei Streuobstwiesen. Foto Niehaus
Alte Apfelsorten werden auf Streuobstwiesen angebaut. Foto Niehaus
Die Streuobstwiese am Grünen Weg in Selm ist auch Heimat von Steinkäuzen und Hornissen. Foto Niehaus
NABU-Mitglieder haben Nistkästen für Steinkäuze und Hornissen in den Streuobstgärten angebracht. Foto Niehaus
Auch für Insekten sind Streuobstwiesen wichtige Rückzugsgebiete. Foto Niehaus
Wer möchte Heu mähen? Wer noch hungrige Schafe hat - auf der Streuobstwiese am Selmer Bach sind die Tiere willkommen. Foto Niehaus
Streuobstwiesen - für Insekten ein Eldorado. Foto Niehaus
Ein flotter Hüpfer. Der mag zwar keine Äpfel, fühlt sich hier aber trotzdem wohl. Foto Niehaus
Diese Wiese in Bork wurde vor zehn Jahren als "Ausgleichsfläche Wörth" angelegt. Foto Niehaus
Dünger oder Pflanzenschutzmittel? Von wegen: Die alten Obstsorten gedeihen hier auch ohne Nachhilfe. Foto Niehaus
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Obstwiese steht ein Storchennest. Auf dankbare Mieter warten die NABU-MItglieder noch. Foto Niehaus
Hm, lecker! Uwe Norra hat keine Angst vor bösen Stiefmüttern und beißt herzhaft zu. Foto Niehaus

Hinter Norra sieht man rund 40 knorrige Obstbäume. Hauptsächlich Äpfel, aber auch die ein oder andere Birne oder Pflaume ist dabei. Uralt sehen einige von ihnen aus, doch gepflanzt wurden sie gerade einmal vor 22 Jahren. „Benedikt Warnke hat diese Wiese mit mehreren Leuten angelegt“, erzählt Uwe Norra. „Einmal im Jahr kommen die Pfadfinder. Sie ernten die Äpfel, pressen sie und machen davon Apfelsaft.“

Suche nach Abnehmern für gemähtes Heu

Nur mit dem Mähen der 6500 Quadratmeter großen Wiese gibt es Probleme. „Eine Herde Schafe wäre ideal. Oder jemand, der kommt und das Heu mitnimmt. Wir suchen händeringend Abnehmer. Das ist gutes Viehfutter, sozusagen ein gefundenes Fressen.“ Das Gras sieht in der Tat toll aus; die Gräser, Blumen und Kräuter sind voller Insekten. Bienen, Libellen, seltener Schmetterlinge, Grashüpfer.

Auch in den Bäumen leben Tiere. „Wie haben hier Nistkästen für Steinkäuze und Vorrichtungen für Hornissen in die Bäume gesetzt“, erläutert der Experte. Und seitdem kann man in der Umgebung nachts wieder Käuzchenrufe hören.

Wichtiger Lebensraum für Insekten und Vögel

Dass Streuobstwiesen ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Vogelarten sind, weiß auch Mario Masell von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Unna. „Heute werden selbst Vorgärten zu Schotterwüsten, weil die Leute kein Unkraut mehr zupfen wollen. Dabei ist jede Wildblumenwiese so wichtig und wertvoll“, bedauert er.

Streuobstwiesen wurden früher auch „Hütewald“ genannt, weil das Vieh auf ihnen weidete. Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft sind sie fast verschwunden. Zu unpraktisch waren die vielen Bäume, unter denen keine modernen Maschinen mehr her passten. Es gab sogar Rodungsprämien für die gefällten Bäume.

Wilde Äpfel haben ganz eigenen Geschmack

Im zweiten Selmer Biotop beißt Uwe Norra gerade herzhaft in einen Apfel. „Ich hab keine Angst, bin ja nicht Schneewittchen“, sagt er und lacht. Dann genießt er erst mal. „Lecker“, sagt er. „So was kriegt man im Supermarkt nicht, da schmecken die alle gleich.“

SELM Er ist zehn Hektar groß und gilt als grüne Lunge der Stadt: der Zechenbusch im östlichen Stadtzentrum. Mit dem Förster Marco Adamek finden Sie hier einen kleinen Rundgang durch den kleinen Wald mit großer Bedeutung. Außerdem können Sie Ihr Wissen in unserem Zechenbusch-Waldquiz testen!mehr...

Diese Wiese, auch Ausgleichsfläche Wörth genannt, liegt an der Luisenstraße zwischen Bork und Selm. Rund 30 Bäume wurden dort vor ungefähr zehn Jahren von Michael Dorenkamp und Dirk Niggemann, weiteren NABU-Kollegen, gepflanzt. Auch diese Bäume sehen schon alt aus – weil sie zu den schnell wachsenden Sorten gehören. „Hier mäht immer Bauer König ein- bis zweimal im Jahr“, weiß Norra.

Frösche fühlen sich im hohen, feuchten Gras wohl

Die Wiese inmitten von Mais- und Weizenfeldern wartet gleich mit zwei Besonderheiten auf: Zum einen gibt es dort kleine Tümpel, in denen der seltene Laubfrosch eine Heimat gefunden hat. Zum anderen steht in kurzer Entfernung ein vom NABU gebauter Storchenhorst. Mieter hat er zwar noch nicht, aber Norras Ornithologen-Herz hofft auf baldige Gäste.

Und dann läuft Norra durch das Gras wieder zum Gatter, das die Wiese vom angrenzenden Feld trennt. Und zwar ganz vorsichtig, um nicht einen der vielen kleinen Frösche zu erwischen.

LÜNEN Ein Stück Natur mit viel Obst, Schafen und Hühnern: Die Streuobstwiese in Brambauer am Hasenweg ist eine von zehn bis elf im Lüner Stadtgebiet. Der Lüner Arbeitskreis Umwelt und Heimat bewirtschaftet die Wiesen. Ein Rundgang beweist - hier gibt es viel zu entdecken.mehr...

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Mit Umfrage

Das sagt ein Selmer Schulleiter zur Rückkehr zu G9

SELM Abitur in acht Jahren, Abitur in neun Jahren - was denn nun? Die Rückkehr zu G9 ist ein schwieriger Prozess. Wir haben den Leiter des Selmer Gymnasiums Ulrich Walter gesprochen und gefragt, wie er die aktuellen Entwicklungen bewertet.mehr...

Neue Arbeitsplätze

Firma McAirlaid's stellt sich in Selm vor

SELM Neuer Name, neue Gesichter, neue Arbeitsplätze im Selmer Gewerbegebiet Werner Straße: Beim IHK-Wirtschaftsgespräch am Montagabend hat sich die Firma McAirlaid‘s selbst vorgestellt. Was die Firma herstellt und was ihre Pläne für den Standort Selm sind, hat Geschäftsführer Alexander Maksimow verraten.mehr...

Treffen im Haus Kreutzbach

Gutes Zeugnis für den Wirtschaftsstandort Selm

SELM Zufrieden zeigte sich der IHK-Hauptgeschäftsführer mit dem Wirtschaftsstandort Selm. Der Bürgermeister warb beim Treffen im Haus Kreutzbach auch für Investitionen in die Infrastruktur. Und er erklärte, warum er manchmal dünnhäutig auf Kritik von Bürgern oder Presse reagiert, wenn es um Investitionen in Selms Infrastrukur geht.mehr...

McAirlaid's

Neues Werk schafft 100 neue Jobs in Selm

SELM Die Firma McAirlaid‘s zieht nach Selm. Der Rat hat zugestimmt, dass die Stadt eine Gewerbefläche an die Firma verkauft. Für Selm bedeutet das, dass in den nächsten Jahren rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Dass sich Selm gegen andere Konkurrenz-Standorte durchsetze, hat einen bestimmten Grund.mehr...

Quizzen Sie mit!

7 Tage - 7 Fragen: Das Wochenquiz für Selm

SELM Welches Fest wird gefeiert? Was bereitet Selms Einzelhändler Sorgen? Was muss man beachten, wenn man umzieht? Und welches Tier starb? In unserem Quiz können Sie jede Woche testen, ob Sie alles mitbekommen haben. Seien Sie dabei und spielen Sie mit!mehr...

Einweihung im Advent

Bau der neuen Kapelle an St. Josef ist im Zeitplan

SELM Der Bau der Kapelle am Altenwohnhaus St. Josef Selm befindet sich im Zeitplan. Am dritten Adventssonntag soll sie eingeweiht werden. Auch mit dem Bau des Pfarrheims wurde begonnen. Etwas später als geplant, denn hier sollte es bereits im August losgehen. Wenn alles gut geht, ist es im nächsten Frühjahr fertig.mehr...