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Kastrationspflicht?

Überpopulation: Selm hat ein Katzen-Problem

SELM In der Stadt Selm und im gesamten Kreisgebiet gibt es nach Einschätzungen des Kreises Unna ein Problem mit zu vielen frei lebenden, verwilderten Katzen. Was der Kreis, die Stadt Selm, der Hegering, das Kreistierheim, die Tierschützerin und das Ministerium sagen, haben wir hier zusammengetragen.

Überpopulation: Selm hat ein Katzen-Problem

Sunne Hübner mit Ingeborg und Kessy (l.)

> Das sagt der Kreis:

„Wir haben in Selm eine Problematik“, bestätigt Dr. Anja Dirksen , Leiterin des Sachgebiets Veterinärwesen vom Kreistierheim Unna. Im ganzen Kreis Unna seien in fast allen Städten und Gemeinden sogenannte „Katzenhotspots“ in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierschutzvereinen festgestellt worden. So bezeichnet der Kreis eine große Ansammlung von verwilderten Katzen.

Kreis Unna soll zur Schutzzone werden

Bei Wildpopulationen müsse man nachweisen, dass diese Schmerzen leiden – beispielsweise durch Krankheiten und Mangelernährung. Und man müsse nachweisen, dass Kastration das Leiden mindern könne. Das sei der Fall. „Wir haben uns entschieden, den Kreis Unna zur Schutzzone zu machen“, so Dirksen.

Auch dritter Anlauf gescheitert

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Das bedeutet, würde die Verordnung eingeführt, dass alle Katzen im gesamten Kreis Unna kastriert und gekennzeichnet sein müssen, bevor sie rausgelassen werden dürfen. Einen entsprechenden Entwurf wolle man beim nächsten Kreistag vorlegen. Ein Inkrafttreten einer möglichen Verordnung erwartet Dirksen aber nicht vor 2018.

> Das sagt die Stadt Selm:

Laut Stadtsprecher Malte Woesmann gebe es in Selm allerdings kein Problem mit frei lebenden Katzenpopulationen. Auch eine Kennzeichnungs- oder Kastrationspflicht gibt es in Selm zurzeit nicht. Um Fundtiere kümmere sich laut Woesmann Tierschützerin Ute Unverdorben. Fundtiere sind zahme, frei lebende Katzen, die eingefangen und ins Tierheim gebracht werden können – Fundkatzen sind vermittelbar.

Hauptausschuss hat entschieden

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Kastrationspflicht gegen unkontrollierte Vermehrung

Eine andere Sache sind verwilderte Katzen. „Es ist nicht so, dass wir kein Problem haben“, so Unverdorben. Wild lebende Tiere fängt die Ehrenamtliche ein und sorgt dafür, dass sie kastriert werden, bevor sie, weil unvermittelbar, wieder am Fundort ausgesetzt werden können. „Es sind überall zu viele frei lebenden Katzen, die sich unkontrolliert vermehren“. Das Problem könne man durch Kastrationspflicht zumindest runterfahren.

> Das sagt der Hegering

In der Diskussion um frei lebende Katzen und eine mögliche Überpopulation kommt auch immer wieder der Aspekt des Jagdrechts aufs Tableau: Das im Mai 2015 in Kraft getretene neue Ökologische Jagdgesetz verbietet seitdem den Abschuss von Hauskatzen. „Wenn man Katzen findet, sagen wir Jägern, bitte ans Tierheim abgeben“, so Hegeringsleiter Andreas Witthoff vom Hegering Selm.

In der Urlaubszeit mehr Katzen in den Revieren

Denn gerade in der Urlaubszeit bemerkten die Jäger laut Witthoff in den Revieren mehr Katzen – vermutlich also ausgesetzte Tiere. Allerdings ist das Einfangen von Katzen in freier Natur für Privatpersonen verboten. Im Tierheim würden die Tiere aber zumindest kastriert, so Witthoff.

> Das sagt das Kreistierheim

Auch für Tiere aus Selm ist das Kreistierheim Unna die entsprechende Anlaufstelle. Das Tierheim hat seit der Gesetzesänderung keinen „Anhaltspunkt“, dass es mehr Katzen gebe. Das teilte Kreissprecherin Birgit Kalle auf Anfrage der Redaktion mit.

Zurzeit seien zehn Katzen dort untergebracht. Das sei aber nur eine Momentaufnahme, denn jederzeit könne das Tierheim viele Tiere bekommen. Gerade in der Urlaubszeit oder in der Zeit, in der Katzen ihre Jungen bekommen, würde die Zahl der Tiere, die ins Tierheim kommen, steigen. Spitzenwerte von bis zu 40 Katzen seien durchaus möglich, so Kalle.

Nicht jede Katze ist ausgesetzt oder verwildert

Außerdem sei nicht jede Katze, die draußen frei herum laufe, unbedingt ein ausgesetztes oder verwildertes Tier. Es könne auch das Haustier eines Besitzers sein, das nur auf Streifzug sei. Damit das eigene Haustier im Zweifelsfalle immer wieder aufgefunden werden könne, rät Kreissprecherin Kalle, Hauskatzen chippen zu lassen.

Auch Katzen, die immer wieder zum Fressen bei jemanden auftauchen, könnten durchaus einfach nur Tiere aus der Nachbarschaft sein.

> Das sagt die Tierschützerin

Eigeninitiative zeigt die Selmer Tierschützerin Susanne Hübner: Selbst Katzenbesitzerin, kümmert sich die 50-Jährige nicht nur um die eigenen, sondern auch um „verwilderte“ Tiere.

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Denn dass ausgesetzte Katzen in der freien Natur einfach zurechtkämen, das stimme nicht. Oftmals seien die Katzen unterernährt und die Populationen von typischen Krankheiten wie Katzenschnupfen und Infektionskrankheiten geplagt.

Überpopulation bei streunenden Katzen ist Problem

Und auch die Tierschützerin sieht eindeutig ein Problem der Überpopulation bei streunenden Katzen, da sie sich unkontrolliert vermehren können. „Eine Katze, sei sie noch so unterernährt, bekommt zwei bis dreimal einen ganzen Wurf Junge im Jahr“, so Hübner. Da könne man sich ausrechnen, wie viele wild lebende Katzen es gebe.

Für eine Chip- und Kastrationspflicht spricht sich auch Hübner aus. Die Chippflicht könne Besitzer davon abhalten, ihre Tiere einfach auszusetzen. Die Kastrationspflicht helfe, die Populationen einzudämmen. Denn frei lebende Katzen hätten, durch Hunger und Krankheit, „kein schönes Leben“, so Hübner.

> Das sagt das Ministerium

„Hauskatzen haben ein hohes Vermehrungspotenzial und können bei unkontrollierter Fortpflanzung lokal zu einem Problem werden“, heißt es auf den Seiten des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz. Ganz genaue Fallzahlen zu erheben, sei aber sehr schwierig – mal sehe man einige Katzen, mal nicht.

Die Kastration helfe, den Bestand verwilderter Katzen einzudämmen. Das Land NRW fördert dafür sogar Tierschutzvereine finanziell, heißt es dazu auf den Internetseiten des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz.

Die Rechtslage



Der Abschuss


Das Aussetzen


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