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Aufnahme von 1917

Altes Bild weckt Erinnerungen

SÜDLOHN Alte Fotos erzählen auch ein Stück Geschichte. Manchmal reicht das über den Familienkreis hinaus wie bei einem besonderen Bild aus dem Ersten Weltkrieg.

Altes Bild weckt Erinnerungen

Franziska Temminghoff hält ein 100 Jahre altes Bild in der Hand, das ihr Vater Bernhard Niehaus (stehend, 2.v.r.) 1917 an seine Schwester Elisabeth geschickt hatte.Ohm Foto: Foto: Thorsten Ohm

Ernst schauen die jungen Männer in die Kamera des Fotografen. Sie tragen die Uniform von Matrosen, einige halten Waffen in den Händen. Es liegt genau 100 Jahre zurück, dass die leicht vergilbte Aufnahme ihren Weg von Kiel nach Südlohn fand: Bernhard Niehaus hat sie damals seiner Schwester Elisabeth geschickt – ein lieber Gruß zum Namenstag.

Heute freut sich seine Tochter darüber, dass dieses Bild wieder aufgetaucht ist. „Meine Tante hatte es aufgehoben, dort fand es sich wieder“, berichtet Franziska Temminghoff. Ihr Cousin habe erkannt, dass das Bild ihren Vater zeigte und es ihr übergeben. Sie lebt in Vreden und hütet nun dieses Zeugnis ihrer Familiengeschichte aus dem Ersten Weltkrieg.

Glück gehabt

Bernhard Niehaus war als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen worden. Für den 19 Jahre alten jungen Mann ein Schritt heraus aus seinem Heimatdorf, in dem er sein Leben bis dahin verbracht hatte – ein Schicksal, das er im Ersten Weltkrieg mit vielen seiner Altersgenossen teilte. Aber anders als andere hatte Bernhard Niehaus Glück. Franziska Temminghoff berichtet: „Mein Vater war gelernter Schuhmacher. Deshalb wurde er in der Marine auch so eingesetzt.“

Zwar musste Niehaus wohl auch zeitweise an Bord eines Kriegsschiffes Dienst tun. Doch die meiste Zeit war er mit dem beschäftigt, was seine beruflichen Fertigkeiten ausmachte: Er kümmerte sich ums Schuhwerk, Kampfeinsätze blieben ihm erspart.

Zu sechst waren Bernhard und seine Geschwister im Elternhaus an der Eschstraße aufgewachsen, drei von ihnen mussten in den Ersten Weltkrieg – alle kamen lebend zurück in die Heimat. „Ein Bruder meines Vaters ist später im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen, beim Bombenangriff auf Stadtlohn“, berichtet Franziska Temminghoff über ihre Familiengeschichte. Sie zückt im Gespräch mit unserer Zeitung die Lupe und versucht, die kleinen, feinen Buchstaben in Sütterlin-Handschrift zu entziffern, mit denen ihr Vater vor einem Jahrhundert die Karte beschriftet hat und die das Datum „16. November 1917“ trägt. „Hoffentlich geht es Dir noch gut. Das kann ich auch von mir berichten“, sandte Bernhard mitten im Ersten Weltkrieg beruhigende Nachrichten an die Lieben daheim.

Lied lebte weiter

Ihr Vater habe später seinen zwölf Kindern immer wieder einmal von seiner Zeit bei der Marine berichtet. „Wir haben dann auch ein Lied gesungen, dass er dort gelernt hatte und uns dann beigebracht hat“, erinnert sich Franziska Temminghoff schmunzelnd. Sie denkt gerne zurück an die Zeit, in der die Familie im Elternhaus in Südlohn gelebt hat. Ihr 1978 verstorbener Vater ging lange Zeit seinem Beruf weiter nach, gründete eine Familie, betrieb eine kleine Landwirtschaft und später ein Fuhrgeschäft. Daran hat Franziska Temminghoff ganz besondere Erinnerungen. Denn damals zogen noch Pferde den schwarzen Leichenwagen von der Kirche zum Friedhof. „Den Wagen haben wir Kinder geputzt, damit er auch feierlich glänzte“, weiß Franziska Temminghoff noch. Doch das ist ein anderes Kapitel der Geschichte.

Viele junge Männer aus Südlohn kamen aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr heim. Im Band „Heimat Südlohn“ findet sich eine lange Liste der Namen der Südlohner Toten, Gefallenen und Vermissten dieser Zeit.

Insgesamt weist die Liste 73 Männer aus Südlohn aus, die ihr Leben zwischen 1914 und 1918 ließen. Die meisten von ihnen in Frankreich.

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