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Werner Triathlet im Interview

Kamil Jablonski träumt vom Iron Man auf Hawaii

WERNE Am Dienstag brauchte Triathlet Kamil Jablonski nur seine Laufschuhe. Beim Dortmunder Halbmarathon konnte er Neoprenanzug und Rennrad zu Hause lassen. In der abgelaufenen Saison erlebte der 31-jährige Polizist viel Neues, denn es war sein erstes Jahr als Triathlet. Im Interview spricht der Lüner, der für die TV Werne Wasserfreunde startet, über Atemnot im Freiwasser, Anfängerfehler und natürlich den Traum vom Iron Man auf Hawaii.

Kamil Jablonski träumt vom Iron Man auf Hawaii

Erst seit etwas mehr als einem Jahr ist der 31-jährige Kamil Jablonski ein Triathlet. In den nächsten Jahren will er auf ein ZIel hinarbeiten: Am Iron Man auf Hawaii teilzunehmen.

Kamil, im Sommer 2016 haben Sie erstmals an einem Triathlon teilgenommen. Stimmt es, dass Sie nicht mal ein Rennrad hatten? Michael Hörsken, ein Kollege bei der Polizei, und ich haben uns während des Dienstes immer mal ausgetauscht. Ich war Läufer und Fußballer, Michael bereits Triathlet. Mit Fahrrädern hatte ich nichts zu tun. Vor einem Triathlon in Münster ist ein Kollege ausgefallen und hat mir seinen Startplatz angeboten. Da hieß es dann: Willst du nicht mal?

Sie wollten, hatten aber kein Rad? Ich hatte ein Crossrad. Ich meine, man muss sich das Rad anschaffen, es pflegen ... Das war so ein Hindernis für mich. Ich wollte mir auch nicht das Rad des Kollegen leihen und bin dann einfach mit dem Crossrad gestartet.

Wurden Sie von den anderen Teilnehmern mit ihren Rennrädern nicht schief angeschaut? Ach, ich hatte genug mit mir zu tun. Bis dato hatte ich noch nie eine Wechselzone gesehen. Ich habe mir vor dem Wettkampf Klickpedale, Rennradschuhe, Lenkeraufsatz und einen Einteiler zugelegt und das Ganze dann mal ausprobiert.

Wie war ihr erstes Mal? Ich wusste, dass ich fit bin und die Olympische Distanz schaffen würde. Ich weiß die Zeit nicht mehr genau, irgendwas um 2:18 Stunden (2:19:35 Stunden, Platz 19 in der AK 30, 83. von 288 Teilnehmern), aber ich weiß noch, dass das Wasser die Hölle war. Ich hatte keinen Neoprenanzug, war das erste Mal im Freiwasser und überall waren Körper. Die Brille hat beschlagen, es gab Schläge auf den Kopf, ich konnte nicht atmen und kraulen erst recht nicht.

Da habe ich mich schon gefragt, was ich da eigentlich mache. Aber dann hat es irgendwie doch funktioniert. Als ich aufs Rad bin, habe ich einfach Vollgas gegeben. Ich hatte ja kein Empfinden für eine Renneinteilung. Ich habe mich einfach aufs Laufen gefreut und wollte vom Rad. Ich bin noch ganz euphorisch die 10 Kilometer unter 40 Minuten gelaufen, aber danach war ich auch richtig platt.

Olympische Distanz heißt 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Das ist auch die Distanz im Ligabetrieb. Mit den TV Werne Wasserfreunden sind Sie im Sommer in die Oberliga aufgestiegen, haben drei von vier Läufen gewonnnen. Wie wichtig waren Ihnen die Einzelsiege? In der Liga ist das wirklich egal. Da ging es mir um den Gesamtsieg des Teams.

Anfang September sind Sie in Köln erstmals 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer geradelt und abschließend einen Marathon gelaufen. Wie hart war die erste Langdistanz für Sie? Im ersten Moment war es super. Wenn ich es mit etwas Abstand analysiere, hätte es besser laufen können.

Was lief nicht gut? Im Wasser lief es zunächst besser als gedacht. Nach 1:05 Stunden war ich durch. Fünf Minuten schneller als geplant. Aber das passt auch in Köln, wo man auf einer Regattabahn mit geführten Bahnen schwimmt. Da kann man die Orientierung nicht verlieren. Dann habe ich einen Anfänger-Fehler gemacht.

Was ist passiert? Es war saukalt am Morgen und ich hatte mir extra Armlinge in die Wechselzone gelegt. Dann habe ich das Visier vom Helm verloren, musste es wieder anbringen und habe wegen des Zeitverlustes die Armlinge liegen lassen. Das war ein Riesen-Schnitzer.

Warum? Ich bin nicht warm geworden. Die ersten anderthalb Stunden auf dem Rad waren die Hölle. Den Fehler werde ich nie wieder machen. Später kam die Sonne raus, dann ging’s.

Für Platz sechs hat es gereicht. Wie wichtig sind Taktik und eingespielte Abläufe? Man versucht natürlich nach Puls und Verpflegung zu fahren und zu laufen. Aber der Fehler hat mich so aufgeregt. Das Laufen bin ich mit Wut im Bauch viel zu schnell angegangen, im Schnitt in 4:20 Minuten auf den ersten Kilometern. Ich bin da wie ein Schizophrener rumgelaufen und habe mir selbst zugerufen: Brems dich! (lacht)

Das wirkt ziemlich improvisiert. Wann hat sich ihr Körper gemeldet? Vom Kopf her war alles super. Hinten raus kommen natürlich die Schmerzen.

Wie zeigt sich das? Ich hatte keine Krämpfe, aber die Beine werden schwer, der Körper wird müde. Du wirst einfach langsamer, läufst deutlich über fünf Minuten pro Kilometer. Ab Kilometer 25, 26 schaltest du dann in den Autopilot.

Wie zwingt man sich dazu, nicht aufzugeben? Ich versuche mir immer wieder vorzuhalten, noch so und so viele Kilometer zu laufen. Wenn man sich mal Zieleinläufe ansieht, dann brechen Läufer oft im Ziel zusammen. Der Körper sagt: Okay, für die Distanz stelle ich dir noch was zur Verfügung. Wenn das Ziel erreicht ist, dann ist Ende. Dann geht auch nichts mehr.

Wie lässt sich ihr Sport mit dem Beruf vereinbaren? Ich bin nicht auf Streife, eher zivil unterwegs und deshalb flexibel bei meinen Schichten. Ich arbeite zum Beispiel von 18 bis 2 Uhr. Dann kann es gut sein, dass ich vor der Arbeit schon fünf Stunden trainiert habe.

Wie hoch ist das Trainingspensum im Schnitt? Eine klassische Woche besteht aus neun bis zehn Kilometern im Wasser, 300 bis 500 Kilometern Radfahren, 50 bis 80 Kilometern Laufen.

Wie kommen Sie als Triathlet über den Winter? Mit Kraft- und Athletiktraining und weniger Schwimmen, Rad und Laufen, damit man wieder richtig Lust darauf bekommt.

Sind Sie früher geschwommen oder Rad gefahren? Früher habe ich beim BV Lünen Fußball gespielt und wollte Profi werden. Es hat nur für die Kreisliga gereicht.

Versuchen Sie sich im Schwimmen technisch zu verbessern und geht das ab 30 Jahren überhaupt noch? Ein Top-Schwimmer wird man nicht mehr, aber ich habe mir Videos auf Youtube angeschaut, ein Buch gelesen und wenn ich auf die Zeiten schaue, dann geht das.

Sie haben bei Null angefangen, was haben Sie finanziell in ihr Hobby gesteckt? Rund 10.000 Euro. Da sind ein Rennrad und ein Triathlonrad für je 3500 Euro mit drin. Dann kommen Neoprenanzug, Verschleißteile und Meldegebühren dazu. Für Langdistanzen starten die bei 300 Euro.

Kamil, wissen Sie, was am Samstag, 14. Oktober, auf Hawaii passiert? Dann findet dort der klassische Iron Man statt. Ich habe mir für den Tag schon frei genommen, damit ich die Übertragung live verfolgen kann.

Wann schafft es Kamil Jablonski, dort zu starten? Der Iron Man auf Hawaii ist auf jeden Fall mein Traum. Man muss sich auf einer lizenzierten Veranstaltung dafür qualifizieren, das ist eine eigene Marke. Für nächstes Jahr bin ich für einen Iron Man in Maastricht gemeldet. Ich will mich optimal vorbereiten und gucken, wo ich lande. Aber in zwei Jahren ist es vielleicht realistischer.

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