Premiere: Mit Picasso ins Ballett

MÜNSTER Das Picasso-Museum wird zehn Jahre alt. Das Jubuläumsjahr wird eingeläutet mit einem Tanzstück, für das Pablo Picasso im Jaht 1917 Kostüme und Bühnenbild entwarf. Die münstersche Choreografin Claudine Merkel hat das Stück neu konzipiert.

  • Xinyun Lu ist Tänzer an der Nationalen Oper Peking und tanzt in Münster die "Parade" im Picasso-Museum.

    Xinyun Lu ist Tänzer an der Nationalen Oper Peking und tanzt in Münster die "Parade" im Picasso-Museum. Foto: pd

Als das Ballett „Parade“ im Jahr 1917 in Paris uraufgeführt wurde, erntete es Buhrufe und wüste Beschimpfungen. Vor allem die Musik von Erik Satie mit Revolverschüssen, Schreibmaschinengeklapper und Sirenen sorgte für Unmut. Satie schrieb daraufhin einem Kritiker: „Herr und theurer Freund, Sie sind ein Arschloch, zudem ein unmusikalisches.“

    
Nach fast 100 Jahren ist das Tanzstück vom 29. Juni bis zum 4. Juli im Picassomuseum Münster in einer kompletten Neuinszenierung zu sehen. Die münstersche Choreografin Claudine Merkel hat zum zehnten Geburtstag des Museums dieses skandalöse Werk der Tanzgeschichte neu gedeutet.

Picasso entwarf die Kostüme


Es war die Künstleravantgarde, die sich 1917 die „Parade“ ausgedacht hat: Für Erik Satie war es das erste Ballett, das er komponierte, geschrieben wurde es von Jean Cocteau, Sergei Diaghilevs legendäres Ballett durfte es tanzen – und Pablo Picasso entwarf Bühnenbild und Kostüme. Auch für ihn war das Neuland. Zeichnungen und Entwürfe von damals existieren noch und sind in Pariser Museen zu bewundern. Sie zeigen ein buntes Zirkustreiben mit geflügeltem Pferd und Gauklern.

Zirkuswelt

Im Originalstück versuchen drei Marktschreier mit allerhand Akrobatik, Zaubertricks und Pantomime, Besucher in ihr Zirkuszelt zu locken. Davon hat sich Claudine Merkel inspirieren lassen. „Picasso ist für uns alle, die wir Parade inszenieren, ein Zauberwort“, sagt sie. Mit einer Mischung aus Tanz, Gesang, originaler und neu komponierter Musik schafft die Choreografin ganz frische, humorvolle, aber immer noch sehr experimentelle Bilder. Die ersten Proben mit den drei international tätigen Tänzern Marianne Simon, Armin Biermann und Xinyun Lu sind vielversprechend. Es wird rasant und grell, aber auch sanft und poetisch. Ein Chinese führt mit männlicher Rasanz den Säbel, um sich dann ganz plötzlich in eine geschmeidige Geisha zu verwandeln ...

Die Musik zur neuen „Parade“ schrieb der münstersche Komponist Burkhard Fincke, die Kostüme entwarf der Designer Jean Malo (er wird extra aus Paris zur Premiere anreisen). Die Oboistin Stefanie Bloch aus Münster begleitet die Tänzer. „Es wird ein Experiment“, sagt Claudine Merkel, „genauso wie damals.“

Der Beginn des Surrealismus

Bei der Uraufführung im Jahr 1917 saßen auch Marcel Proust und Picassos Freund Guillaume Apollinaire im Publikum. Apollinaire schrieb keinen Verriss. Er benutzte zum ersten Mal, so erzählt Museumschef Markus Müller, das Wort „sur-realismus“, im Sinne einer „intensivierten Realitätswahrnehmung“. Und intensiv, so verspricht Müller, wird auch „Parade“: „Wir eröffnen das Jubiläumsjahr nicht mit einer leisen Ouvertüre, sondern mit einem lauten Tusch.“


  • Die Premiere am 29. Juni ist ausverkauft. Weitere Aufführungstermine: 30. Juni, 1. und 2. Juli jeweils um 20 Uhr. Am 3. und 4. Juli jeweils um 19 und 21.30 Uhr.
  • Karten gibt es an der Kasse des Picasso-Museums und unter Tel. (0251) 41447-13 für 10, ermäßigt 8 Euro. Die Aufführungen finden im Picasso-Museum in Münster statt.
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Autor
Sabine Müller
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    9. Juni 2010, 21:34 Uhr
    Aktualisiert:
    9. Juni 2010, 21:40 Uhr