Opernhaus Dortmund: Henzes "Junger Lord" ist ein operettenhafter Spaß

DORTMUND Als "deutsches Lustspiel" hat Hans Werner Henze seine Oper "Der Junge Lord" bezeichnet. "Komische Oper" heißt der Zweiakter beim Verlag.

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  • Christine Mielitz bringt die Operette "Der Junge Lord" leicht, modern und spritzig auf die Bühne in Dortmund.

    Christine Mielitz bringt die Operette "Der Junge Lord" leicht, modern und spritzig auf die Bühne in Dortmund. Foto: Menne

  • Bei der Ruhr.2010, in der Hans Werner Henze im Fokus steht, könnte diese Inszenierung ein Publikumsmagnet werden.

    Bei der Ruhr.2010, in der Hans Werner Henze im Fokus steht, könnte diese Inszenierung ein Publikumsmagnet werden. Foto: Menne

Die Dortmunder Opernchefin Christine Mielitz hat in ihrer Inszenierung aus dem 1965 in Berlin uraufgeführten Werk eine moderne Operette gemacht.

Leicht, spritzig und sehr vergnügt hat sie das "Affentheater" im Dortmunder Opernhaus auf die Bühne gebracht, schüttet ein Füllhorn an Ideen und optischen Turbulenzen aus. So viel zu Gucken und zu Staunen gibt es selten in der Oper. Die Premiere, eine Dortmunder Erstaufführung und die erste Aufführung seit vielen Jahren in NRW, wurde lautstark bejubelt.

Ein Laser auf der Bühne des Dortmunder Opernhauses

Ein Hauptdarsteller ist ein Laser. Er malt Bilder auf die Kleinstadtkulisse, in der die Zeit geistig und in den Charlie Chaplin-Kostümen in den 1920er Jahren stehen geblieben zu sein scheint (Ausstattung: Kaspar Glarner). Sir Edgar (eine stumme Rolle für Hannes Brock) steigt aus einer Laser-Limousine, später fliegen Fledermäuse und Spinnen aus Licht durch das Gespensterhaus, und Luise und Wilhelm singen ihr Liebesduett im Laser-Regen. Die Bühnenbild-Elemente des Lasers nehmen keinen Platz in den Werkstatt-Depots weg, und sind optisch so reizvoll wie ungewohnt auf der Opernbühne.

Christine Mielitz folgt Henzes pointierter Musik

So schnell wie das Licht ist auch das turbulente Treiben auf der Bühne, das im Laufe der sechs Bilder immer verrückter und ausgelassener wird. Burlesk zugespitzt, augenzwinkernd nahe an der Karikatur, hat Mielitz die Szenen üppig bebildert und folgt damit sehr genau Henzes pointierter, fast ohne Zäsur durchkomponierter Musik. Die bringen die Dortmunder Philharmoniker unter der präzisen, straffen Leitung von Generalmusikdirektor Jac van Steen punktgenau und farbig zum Klingen.

Mit Zitaten überschüttet Henze die Zuhörer. Mielitz greift das auf und zitiert ebenfalls munter. Den Butler, der wie in "Dinner for one" über den Tierfellkopf stolpert, sehen wir. Und dass der junge Lord, der die Bewohner der Kleinstadt als dressierter Affe, als Tier im Adelsgewand, an der Nase herum geführt hat, aber als Star anhimmelt wird, aussieht wie Bill Kaulitz, der Sänger der Teenie-Kultband "Tokio Hotel" ist ein aparter Gag.

Ein Ensemble-Stück mit riesigem Personalaufwand ist der "Junge Lord". Große Arien und Duette gibt es selten. Sie bleiben dem Liebespaar Luise (ausdrucksstark: Martina Schilling) und Wilhelm vorbehalten, das Librettistin Ingeborg Bachmann dem Märchen von Wilhelm Hauff hinzugefügt hat. Jeff Martin gibt den singenden Affen - drei weitere tauchen mit artistischen Einlagen in der schön in Szene gesetzten Zirkusszene auf und schwingen am Kronleuchter.

Henze-Projekt der Ruhr.2010

Bei der Ruhr.2010, in der Henze im Fokus steht, könnte diese Inszenierung ein Publikumsmagnet werden. Es ist schade für jeden, der diesen operettenhaften Spaß nicht gesehen hat.

    
Karten: Tel. (0231) 5027222.

Autor
Julia Gaß
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    18. Mai 2009, 11:51 Uhr
    Aktualisiert:
    19. Mai 2009, 13:56 Uhr
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