Festival: Tage alter Musik in Herne beendet

HERNE Wer eine Rundreise durch Raum und Zeit buchen wollte, war bei den 34. Tagen alter Musik in Herne am richtigen Ort. Es gab eine interessante Mischung vom 12. bis 17. Jahrhundert. Händel hätte gejubelt – Mozart blieb ein Papiertiger.

  • Überzeugte bei den Tagen alter Musik mit toller Leistung: Anne Azema.

    Überzeugte bei den Tagen alter Musik mit toller Leistung: Anne Azema. Foto: Boston Camerata

Klanglich suggestiv zurück ins Mittelalter mit der Boston Camerata, zur Kirchenmusik des Armenviertels La Vallicella, so etwas wie die römische Bronx des 16. Jahrhunderts, oder zu barocker Fandango-Lebenslust bei der nächtlichen Begegnung von Andreas Staier und Christine Schornsheim.

Dass Weltklasse und Enttäuschung auch bei einem renommierten Festival eng zusammen liegen, bleibt bei so viel Experimentierfreude nicht aus.

Die großartigen Gesangsleistungen in seinem „Ezio“ hätte auch Händel stehend bejubelt, das Mozart-Projekt von Franz Raml war dagegen bestenfalls auf dem Papier interessant.

Mit „Tristan und Isolde“ als Mittelalter-Oper erregte die Boston Camerata schon vor 20 Jahren viel Aufsehen. Schon damals begeisterte ihre neue Leiterin Anne Azema als Isolde. Die Musik ist zwar patchworkartig aus verschiedenen Quellen des 12. bis 14. Jahrhunderts zusammengestellt. Aber dank erstklassiger Sänger, die sehr sensibel von Fidel, Flöte, Zink, Harfe und Rebec begleitet wurden, entstand ein klanglicher Liebeszauber, dem sich kein Hörer entziehen konnte.

Fans aus dem Ausland

Solche Klänge machen alljährlich den besonderen Reiz dieses Festivals aus. Dazu gehören auch die bezaubernden Anklänge an ursprüngliche italienische Volksmusik, die das Concerto Romano in der Musik fand, die im 16. und 17. Jahrhundert für die Armenkirche in Vallicella geschrieben wurde. Etwa die auf dem Rhythmus der Tarantella erzählte Weihnachtsgeschichte.

Für solche Erlebnisse reisen Hörer von weither an, sogar aus dem Ausland. Eine Sängerbesetzung wie in Händels „Ezio“ erleben aber auch sie nicht oft. Veronica Cangemi ließ den Klang mit großer Ausdrucksbreite funkeln. Und da Konkurrenz das Geschäft belebt, sangen auch Sonia Prina, Kristina Hammarström und die Männer auf grandiosem Niveau.

Beim Basler Kammerorchester übersieht man oft, wie bemerkenswert es sich unter Dirigenten wie Christopher Hogwood entwickelt hat. Davon profitierte Attilio Cremonesi, bei dem man deutlich hörte, dass er lange mit Rene Jacobs arbeitete.
 
Autor
Klaus Lipinski
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    16. November 2009, 17:30 Uhr
    Aktualisiert:
    16. November 2009, 17:32 Uhr
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