Verkehrspsychologie: Flirt-Tipps für den Ampelstopp

BERLIN Ein Winken, ein Lächeln, ein paar freundliche Worte von Auto zu Auto: Wenn sich der Verkehr staut, haben selbst schüchterne Naturen prima Flirtchancen. Allerdings sollten sie bei Annäherungsversuchen nicht zu viel Gas geben.

  • Im Stau lässt es sich prima flirten. Das entspannt - und der Ärger über die Zwangspause verfliegt im Nu. (Bild: Andrea Warnecke/dpa/tmn)

    Im Stau lässt es sich prima flirten. Das entspannt - und der Ärger über die Zwangspause verfliegt im Nu. (Bild: Andrea Warnecke/dpa/tmn)

Warum fluchen und zetern, wenn die Fahrt mal nicht weitergeht? Lächeln lohnt sich schon eher - denn Ampelstopps und Staus bieten tolle Gelegenheiten für einen Flirt. Mit etwas Glück sitzt im Wagen auf der Nachbarspur ein attraktiver Mensch, der sich auf das neckische Spiel einlässt. «Das entspannt», sagt Jürgen Merz, Verkehrspsychologe beim TÜV Süd. Und wer entspannt sei, der fahre aufmerksamer Auto. Ein Flirt an der Ampel fördert also nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die Verkehrssicherheit.

Viele Deutsche nutzen Ampeln und Staus zum Flirten

Die Deutschen machen gerne Annäherungsversuche von Wagen zu Wagen: Knapp drei Viertel (71 Prozent) gaben bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact an, schon einmal mit anderen Verkehrsteilnehmern geflirtet zu haben. Etwa ein Drittel (31 Prozent) nutzt dafür regelmäßig Zwangspausen vor Ampeln und in Staus.

Die Kontaktfreude der Autofahrer verwundert den Flirtexperten und Bestsellerautor Phillip von Senftleben nicht. «Das Auto ist eine Art Schutzkäfig. Die Hemmschwelle ist geringer, man braucht nur ein Mindestmaß an Mut.» Und wer einen Korb bekommt, kann seinen Blick einfach wieder auf die Straße richten - als wäre nichts gewesen. «Hinter dem Schutzwall aus Blech und Glas lässt sich eine Abfuhr leichter verkraften», erklärt von Senftleben.

Was ist beim Flirten im Auto erlaubt?

Voraussetzung fürs Flirten ist natürlich ein erster Blickkontakt. Der lässt sich von Auto zu Auto nicht so leicht herstellen wie an einer Bar, hier erweist sich der Schutzkäfig als Hindernis. Fortuna muss daher bei der Kontaktaufnahme etwas nachhelfen. Winken ist auch erlaubt. Den Motor aufheulen oder die Reifen quietschen lassen hingegen nicht. «Das müsste allen Beteiligten peinlich sein», sagt von Senftleben. «Es sei denn, man sitzt am Steuer einer Schrottkarre - dann ist das lustig und zeigt Selbstironie. Dasselbe gilt, wenn eine Frau mit dem Gas spielt und so Machoallüren karikiert.»

Ein Kavalierstart oder auch aufdringliches Hupen könnten als Anbaggern verstanden werden. Und das hat wenig mit Flirten zu tun. «Unter Flirten kann man eine kurze gegenseitige erotische Wertschätzung verstehen - ein Anlächeln, das bedeutet: Wir finden uns gegenseitig attraktiv», erläutert der Essener Psychologe und Paartherapeut Rüdiger Wacker. Anbaggern sei eine aggressive Form des Flirtens, zielorientiert und egoistisch. «Das ist eher plump», so Wacker. Baggern verdirbt deshalb leicht die Chance auf einen Flirt.

    
Der Wagen kann als Blickfang eine Rolle spielen, ob ein Flirt zustande kommt oder nicht. «Untersuchungen nach schauen Frauen mehr auf Statusautos wie hochwertige Geländewagen», sagt Psychologe Merz. «Sie stellen sich darin einen bestimmten Typ von Mann vor. Einen, der mit beiden Beinen im Leben steht, der erfolgreich und stark ist.» Frauen weckten eher in einem kleinen bunten Stadtwagen das Interesse von Männern - «das macht einen witzigen Eindruck».

Was sagt das Auto über den Besitzer aus?

 

Phillip von Senftleben gibt zu bedenken, dass Frauen meist viel pragmatischer bei der Wahl ihres Wagens seien als Männer. «Das Auto einer Frau sagt deshalb oft nicht so viel über sie aus wie der Wagen eines Mannes über ihn.» Andersherum ist er überzeugt, dass Frauen mit ausgeprägtem Familiensinn eher auf einen Edelkombi-Fahrer reagieren als auf den Porsche-Cabrio-Typ. «Der Edelkombi steht für Status und Pragmatismus, der Porsche für Draufgängertum und Erfolg, aber nicht unbedingt für Beständigkeit und Treue», erläutert der Flirtprofi.

Warum Motorradfahrer mehr Flirtchancen haben

Beste Flirtchancen hätten Motorradfahrer, trotz ihres Helms. «Ich habe nie mehr Resonanz auf ein Winken bekommen als vom Motorradsitz aus», berichtet von Senftleben. «Der Helm hat etwas Geheimnisvolles. Und eine eindrucksvolle Maschine strahlt so viel Männlichkeit aus, dass sie entwaffnend auf Frauen wirkt.» Ist die Aufmerksamkeit gesichert, rät er flirtlustigen Bikern: «Visier aufklappen, lächeln, hoffen, dass sie das Fenster öffnet - und dann passende Worte finden wie: Wie soll ich Dich anrufen, wenn ich Deine Nummer nicht habe?»

Der Ampelflirt an sich ist ein Spiel. Doch was tun, wenn es funkt, wenn plötzlich Schmetterlinge im Bauch flattern? Ohne Austausch von Kontaktdaten ist ein Wiedersehen unwahrscheinlich. Merz rät jedoch davon ab, vorschnell zu viel von sich preiszugeben. Beim Gegenüber handelt es sich schließlich um einen wildfremden Menschen.

Den Flirtpartner näher kennenlernen - Geht das?

Seine Handynummer oder E-Mail-Adresse auf einen alten Parkzettel zu kritzeln und weiterzureichen oder die Nummer im Stau mit Lippenstift ans Seitenfenster zu schreiben, hält er für ungefährlich. Seine Privatadresse rückt man aber besser nicht heraus. Und eine spontane Verabredung auf einem abgelegenen Parkplatz ist auch keine gute Idee, warnt Merz. «Eine belebte Straße bietet mehr Sicherheit.»

Ziemlich clever sei es, immer eine geschäftliche Visitenkarte im Wagen griffbereit zu haben, empfiehlt von Senftleben. Die lasse sich gut von Fenster zu Fenster herüberreichen und verrät nicht zu viel, aber genug für eine Verabredung. «Außerdem kann man kann damit prima herumwedeln, um für einen Flirt die Aufmerksamkeit auf sich lenken.»

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Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    25. Oktober 2011, 10:28 Uhr
    Aktualisiert:
    25. Oktober 2011, 17:34 Uhr