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13.02.2013 12:23 Uhr
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Fastenzeit im Wandel: Verzicht auf Genuss oder Luxus

Münster (dpa) An Aschermittwoch ist alles vorbei? Von wegen. Für viele Menschen beginnt an diesem Tag ein jährliches Experiment: In den Wochen bis Ostern auf Luxus zu verzichten und Belastendes zu vermeiden.

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Die Menschen verzichten in der Fastenzeit weiterhin auf die klassischen Genussmittel. Aber auch Einschränkungen etwa beim Auto oder Internet werden immer populärer. Foto: Kai Remmers (Foto: dpa)

Statt auf Nahrung verzichten die Menschen in der Fastenzeit immer mehr auf Genuss oder Luxus. Das beobachtet die Theologin Judith Könemann. Mit dem Ende des Karnevals beginnt an Aschermittwoch eine knapp siebenwöchige Verzichtsphase, die mit den Osterfeiertagen endet. Laut Könemann, die an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster am Exzellenzcluster «Religion und Politik» arbeitet, hat sich das Fasten in den vergangenen Jahren gewandelt.

Welche Bedeutung hatte die Fastenzeit ursprünglich?

Könemann: «In fast allen Weltreligionen und religiösen Traditionen spielt das Fasten eine wichtige Rolle. Die Gründe für ein Fasten sind unterschiedlich. Beim Nahrungsfasten geht es um den Verzicht, beim Reinigungsfasten um kultische Reinheit oder den Schutz vor Dämonen. Auch ein Fasten vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts ist nicht ungewöhnlich, so fasten zum Beispiel Neu-Priester vor ihrer Weihe. Fasten steht vielfach auch im Zusammenhang von Sühne und der Ableistung von Schuld.»

Was hat sich geändert?

Könemann: «Die klassischen Traditionen der christlichen Fastenzeit mit dem Verzicht auf Fleisch am Freitag in der katholischen Tradition und der Fastenzeit vor Ostern haben sich verflüchtigt und die Motivationen für ein Fasten haben sich verändert. Ursprünglich sollte die Fastenzeit an das Fasten Jesu in der Wüste erinnern. Heute begründet sich die Motivation zu fasten nicht mehr unbedingt religiös, sondern sie richtet sich vielfach auf den Fastenden selbst. Bei allen Veränderungen scheint Fasten immer noch etwas im Menschen anzurühren, so dass die Fastenzeit in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer einen großen Stellenwert hat. Menschen verbinden mit dem Fasten die Möglichkeit, sich selbst näher kommen zu können, und das hat auch heute eine hohe Faszination.»

Also spielt das klassische Nahrungsfasten kaum noch eine Rolle?

Könemann: «Menschen verzichten heute nach wie vor auf die klassischen Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten oder Luxus-Artikel. Zugleich wird aber immer mehr in Bereichen gefastet, die persönlich als einschränkend erlebt werden, und so gehören heute auch das Auto oder moderne Kommunikationsmittel wie SMS und E-Mail zu den Dingen, die "gefastet" werden. Und wenn die Menschen doch Nahrung fasten, stehen dabei vielfach der eigene Körper und die Selbstwahrnehmung im Mittelpunkt, etwas, das auch mit moderner Spiritualität verbunden ist. Ging es in den 80er-Jahren beim Fasten noch oft um Botschaften wie Gerechtigkeit oder Umweltschutz, steht heute eher der Wellnessgedanke im Vordergrund. Die bewusst leibliche Dimension des Fastens hängt vielleicht auch mit der Tatsache zusammen, dass die Erfahrung unmittelbarer Körperlichkeit, etwa durch körperliche Arbeit, in unserer Dienstleistungsgesellschaft deutlich zurückgegangen ist.»

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