Aus dem Kongo vertrieben: Blinder Masseur für Patienten unentbehrlich
HALTERN Wenn sich seine Patienten unter seinen Händen fallen lassen und entspannen, sieht Kalekita Buiti das auch nicht. Er spürt es. Kalekita Buiti ist blind, vor 35 Jahren verlor er bei einem Autounfall in seiner Heimatstadt Kinshasa das Augenlicht. Kompliziert findet er sein Leben deshalb nicht.
Spieler von Hannover 96 gedenken ihres verstorbenen Mannschaftskollegen und Nationaltorwart Robert Enke am Mittelkreis in der AWD-Arena in Hannover. (Foto: dpa)
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Aus der Heimat Kongo vertrieben
„Wir sind glücklich, dass er bei uns im Team bleiben kann“, empfängt ihn Susanne Sapinski, Leiterin des Kompetenzzentrums. Buiti wirke manchmal streng, aber „er ist ein ganz lustiger Typ“. Kalekita Buiti kennt die Kehrseiten des Lebens. Der Bürgerkrieg vertrieb den Physio- und Musiktherapeuten vor zehn Jahren aus seinem Heimatland Kongo. Zwei Kinder ließ er schweren Herzens zurück, hält aber nach eigenen Angaben Kontakt zu ihnen. Der 44-Jährige kann nicht wieder nach Kinshasa, eine Reise in den Kongo könnte ihn das Leben kosten, fürchtet er.
Von 1999 bis 2003 wartete Buiti in Deutschland auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Die Zeit nutzte der Kongolese, um Musik zu machen. In Marl gründete er einen Gospel Chor. Im Oktober 2003 die Erlösung: Kalekita Buiti durfte als anerkannter Flüchtling in Deutschland bleiben. Er lernte weiter Deutsch und bildete sich 30 Monate lang als Masseur und medizinischer Bademeister an der gemeinnützigen Elisabeth-Dicke-Schule für Blinde und Sehbehinderte in Mainz fort. „Den Neuanfang in Deutschland zu organisieren, war nicht immer leicht. Ich hatte viele Schwierigkeiten“, sagt er, aber das sei jetzt vorbei. „Ich bin glücklich“, vor allem wegen der Chancen, die ihm das Leben doch noch bot.
"Ich sehe nicht einmal Licht"
Kalekita Buiti lebt mit seiner Ehefrau und seinem vierjährigen Sohn in Marl. Von hier aus fährt er täglich mit Bahn und Bus zum St.-Sixtus-Hospital. „Ich sehe gar nichts, nicht einmal Licht“, aber zunächst mit einem Lehrer als Begleiter und jetzt mit einem Blindenstock an der Hand entwickelte er Techniken, seinen Weg zu finden. „Ich habe mich noch nie verlaufen oder verfahren und ich habe auch noch nie einen Zug verpasst“, ist Buiti stolz. Dafür hat er lange geübt. „Wichtig ist, dass man keine Angst hat.“
Noch wichtiger ist für ihn, dass er sich auf sein gutes Gefühl verlassen kann, wenn Patienten mit Beschwerden zu ihm in die Therapie kommen. Er lässt sie erzählen, spürt rasch und genau mit seinen „sehenden Händen“ die Schmerzpunkte, massiert sie fort. „Ich liebe meinen Beruf und tue deshalb alles, damit es meinen Patienten gut geht.“ Er rät, nicht erst zu kommen, wenn die Schmerzen quälend werden.
Eine Massage wöchentlich
Allen, die täglich im Büro sitzen und sich wenig bewegen, empfiehlt er regelmäßige Massagen. Sie unterstützen die Muskulatur, sorgen für eine gute Durchblutung und beugen Krankheiten vor. „Jeder sollte sich das gönnen, am besten einmal in der Woche.“ Diese Dosis reicht, um locker zu werden und entspannt Haltung anzunehmen.
Die ist von ihm täglich gefordert. Manche Therapiezentren tun sich schwer, Blinde in ihr Arbeitsteam zu integrieren. In Haltern gab es keine Ressentiments: Kalekita Buiti wurde sofort genommen. „Toll, ganz toll habe ich das gefunden.“ Der 44-Jährige ist gern in Deutschland. Hier möchte er bleiben, zum Arbeiten am liebsten in Haltern.








