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Ermenonville (dpa/tmn) Sie ist nicht so berühmt wie ihr Pendant in Südafrika. Doch die Gartenroute in Nordfrankreich hat jede Menge grüne Kunstwerke zu bieten. Und eine Anlage atmet den Geist eines großen Aufklärers: den des Philosophen Jean-Jacques Rousseau.
Anziehungspunkt für viele Touristen: Die Gärten von Yves Gosse de Gorre sind im Örtchen Séricourt zu finden. (Bild: CRT Nord / Pas de Calais/Samuel Dhote/dpa/tmn)
Der damalige Besitzer Marquis René Louis de Girardin schuf vor knapp 250 Jahren einen Landschaftspark im englischen Stil, der nur der Natur verpflichtet war: ohne dekorative Blumenbeete an Wegen, vor Mauern und auf Rasenflächen.
Heute ist nur noch ein Teil des Parks erhalten, in dem der Philosoph am 2. Juli 1778 begraben wurde. Doch Besucher können immer noch stundenlang auf geschwungenen Wegen durch naturähnlich angeordnete Bäume und Büsche flanieren, vorbei an Teichen und Gartenstaffagen sowie an künstlichen Ruinen und Grotten - die jedoch nicht der Rousseau'schen Idee entsprechen.
Zu den kleineren, eher versteckt liegenden Gärten der Route gehört die «Ferme du mont des récollets». Das Kleinod liegt in der nördlichsten Region Frankreichs, in Nord-Pas de Calais, zwischen Steenvoorde und der Karnevalsstadt Cassel. Der diplomierte Landschaftsgärtner Emmanuel de Quillacq hat sich 1990 auf diesem Stück fruchtbarer Erde zwischen sanften Hügeln niedergelassen. Damals lag das L-förmige Gehöft in Ruinen: Das Hauptgebäude war zerfallen, die Scheune drohte einzustürzen, und außer kniehohem Unkraut und Sträuchern gab es auf dem riesigen Gelände nur einen armseligen Nussbaum erzählt Emmanuel, der lieber Manu genannt werden will.
In 20 Jahren verwandelte er die Ruine in ein Vorzeige-Steingehöft, wie man es in den Deko-Zeitschriften für schönes Wohnen findet: fachmännisch restauriert mit grünen und weißen Fenstern, die alle auf einen der 14 Gärten hinausgehen. «Quadratisch, rigide, strikt» erklärt Manu den Stil, in dem er seine grüne Oase gestaltet hat.
Nur rund 50 Kilometer weiter in Richtung Amiens liegt Bergueneuse. 220 Menschen leben heute in dem Ort, und in der Rue du Mont erahnt man, warum die ehemalige Grafschaft Artois das Land der sieben Täler heißt. Denn kaum hat man den Eingang zum Park «Skulpturen und Garten» durchschritten, blickt man auf sanfte, saftig-grüne Hügel.
«Uns hat diese Landschaft sofort begeistert», erzählen Françoise und Jacques Droulez. Das war 1978, als sie Lille verließen und hier das kleine strohbedeckte Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert kauften. Damals gehörte zum Grundstück nur ein 800 Quadratmeter großer Garten.
Heute erstreckt sich ihr Skulpturenpark auf rund 3000 Quadratmetern. Der Weg führt durch Blumenmassive aus blauen Akeleien, orangefarbenen Staudenmohn und weiß-rosafarbene Porzellanblümchen.
Während Françoise die Wegränder und Passagen mit Azaleen, Magnolien und Deutzien schmückt, verschönert der ehemalige Kunstprofessor Jacques den Garten mit seinen Metallskulpturen. Tier-und Menschengestalt ähnlich, tauchen sie hinter großen Hibiskusblüten auf oder stehen wie Wegweiser mitten auf einer freien Rasenfläche.
Hinter Bergueneuse führt die Gartenroute weiter in das 25 Kilometer entfernte Séricourt. Der Ort hat zwar nur 50 Einwohner, doch er ist in den vergangenen Jahren zu einem Anziehungspunkt Tausender holländischer, englischer, belgischer und deutscher Touristen geworden. Der Grund für Séricourts Berühmtheit: die Gärten von Yves Gosse de Gorre. Mit einem solchen Erfolg hatte der französische Landschaftsgärtner nicht gerechnet, als er 1985 die ersten Stauden pflanzte. Seitdem hat der Pflanzenzüchter einen Garten geschaffen, das fast schon ein Kunstwerk ist.
Die in Quadraten eng gruppierten Taxusbäume sind wie die Terrakotta-Krieger im chinesischen Xi?an zugeschnitten. De Gorre hat Hunderte dieser Krieger aus säulenartig aufragenden Eiben geschaffen. Sie stehen sich in zwei Reihen gegenüber, so als wollten sie gleich aufeinander losstürmen. «Garten der Krieger» nennt er dieses Werk. Gleich daneben steht der «Kriegsrat», eine Gruppe buschig-runder Thujen. Ihnen hat der Künstler die Form wilder Gesichter gegeben. Sie sollen an die Grotesken des römischen Theaters erinnern, doch wer den nordfranzösischen Karneval kennt, denkt unwillkürlich an die beliebten Figuren der Riesen.
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