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Oberstdorf/Riezlern (dpa) Sie sind spektakulär, bieten fantastische Ausblicke und sind eine sichere Sache. Diese Kombination macht Klettersteige so beliebt und zieht immer mehr Abenteurer in die Allgäuer Alpen.
Abenteuer pur: Klettersteigen in den Allgäuer Alpen wird trotz oder gerade wegen des Nervenkitzels immer beliebter. (Bild: dpa)
Bis vor wenigen Minuten hat sich Iris Thiele auf das bevorstehende Bergabenteuer riesig gefreut. Doch seit der Bergführer ihr den Klettergurt angelegt und sie mit einem Klettersteig-Set und Helm ausgerüstet hat, macht sich Nervosität breit. «Irgendwie habe ich jetzt das mulmige Gefühl, dass es doch gefährlicher wird als gedacht», sagt die 48-Jährige aus Wuppertal und blickt skeptisch zum Gipfelkreuz. Dort oben an der 2059 Meter hohen Kanzelwand in den Allgäuer Alpen endet der Walsersteig, ein Klettersteig für Einsteiger. Auf Iris Thiele warten etwa 200 Klettermeter in leicht ausgesetztem Gelände.
«Der Walsersteig ist sehr beliebt. Vor allem Familien, die in der Region Urlaub machen, wagen hier ihre ersten Klettersteigversuche», sagt Olli Sinz von der Bergschule Kleinwalsertal, die diesen Steig angelegt hat. Die Schwierigkeit ist mit dem Grad B der fünfstufigen Skala angegeben: mäßig schwierig. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine komplette Klettersteigausrüstung werden vorausgesetzt. «Man muss schon auch mal kräftig anpacken. Aber der Steig ist so gebaut, dass er auch für Kinder ab acht Jahre machbar ist», sagt Sinz.
Auch die Familie Braun aus dem Sauerland will im Allgäu gemeinsam das Kletter-Abenteuer erleben. «Nur aus diesem Grund sind wir hierher in Urlaub gefahren», sagt Thomas Braun. Sein Sohn Philipp hatte sich dieses Bergerlebnis unbedingt gewünscht. Der 14-Jährige freut sich dann auch, als es endlich los geht. Von der Kanzelwand-Bergstation erreicht die Gruppe mit ihrem Bergführer nach etwa 20 Minuten den Einstieg zum Klettersteig. Dort hängen sie nach einer kurzen Anweisung ihre Sicherungen in das dafür vorgesehene Stahlseil und steigen langsam über Felsstufen und Eisenklammern nach oben. Mit den Händen halten sie sich am Fels oder am Seil fest.
Der Walsersteig hält für die Kletterneulinge einige Überraschungen bereit. So wartet nach anstrengenden Querungen und kurzen Steilpassagen kurz vor dem Ende noch eine luftige Seilbrücke. Nach etwa einer Stunde kommen Sinz und seine Gruppe am Gipfelkreuz an. Alle sind begeistert. «Die Tour ist ideal für jemanden, der das noch nie gemacht hat. Man ist richtig in den Felsen drin, spürt trotz Sicherungen den Nervenkitzel und hat eine fantastische Aussicht», sagt Thomas Braun. Auch Iris Thiele lächelt selig, als sie den Ausstieg erreicht. «Das hat viel Kraft gekostet, meine Hände tun weh. Aber es war einfach wunderbar», schwärmt sie.
Die steigende Beliebtheit von Klettersteigen in den Alpen schlägt sich in den Sommermonaten auch in den Einsatzzahlen der Bergwacht nieder. «Das ist ganz normal. Wo viele Menschen unterwegs sind, passiert auch mehr», sagt Bernd Zehetleitner, Chef der Bergwacht Sonthofen im Oberallgäu. Vor allem Klettersteige, die mit der Bergbahn leicht zu erreichen sind, zögen immer wieder Abenteurer an, die den Anforderungen nicht gewachsen sind. «Klettersteige sind beliebt, weil man kein Seil braucht, die Knotentechnik nicht beherrschen muss und in den leichteren Steigen immer gesichert ist», sagt Zehetleitner. Die alpinen Gefahren und konditionellen Anforderungen dürfe man dabei jedoch nie außer Acht lassen. «Wer keine Erfahrung hat, sollte keinesfalls alleine unterwegs sein.»
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