Knast-Seelsorger in Peru: „500 Männer bitten sonntags um Vergebung"
BOCHUM Weihnachten ist vorbei. Nicht aber der Weihnachtsurlaub von Pastor Norbert Nikolai. Noch bis Ende Januar ist der gebürtige Bochumer in seiner Heimat unterwegs. Er berichtet von seiner Arbeit, an einem der vielleicht gefährlichsten Orte der Welt.
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7000 Häftlinge
Seit zwei Jahren lebt der Geistliche, der aus Gerthe stammt, in der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt Lima. Das Gefängnis „San Juan de Lurigancho“ ist das größte in ganz Peru. Und das gefährlichste. Vor 60 Jahren wurde es für 2500 Insassen gebaut – heute sitzen dort 7000 Häftlinge ihre Strafen ab. Und mittendrin arbeitet der Priester aus dem Ruhrgebiet.
„Die Polizei ist korrupt, sie verkauft Drogen. Im Knast gibt es Waffen und Gewalt – früher gab es sogar ab und zu Tote“, erzählt der Padre mit unverändert ruhiger Stimme. Die Insassen leben in Baracken – nach Delikten getrennt. Nur wer Geld hat, kann sich einen Platz in einer Doppelzelle erkaufen, beschreibt Pastor Nikolai die katastrophalen Zustände.
Selbst kochen
Die anderen Häftlinge leben auf engstem Raum in Schlafsälen zusammen. Kochen müssen sie selbst. Zweimal in der Woche schickt der Staat Lebensmittel. „Manchmal zu wenig“, so der Pastor.
Der Pastor beugt sich nach vorne, legt die Hände auf den Tisch vor sich. „Es ist schlimm, aber wir können nicht dagegen ankämpfen – wir müssen uns auf unsere Arbeit konzentrieren.“ Zuhören. Kümmern. Hilfe anbieten. „Viele der Insassen haben nie zuvor über sich und ihr Leben nachgedacht – bei uns können sie das tun.“
Bastelkurse
Bastelkurse, Handwerkskurse, ein Anti-Drogen-Projekt, Gesundheitsberatung und Rechtsberatung. Die Pastoral ist offen für jeden. „Manchmal kann allein das Zuhören schon viel helfen, viel lösen.“ Der Priester und das 40-köpfige Team der Pastoral wollen die Menschen ändern – und dadurch für bessere Knast-Zustände sorgen.
Jeden Sonntag gibt es einen Gottesdienst. „500 Männer besuchen den regelmäßig – manche wollen Gott um Vergebung bitten, andere beten für eine schnelle Freilassung“, sagt der Padre, schaut kurz gen Himmel und erklärt: Ein Gefängnis für Häftlinge in Untersuchungshaft gebe es nicht. Und die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Da könne es schon passieren, dass ein Unschuldiger mal zwei Jahre im Knast verbringt. „Wir fragen nie, warum jemand einsitzt“, sagt der 47-jährige Geistliche. „Uns interessiert nicht das Delikt, uns interessiert nur der Mensch.“
Verliebt im Freisemester
Doch wie verschlägt es ein Ruhrgebiets-Kind überhaupt nach Peru? „Als Student habe ich zwei Freisemester in Cajamarca verbracht – und mich in Land und Leute verliebt.“ Als Fidei-Donum-Priester des Bistums Essen hatte er dann vor zwei Jahren die Möglichkeit, in Lima zu wirken.
„Der Vertrag läuft über fünf Jahre, ich könnte mir auch vorstellen zu verlängern“, sagt Nikolai. Fernab der Gefängnismauern habe Peru so viel zu bieten: Unendliche Weiten, wunderschöne Landschaften, spontane Menschen. Einmal im Jahr kommt der Padre deswegen zurück in die Heimat. Einen Monat bleibt er dann und will „Brücken schlagen“, Vorträge und Gottesdienste halten, den Menschen von Peru erzählen.
Wer nicht bis zum nächsten Weihnachtsurlaub des Pastors warten will, kann seinen Internet-Blog verfolgen.

























