Loveparade: ATB schreibt Melodie des Schmerzes
BOCHUM André Tanneberger, besser bekannt als ATB, war auf der Loveparade. Er hat den Ort gesehen, wo 21 Menschen zu Tode kamen. Seinen Auftritt sagte er sofort ab. Noch immer hat der international erfolgreiche DJ aus Bochum die schrecklichen Bilder vom Unglück im Kopf. Um sie zu verarbeiten hat der den Song „In love with you“ geschrieben.
André Tanneberger alias ATB hat in Bochum sein Studio, ist weltweit in Clubs und auf Festivals unterwegs. (Foto: Berliniéros PR)
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Immer wieder bricht seine Stimme. Er stockt. Seine Erzählungen jagen einem Schauer über den Nacken. Soeben hat der Bochumer DJ André Tanneberger, besser bekannt als ATB, die Nachricht vom 21. Todesopfer der Loveparade erhalten. Er war am Samstag in Duisburg dabei und in seinem Kopf sind noch immer grausame Bilder.
SMS beim Auflegen
Tag der Loveparade in Duisburg. 17 Uhr. ATB hat sich mit seiner Crew durch die Menschen auf dem Paradeplatz gekämpft. Er steht auf einem der Wagen, legt auf. Der Bochumer Weltstar ist zwar verwundert über die Zäune und den Zustand des Geländes. Doch die Party ist voll im Gange. Tanzende Menschen um seinen Float. Nach einer halben Stunde kommt die erste Nachricht einer Panik. Auf dem Platz ist es zu diesem Zeitpunkt nicht voll. ATB wird in den Backstage-Bereich gebracht, eine Halle mitten auf dem Gelände. Dort bekommt er die schreckliche Nachricht: 10 bis 15 Menschen sind bei einer Massenpanik gestorben. „Das war surreal“, sagt Tanneberger. Das Handynetz brach zusammen. Und ATB entscheidet sich, seinen Gig auf der Hauptbühne abzusagen.
- Herr Tanneberger, die Loveparade lief weiter, um eine weitere Panik zu verhindern. Sie haben abgesagt…
- Sie wollten nur noch weg. Wie sind Sie von dem Gelände herunter gekommen?
Das sind die Bilder, die man nicht vergisst. Wir sind genau über den Tunnel weggeführt worden, wo das Unglück passiert ist. Das ist furchtbar. Das sind sehr diffuse Eindrücke. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Das läuft ab, wie im Film.
Schotterpisten als Fluchtweg
André Tannebergers Weg vom Gelände: Schotterpisten, kleine Treppen, betonierte Böschungen. Paradoxerweise war genau diese Strecke als einer der Fluchtwege vom Gelände geplant. „Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn es auf dem Platz eine Panik gegeben hätte und die Leute dort entlang gemusst hätten“, so der DJ.
- Haben Sie sich vorab mit dem Gelände befasst?
Ich habe mich nur gewundert, dass die Wagen im Kreis fahren. Hätte ich gewusst, dass das auf einem riesigen Schotterplatz stattfindet, der in meine Augen auch gefährlich ist, dass es eine Planung durch Tunnel gibt, hätte ich mit Sicherheit nicht zugesagt. Man geht davon aus, dass es Regularien gibt, die eingehalten und geprüft werden.
- Wie viele Stunden haben Sie in der Nacht geschlafen?
Nicht viele. Zu dem Song ist es dann am nächsten Tag gekommen.
- Sie haben eine Melodie für die Opfer geschrieben…
Für mich ist es die beste Möglichkeit so etwas in Musik zu verarbeiten. Ich habe mich am nächsten Morgen hingesetzt, diesen Song geschrieben und gedacht, wenn der mir hilft, dann stelle ich den einfach ins Netz. Vielleicht hilft es wenigstens einige Minuten abzuschalten.
Den ATB-Song gibt es im Internet kostenlos
- Der Song kann kostenlos heruntergeladen werden…
…genau. Hört es einfach! Macht die Bilder dazu, die bei euch im Kopf sind. Die Resonanz ist riesig und jeder hat erkannt, dass kein kommerzieller Gedanke dahinter steckt. Ich bin mir natürlich im Klaren, dass es nicht über den Schmerz hinweghilft.
- Einen kommerziellen Gedanken gab es bei der Loveparade. Sie haben von Profitgier gesprochen…
Wenn man so etwas unbedingt veranstalten will, obwohl es negative Äußerungen gibt – wie man jetzt hört –, wenn Regularien außer Kraft gesetzt werden, dann kann nur Profitdenken dahinter stehen. Es gibt so viele Anhaltspunkte, dass man diese Veranstaltung auf Biegen und Brechen durchführen wollte.
- Wie geht es bei Ihnen weiter? Werden Sie am kommenden Wochenende wieder auflegen können?
Ich habe zwei Gigs unter anderem auf einer Großveranstaltung, dem Nature One. Ich werde da spielen, aber ich werde mit genau diesem Song anfangen. Als eine Art Schweigeminute. Und sicherlich wird das Set anders ausfallen, als das normalerweise der Fall gewesen wäre. Die Bilder und die Gedanken sind immer noch extrem gemischt. Danach gehe ich auf Amerika-Tour und hoffe, dass mir persönlich der Abstand hilft, zu verarbeiten.

























