Historische Dokumente: Archivare arbeiten in Bochum an Beständen des eingestürzten Kölner Stadtarchivs
BOCHUM Es war ein Schock, als im März 2009 das Kölner Stadtarchiv zusammenstürzte. Es begrub wertvolle Dokumente unter sich. Teile davon haben Asyl gefunden im ehemaligen Gebäude des Bochumer Stadtarchivs. Dort arbeiten die Archivare noch immer an den Papieren, von denen Teilweise nur Schnipsel übrig sind. Nicht ohne Wehmut.
Ein Nachlass-Dokument aus dem Kölner Stadtarchiv. (Foto: Angela Wiese)
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Es sind Teile der Dokumente, die aus den Trümmern des im März 2009 eingestürzten Kölner Stadtarchivs geborgen wurden. Sie warten hier darauf, von Archivaren gesichtet, eingeordnet, richtig verpackt zu werden. Täglich nehmen sich die Experten mehrere Kisten vor.
Fotostrecke Asyl-Archiv
Das Material wurde nach dem Einsturz des Archives nicht sortiert, nur gesammelt. Die Mitarbeiter wissen vorher nicht, was in einer verschlossenen Kiste schlummert. Sind es gut erhaltene städtische Akten, deren Signaturen nur ins System eingetragen werden müssen? Oder sind es Schnipsel, die die Archivare erst identifizieren, zuordnen müssen? „Man macht die Kiste auf und es ist jedes Mal was anderes drin. Das ist wie Weihnachten“, findet Diplomarchivarin Karoline Meyntz, zuständig für die Bestandszusammenführung.Keine Langeweile
Langweilig werde es jedenfalls nie. Die 33-Jährige greift wahllos nach einer der unbearbeiteten Kisten. Was ist drin? Fotos. Eines zeigt ein Hochzeitspaar. Das andere Willy Millowitsch. Sie sind voller Knicke. Schäden des Einsturzes. Die haften an allen Archivalien, und wenn es nur der Baustaub ist, der das Papier auf Dauer angreift.
Meyntz ist nicht nur in Bochum unterwegs, genauso wenig wie die anderen Archivare, die hier arbeiten. Insgesamt gibt es 20 sogenannte Asyl-Archive, in denen die Dokumente des Kölner Stadtarchives lagern und bearbeitet werden. Richtig restauriert wird erst zum Schluss. In Bochum gilt es, 1000 laufende Regalmeter zu sortieren. Die Hälfte ist geschafft.
Wehmut
Auch in Bochum wird täglich am Bestand gearbeitet. Mechthild Willmes ist seit Dezember hier, hat vorher im Asyl-Archiv in Sankt Augustin gearbeitet. 1974 hat sie ihre Ausbildung im Kölner Stadtarchiv begonnen, seitdem dort gearbeitet. Jetzt sitzt sie über den Trümmern, in diesem Fall den Schnipseln ihrer Arbeit. Das macht die 56-Jährige hin und wieder traurig. Wenn sie über die Papiere gebeugt nach Signaturen sucht, die in das System eingespeist werden können oder nach Anhaltspunkten, die Auskunft über die Herkunft eines Fragments geben können, hält sie oft etwas in den Händen, an dem sie selbst gearbeitet hat.
„Ich erkenne das zum Beispiel an meiner Schrift oder sehe die einer Kollegin“, erzählt sie. Und dann steigt Wehmut in ihr auf. „30 Jahre Ordnungsarbeiten sind kaputt. Ich fange von vorne wieder an“, sagt sie und macht sich Gedanken: „Werde ich es noch miterleben, das alles fertig ist? Das neue Haus?“, fragt sie sich.
Arbeit kommt voran
Auch wenn es beim oberflächlichen Blick auf die Arbeit der Archivare, das tägliche Inspizieren der Akten, so wirken kann: Langeweile kommt hier nicht auf. Das meint auch Nuray Bakirsini. Die 28-Jährige ist seit Oktober ebenfalls mit dabei, täglich die Bergungssoftware zu erweitern, arbeitet sich durch die Pappkartons, hält fest, wie beschädigt ein Dokument ist.
„Es macht Spaß, wenn man zueinander passende Dokumente in verschiedenen Kisten findet. Da sieht man, dass die Arbeit vorankommt. Oder wenn man zwischen den städtischen Akten Pergamente mit Buchmalereien findet. Das ist besonders schön“, sagt die Kunsthistorikerin. Zwei bis 20 Kartons schaffen die Mitarbeiter jeden Tag, es kommt ganz auf den Inhalt an. Bis endlich alle Dokumente in der alten Lagerhalle des Stadtarchivs gesichtet sind, wird es wohl noch bis zum Sommer dauern.




























